Publiziert am: 22.04.2016

«Sinn-Botschaft ist wichtig»

«Arbeitswelt 4.0» – An der «Personal Swiss 2016» wird die «Arbeitswelt 4.0» thematisiert. Petra Jenner – Geschäftsführerin von Microsoft Switzerland – erklärt, was es damit auf sich hat.

Schweizerische Gewerbezeitung: Frau Jenner, woran arbeiten Sie derzeit?

nPetra Jenner: Momentan arbeite ich sehr viel mit dem Thema Digitalisierung und die Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Mich interessiert dabei besonders, welche neuen Aufgaben entstehen, wie das kollektive Lernen erleichtert werden kann und wie die Führungskräfte besser auf diesen Wandel vorbereitet werden können.

In Ihrer Keynote geht es um die Arbeitswelt 4.0. Wie definieren 
Sie diese und wie drückt sich 
die Arbeitswelt 4.0 in Ihrem Arbeitsalltag aus?

n Die Arbeitswelt wird von vielen Megatrends beeinflusst. Darunter der gesellschaftliche Wertewandel, die demografische Wende, die Digitalisierung, die Migrations- und die «Brain»-Wellen. Daraus ergibt sich für mich, dass die Arbeitswelt 4.0 mehrere Dimensionen beinhaltet. Dazu gehören Selbstmanagement und Selbstverantwortung, ­hierarchiearme, offene und diverse Unternehmenskultur, zeit- und ortsunabhängige Zusammenarbeit, kundenzentriertes Unternehmertum sowie neue Formen des Wissenserwerbs im Unternehmen. Diese Megatrends wirken insbesondere auf die Art der Führung, auf die Spielräume, die die einzelnen Mitarbeiter haben werden, und definieren die zukünftige Unternehmenskomposition.

Welche Rolle spielt die HR-Abteilung in dieser Arbeitswelt 4.0?

n Die Digitalisierung wird die Rolle der Unternehmen und die Rolle der Führungskraft verändern. Um der neuen Arbeitswelt gerecht zu werden, wird sich auch die Arbeit der Personalbereiche verändern. Die Zukunft von HR wird noch sehr viel stärker auf Talent- und Personalentwicklung ausgerichtet sein. Neue Fähigkeiten müssen erlernt werden, Experten müssen auf dem internationalen mobilen Arbeitsmarkt weiter entwickelt werden, Manager müssen intensiver unterstützt werden, um den Unternehmenswandel effizienter mitzugestalten. HR wird weiter viele Prozesse auslagern und automatisieren, um sich auf die Kernkompetenzen Personalentwicklung, Managemententwicklung sowie Talentförderung zu fokussieren.

In einem Interview haben Sie gesagt: «Die Art des Führens ist im Umbruch.» Wie meinen Sie das?

n In einer veränderten Arbeitswelt mit hoher Flexibilität und globalen Rahmenbedingungen ist es wichtig, situativ zu entscheiden und vor allen Dingen viele Führungsstile zu beherrschen. Von den sechs Führungsstilen sollten die neuen Führungskräfte regelmässig drei bis vier Stile anwenden. Die Schaffung einer neuen Arbeitswelt kann nur gelingen, wenn die Mitarbeitenden motiviert werden, sie wollen das Wie und Warum und die Hintergründe besser verstehen. Mitarbeiter wollen heutzutage eingebunden werden, sie hinterfragen viel mehr, wollen Sinn sehen in dem, wofür sie sich langfristig engagieren. Finanzielle Ziele reichen nicht aus, um zu motivieren. Die Schaffung einer Sinn-Botschaft für das Unternehmen ist wichtig. Nebst Profitmaximierung wird die Sinnmaximierung immer wichtiger.

Welche Tipps würden Sie jungen, ambitionierten Managern mit auf den Weg geben?

n Seid mutig und bleibt es auch – Beharrlichkeit ist wichtig. Akzeptiert Missstände nicht und bleibt offen für eure Visionen, auch wenn sich Widerstände in der Organisation zeigen.

Was werden die Besucher der «Personal Swiss» am 12. April aus Ihrer Keynote mitnehmen?

n Trends der Arbeitswelt und Erfahrungsberichte aus der digitalen Transformation eines Unternehmens.

Interview: Alexandra Pfirrmann