Publiziert am: 24.03.2017

Sparen mit Expertenwissen

FOKUS KMU – Armin Eberle, Geschäftsführer der Energie-Agentur der Wirtschaft EnAW, ergänzt im Interview seine Aussagen aus der TV-Sendung, wie KMU effizienter werden können.

Schweizerische Gewerbezeitung: Was raten Sie Kleinbetrieben, die nicht selber noch einen Fachmann für Energie anstellen können?

n  Armin Eberle: Am besten holt man externe Unterstützung, wie zum Beispiel im Rahmen des KMU-Modells der EnAW. Der Betrieb hat dann einen Berater an seiner Seite, der ihn je nach Wunsch über mehrere Jahre Tipps geben kann und begleitet. Gerade bei Neuanschaffungen lohnt sich das besonders, denn diese können sich langfristig auswirken. Wenn man hier die richtigen Dinge ins Pflichtenheft schreibt, dann hat man schon fast gewonnen. Ein normales KMU, das sich nicht mit Energie beschäftigt, kann dieses Know-how gar nicht haben. Wir stellen dieses Wissen relativ günstig zur Verfügung.

«Wir sehen in der Realität, dass sich teils schon mit einfachen Mitteln sehr viel Geld sparen lässt.»

Woran erkennen Sie denn, dass die Wirtschaft aus Eigeninteresse auf Energieeffizienz setzt?

n  Grundsätzlich kommen die Firmen ja freiwillig zu uns. Die Energieintensiven sind schon lange bei uns – Anfang 2000 haben wir mit der Energie-Agentur begonnen, und in dieser 
Phase gab es noch keine Abgaben. Trotzdem sind diese Firmen schon dazumals zu uns gekommen. Das sind nebst grossen Chemiefirmen, Papierfabriken oder Banken auch kleinere Betriebe wie ein Carrossier oder ein Gärtnereibetrieb mit Gewächshäusern. Vor allem bei grösseren Firmen steckt oftmals eine Geschäfts­philosophie dahinter. Sicher haben aber alle und insbesondere die kleineren Betriebe finanzielle Interessen, weil sie sehen, dass in diesem Bereich viele Ausgaben anfallen. Die Firmen kommen zu uns, setzen es um, und wir sehen in der Realität, dass sich teils schon mit einfachen Mitteln sehr viel Geld sparen lässt.

Wie können KMU ihre Energieeffizienz denn nicht nur verbessern, sondern auf hohem Level halten?

n  Das geht über eine langfristige Zielsetzung. Wir legen Massnahmen auf zehn Jahre aus und bilden aus wirtschaftlichen Massnahmen eine Zielvereinbarung. Die Firma hat von Anfang an einen längeren Horizont, und das ist wichtig, weil die Investitionszyklen üblicherweise auch fünf oder zehn Jahre dauern. Genau auf diese grossen Investitionen lohnt es sich ganz besonders zu achten. Zusätzlich schauen wir den Zielpfad jährlich an, um zu sehen, wo man steht. Die meisten Unternehmen übertreffen ihre Ziele.

Können auch Start-ups schon davon profitieren, von Anfang an auf die Energiebilanz zu achten?

n  Sich von Anfang an beraten zu lassen, wäre der Idealfall. Bei Neuinvestitionen, also zum Beispiel bei der Anschaffung einer Maschine, müsste die Energieeffizienz schon ins Pflichtenheft geschrieben werden. Die Investitionen für energieeffiziente Versionen sind häufig nicht viel höher, die Folgekosten rechnen sich dafür umso schneller. So etwas muss man aber ganz bewusst machen und auch langfristig rechnen. Das machen viele Unternehmen noch nicht. Wir konnten bei einer neugeplanten Fabrik eines Grossunternehmens auch schon 25 Prozent Energie sparen, einfach indem sie vorher zu uns gekommen sind mit der Bitte, dass wir uns das Ganze auch noch anschauen sollen. Es hat sich gelohnt.

Ist das Potenzial zum Energie-
sparen in naher Zukunft schon ausgeschöpft?

n  Ich denke, es ist wichtig, dass sich die Unternehmen genau überlegen, was sie tun. Wie viel Energie brauche ich in fünf Jahren noch, oder wie viel Energie brauche ich effektiv, um meine Produkte herzustellen? Man kann viel sparen, wenn man erkennt, ob die eigenen Anlagen vielleicht überdimensioniert sind und man heute mit anderer oder feinerer Technologie arbeiten würde. Es geht allgemein in die Richtung von feinerer, intelligenter Produktion. Ein Beispiel: Man sieht noch heute viele Restaurants, bei denen die Lüftung auf «Raucherstübli» ausgerichtet ist. Wenn die heute eine neue Anlage einbauen, können sie die Dimensionen halbieren und haben immer noch genug frische Luft. Technologiesprünge sehe ich im Moment nicht, aber die kann man auch schwer vorhersehen. Wichtiger sind die graduellen Verbesserungen, ich denke da an Motoren, Abwärmenutzung oder Beleuchtungs­einrichtungen. Diese Verbesserungen mögen auf ein Jahr gesehen klein erscheinen, auf mehrere Jahre hinaus sind die Unterschiede aber frappant.

Interview: Adrian Uhlmann

Vorschau «FOKUS KMU» VOM 27. MÄRZ

Altersvorsorge unter der Lupe

In der Sendung vom 27. März sehen Sie, wie die Menschen über das Thema Altersvorsorge denken. Werden Sie noch AHV erhalten? Wie hoch wird das Rentenalter? Wir haben auf der Strasse nachgefragt und im Studio diskutieren die Nationalräte Ruth Humbel (CVP/AG), Regine Sauter (FDP/ZH) und Thomas de Courten (SVP/BL). Aussderdem wird den Zuschauern Michelle Lundak vorgestellt. Die 18-jährige Luzernerin lernt Konstrukteurin und zeigt, was sie in ihrem Arbeitsalltag so alles macht. Sie erklärt, was man als Konstrukteurin können muss, weshalb es ihr Traumberuf ist und auch, dass sich Frauen in den Männerdomänen der technischen Berufe nicht verstecken müssen. 
«FOKUS KMU – Die Sendung für Wirtschaft & Gesellschaft» wird am Montag, 27. März um 17.30 Uhr auf TeleZüri, TeleBärn und Tele M1 ausgestrahlt und während einer Woche wiederholt.

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www.fokus-kmu.tv