Publiziert am: Freitag, 20. Februar 2015

Staatsmillionen gehen in Rauch auf

Tabakprävention – Mit einem Einsatz von neun Millionen Franken will das Bundesamt für Gesundheit die Zahl der Raucherinnen und Raucher im Land um weitere zwei Prozent senken. – Ist es Aufgabe des Staates, seine Bürger zu erziehen? Der sgv meint: Nein!

Die Gesundheitsapostel des Bundes können es nicht lassen: Mit einer neun Millionen Franken teuren Tabak­präven­tions­kampagne unter dem Titel «SmokeFree» soll der Raucheranteil bis 2016 von heute 25 auf 23 Prozent gesenkt werden. Wird da nicht einmal mehr völlig übertrieben und sehr viel Geld zum Fenster hinausgeworfen?

Wacklige Fakten

Rauchen ist ungesund. Da gibt es nichts zu diskutieren oder zu relativieren. Mit dem Slogan «ich bin stärker» möchte die neue Tabakpräven­tionskampagne des Bundes Rauchende motivieren, auf den Tabakkonsum gänzlich zu verzichten. Ziel des Bundesamtes für Gesundheit BAG ist es zudem «das positive Image einer rauchfreien Gesellschaft zu stärken». Mit andern Worten möchten die Gesundheitsapostel das Rauchen am liebsten verbieten – obwohl der Tabak immer noch ein legales Produkt ist.

Die Fakten sind auf den ersten Blick eindrücklich: 14 Lebensjahre weniger als Folge des Rauchens, täglich 25 Tabaktote in der Schweiz, Tabak als Ursache vieler Krankheiten, 69 krebserregende Stoffe im Zigarettenrauch, jährlich fünf Milliarden Franken Kosten für die Allgemeinheit. Die Frage sei jedoch erlaubt, ob die Kausalität immer gegeben ist. Ist es tatsächlich «nur» das Rauchen, das zu den «Tabaktoten» führt – oder spielen vielleicht auch andere Faktoren mit?

Und wenn wir schon beim Fragen sind: Weshalb werden nicht auch die positiven Effekte der Tabakwirtschaft erwähnt? Eine im Februar 2013 veröffentlichte Studie der KPMG hat die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Tabaksektors auf stolze 5,4 Milliarden Franken pro Jahr geschätzt. Zudem sichert der Tabaksektor mindestens 8200 Arbeitsplätze in der Schweiz.

Staatliche Oberlehrer?

Eine Grundsatzfrage sei hier noch aufgeworfen. Ist es überhaupt Aufgabe des Staates, seine Bürger zu ­einem gesunden Leben zu erziehen? Und Hand aufs Herz: Ist es nicht besser und spannender, ein gutes statt ein gesundes Leben zu führen? In einem guten Leben kann, ja muss auch der Genuss seinen Platz haben – und dazu darf auch ein mässiger Tabakkonsum gehören. Dies soll jede und jeder selber entscheiden können, ohne dass sie oder ihn deshalb ein schlechtes Gewissen beschleichen muss. Staatliche Oberlehrer haben wir eigentlich gar nicht nötig.

Kommt dazu: Im europäischen Vergleich liegt der Raucheranteil in der Schweiz mit 25 Prozent relativ tief. Der Tabakkonsum sinkt seit Jahren. Kaum ein Erwachsener kann heute noch sagen, er sei über die schädlichen Auswirkungen des Rauchens nicht informiert. An Minderjährige gerichtete Tabakwerbung ist bereits verboten. Und neu soll richtigerweise mit einem Abgabeverbot an Minderjährige der Jugendschutz substanziell verstärkt werden.

Ganz generell sollte sich Väterchen Staat auf seine Kernaufgaben beschränken, mehr Vertrauen in seine mündigen Bürger haben und von deren Bevormundung absehen. Es gibt genügend private Organisationen, die immer wieder moralisierend unterwegs sind und am liebsten alles verbieten möchten, das genussvoll ist: Tabak, Alkohol, Fleisch, Zucker, Salz und Fett. Das ist ihr gutes Recht, aber der Staat soll sich in diesen Fragen zurückhalten. Schliesslich ist jede und jeder selbst für sein Leben verantwortlich. Halten wir es doch mit Paracelsus: Die Menge macht das Gift.

Ruedi Horber, Ressortleiter sgv 
und Geschäftsführer AWMP