Publiziert am: 22.01.2021

Strukturwandel und Nachholeffekte

ARBEITSMARKT – Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO hat die Zahlen zum Arbeitsmarkt im Jahr 2020 publiziert. Auch dank der Kurzarbeit konnten die dunkelsten Szenarien abgewendet werden.

Gemäss den Erhebungen des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO betrug die Arbeitlosenquote 2020 im Jahresdurchschnitt 3,1 Prozent. Das ist angesichts der Krisensituation rund um Covid-19 ein guter Wert. Klar ist aber auch, dass die Pandemie den Arbeitsmarkt weiter und wohl noch eine Zeit lang in Atem hält.

Dass die negativen Auswirkungen der Krise auf die Unternehmen nicht deutlich grösser ausfielen, ist auch der Kurzarbeitsentschädigung zu verdanken (KAE). Dennoch stieg die Zahl der registrierten Stellensuchenden und Arbeitslosen ab Mitte März 2020 steil an. Ab Juni verbesserte sich die Situation wieder. Mit 163 545 lag die Arbeitslosenzahl Ende Dezember um 46 268 Personen höher als ein Jahr zuvor (vgl. Kasten). Das ist ein Plus von fast 40 Prozent. Die Zahl der Stellensuchenden lag um knapp 35 Prozent höher bei 260 318. Ein ähnlich hoher Wert wurde zuletzt im Februar 1997 verzeichnet.

Die durchschnittliche Arbeitslosenquote betrug 3,1 Prozent. Es ist der höchste Wert seit 2017. Im Jahr 2019 lag der Wert noch bei 2,3 Prozent. Die Jugendarbeitslosenquote liegt um 1 Prozentpunkt höher als im Vorjahr und beträgt 3,2 Prozent. Auch die Quote der älteren Arbeitnehmer (50- bis 64-Jährige) hat mit einem Schnitt von 2,9 Prozent zugenommen (plus 0,7 Prozentpunkte).

Wie erwähnt, konnten die KAE noch drastischere Anstiege verhindern. Waren im Februar gerade mal rund 5000 Personen in Kurzarbeit, war es im März bereits 1 Million. Im April wurde dann der historische Höchstwert von 1,3 Millionen Personen in Kurzarbeit registriert. Danach ging die Zahl zurück, wobei die Zahl in den Wintermonaten angesichts der aktuellen epidemiologischen Lage wieder ansteigen dürfte. Die aktuellsten Zahlen aus dem November 2020 zeigen, dass fast 650 000 Arbeitnehmende zum Bezug von KAE vorangemeldet waren.

Verhaltener Optimismus

Ohne die Kurzarbeit hätte die Arbeitslosenquote bis zu 16 Prozent betragen können, so die Schätzungen des SECO. Auch deutlich mehr Konkurse wären ohne die Unterstützung zu Buche gestanden. Um zusätzliche Aussteuerungen zu verhindern, wurden die Rahmenfristen verlängert. Weiter zeigt sich das SECO für das Jahr 2021 zuversichtlich, geht aber auch von einem Strukturwandel aus. Hart treffen könnte das erneut die Gastrobranche, da allgemein mehr auf Homeoffice gesetzt wird. Profitieren könnten andere Sektoren, zum Beispiel Logistikdienstleistungen.

Die Zuversicht sei auch auf Nachholeffekte zurückzuführen, und es gehe tendenziell in Richtung Normalität. Aber selbst im Jahr 2022 werde das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht sein. Sollte dereinst die Pandemie vorüber sein, könnte es gemäss SECO schnell gehen: Die Kurzarbeit würde abgebaut werden, die Arbeitslosigkeit dürfte zurückgehen, und die Einkommen sollten wieder steigen.

Bleibt zu hoffen, dass der Optimismus begründet ist.

uhl

AKTUELLE ZAHLEN

Dezember 2020

Für den letzten Monat des Jahres 2020 meldete das SECO eine Arbeitslosenquote von 3,5 Prozent. Im Vormonat November lag diese noch bei 3,3 Prozent. In absoluten Zahlen heisst das: 163 545 Arbeitslose waren im Dezember 2020 bei den regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) eingeschrieben.

Die Jugendarbeitslosenquote erhöhte sich von November auf Dezember um 1,2 Prozent, diejenige der älteren Arbeitnehmenden (50- bis 64-Jährige) um 7,7 Prozent. Die Anzahl der gemeldeten Stellen verringerte sich um 3635 auf 25 226 Stellen. Etwas mehr als die Hälfte davon unterlag der Stellenmeldepflicht.

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