Publiziert am: 09.12.2016

Taxifahren via App

GO! MOBILITY – Die Taxibranche fährt derzeit mit viel Rückenwind ins digitale Zeitalter. Mit im Gepäck sind Zuverlässigkeit und Transparenz für den Kunden.

Stellen Sie sich vor, Sie stehen in Zürich am Hauptbahnhof. Mit dem Taxi wollen Sie nun schnell zu einem Geschäftstermin in Zürich-Altstetten. Sie kennen sich nicht aus, haben 
aber die Adresse und die Zeit drängt. Was sich auch aufdrängt: ein Taxi 
zu rufen. Die ersten zwei Taxis fahren an Ihnen vorbei, obwohl sie scheinbar leer sind. Dann kriegen 
Sie doch noch eins. Sie fragen im Vor­aus nach dem Preis, schliesslich möchte man sich orientieren können. Am Ende der Fahrt steht auf dem Taxameter doch einiges mehr, als vom Chauffeur prophezeit. Zwar sind Sie am Ziel, aber zeitlich knapp dran und irgendwie doch verärgert, denn Sie wollten einfach ein Taxi rufen und effizient transportiert werden. Einfach – das ist das Stichwort. Denn solch fragwürdige Kundenerlebnisse sollen bald der Vergangenheit angehören.

«Die Digitalisierung erfordert auch 
Offenheit von seiten der Arbeitnehmer.»

Schnell, einfach und zuverlässig soll es mit go! Mobility gehen. Die Digitalisierung lässt grüssen: Smartphone zücken, go! Mobility-App öffnen, gewünschtes Ziel eingeben – der definitive Preis ist jetzt schon ersicht­-
lich – und bestellen. Fertig. So soll es schon bald in der ganzen Schweiz funktionieren. Es ist die branchen-eigene Antwort auf disruptive neue Mitbewerber wie Uber. «Der Fixpreis in der App, die Fahrzeugauswahl, bargeldloses Bezahlen und ausnahmslos offiziell zugelassene Taxichauffeure – das sind die Argumente, mit denen wir punkten möchten», erklärt Christian Fox, Projektleiter von go! Mobility. Und ebenfalls 
ganz wichtig: Transparenz – einer 
der meistgenannten Kundenwünsche im digitalen Zeitalter. Erreicht wird dies, indem die App konsequent 
vereinfacht und komplett aus Kundensicht gedacht wurde. Mit den 
von Christian Fox erwähnten Stär-ken behalten Fahrgast, aber auch Chauffeure und Taxihalter immer 
den Überblick. Und, ganz neben-
bei, lernt die etablierte Taxibranche sich selbst und ihre Rolle in Zeiten der Digitalisierung neu kennen. 
Das digitale Zeitalter als Chance für neue Kundensegmente, die bisher nicht zu den typischen Taxikunden zählten.

Expansion erfolgt ab Januar

Vom «Hausmarkt» Zürich aus soll die ganze Schweiz mit go! erobert werden. Baden fungiert dabei aktuell als Test in der Agglomeration und soll auch den Graben zwischen städtischen und ländlichen Dienstleistungsangeboten schliessen. In Fribourg werden parallel erste Erfahrungen in einem zweisprachigen Gebiet gemacht sowie der Kundendienst auf Französisch eingespielt. Gespräche laufen aber schon an vielen weiteren Orten, beispielsweise in Chur und St. Gallen. «Wir haben etwa zehn bis zwölf grössere Kandidaten für die unmittelbare Folgephase nach dem Pilot», verrät Christian Fox. «Die Zurückhaltung einiger Taxiunternehmer ist verständlich, da sie zuerst Resultate sehen möchten.» Ab Januar 2017 soll dann aber definitiv die Expansion erfolgen. Dazu gehört auch die richtige Vermarktung, und die wird – ganz «digital-like» – hauptsächlich mittels Marketing auf den Social Media-Kanälen erfolgen. «Rund 70 Prozent wird über Digital Marketing laufen», präzisiert Christian Fox.

Technologie aus einer Hand

Die App und die dahinter verborgenen Abläufe haben über eine neue Schnittstelle Einlass in die bislang den Taximarkt dominierende Vermittlungssoftware von fms Austrosoft gefunden. Damit könne Technologie aus einer Hand geboten werden. «Das Verbinden der Systeme war nicht ganz einfach», gibt Fox zu. «Nun haben wir aber ein einheitliches System, welches für die Endbenutzer einfach aufgebaut ist, und somit konnte das Ziel erreicht werden.» Von dieser einfachen Benutzeroberfläche sollen nicht nur Kunden, sondern auch Taxichauffeure profitieren. «go! ist selbsterklärend und benutzerfreundlich», erklärt Fox. Dies ermögliche es den Chauffeuren auf beinahe spielerische Weise, den Einsatz der Technik zu erlernen. Dies ist auch deshalb nötig, weil eine Schulung nicht ohne Weiteres möglich wäre. «Jeden Chauffeur vor Ort zu schulen wäre nicht zuletzt aufgrund der Sprachbarriere sehr schwierig», so Fox. «Die Digitalisierung erfordert auch Offenheit von Seiten der Arbeitnehmer, der Lohn dafür sind neue unternehmerische Antworten auf die gewandelten Kundenbedürfnisse von heute.» Zentralen ohne fms-System können bequem und einfach mit der App «go! Driver» teilnehmen, welche ebenfalls bereits in den App Stores ist.

Wie beim Onlineshopping soll also auch eine Taxifahrt in Zukunft digital ablaufen, dem Kunden grösstmögliche Transparenz ermöglichen und vor allem einfach sein. Denn der Kunde von morgen möchte nach der Taxibestellung per App nur noch ­eines: Einsteigen und go!

Adrian Uhlmann

NACHGEFRAGT BEI CHRISTIAN FOX

«Eine Evolution des Gewerbes»

Schweizerische Gewerbezeitung: Mit go! wird die Taxibranche revolutioniert. Kann man das 
so sagen?

n Christian Fox: Wir sind überzeugt, mit go! eine zeitgemässe Lösung für etablierte Taxiunternehmen geschaffen zu haben, um im digitalen Zeitalter gemeinsam nachhaltig erfolgreich zu sein. So gesehen bauen wir die Zukunft der Schweizer Branche auf Bestehendem auf, betreiben eher eine Evolution des Gewerbes hin zu Neuem.

Die Konkurrenz wie Uber ist stark. Welchen Mehrwert bieten Sie den Kunden?

n Mit go! fahren Kunden zum fairen, vorab fixierten Preis gemäss App. Fahrgäste kennen die Konditionen im Voraus und können sich Mobilität mit Taxis bedarfsgerecht zusammenstellen, ähnlich wie ein Billet im öV. Dies funktioniert gerade auch im engen Zusammenspiel mit anderen Verkehrsangeboten gut, wo Taxis die ideale Lösung für die «letzte Meile» zum eigentlichen Zielort sind.

Welches sind die grössten Herausforderungen bei der Umsetzung von go! Mobility?

n Die grösste Herausforderung ist es, die traditionell stark regional organisierte Taxibranche gemeinsam für die Sache zu begeistern, egal ob es um städtische oder ländliche Partner geht. Vielen ländlichen Partnern ist der technologische Wandel der Fahrdienstvermittlung noch nicht so geläufig, dort leisten wir gemeinsam mit dem lokalen Partner Pionierarbeit beim «Taxifahren via App».

Wie geht es nun mit dem Projekt weiter?

n Unser Ziel ist es, im Laufe des nächsten Jahres ein weitgehend flächendeckendes Netz von professionellen Fahrdiensten auf der go!-Plattform zu gruppieren. So werden faire und transparente Preise überall in der Schweiz möglich, die der Branche den nötigen Rückenwind ins digitale Zeitalter geben. Taxi 3.0, sozusagen.

Interview: uhl