Publiziert am: 12.08.2022

«Tut dem Berufshandwerk gut»

SWISSSKILLS – Im September finden in Bern die nationalen Berufs­meister­schaften statt. Einer der Wettkämpfer ist Motorradmechaniker-Lehrling Andrin Meier. «Es ist toll, sich mit Teilnehmern aus der ganzen Schweiz messen zu können», sagt der 19-jährige Tösstaler.

Es herrscht viel Betrieb bei der Hobi Moto AG. Die Firma verkauft und repariert Töffs und veräussert Zubehör und Bekleidung. In der Werkstatt arbeiten mehrere Mechaniker an Motorrädern. «Jetzt ist Hochsaison», sagt Bernhard Gehrig. Er ist Mitglied der Geschäftsleitung und Werkstattchef des in Winterthur beheimateten KMU. Ausserdem betreut er die Lehrlinge.

Momentan macht Andrin Meier die Lehre bei der Firma. Er kommt nach den Sommerferien ins 4. Lehrjahr. Im September nimmt er an den nationalen Berufsmeisterschaften SwissSkills in Bern teil (vgl. Kasten). Acht Motorradmechaniker-Lehrlinge werden sich in der Bundeshauptstadt messen. «Es ist mir eine Ehre, meinen Beruf vertreten zu dürfen», sagt Meier.

Bereits die Teilnahme sei ein Erfolgserlebnis, sagt der 19-jährige Berufsmann. Trotzdem verhehlt er seine Ziele nicht: «Ich möchte in Bern möglichst weit nach vorne kommen.»

Abends Theorie lernen

Momentan befindet er sich in den Vorbereitungen. Er besucht überbetriebliche Kurse an der Fachschule, lernt abends zu Hause Theorie oder geht in seiner Freizeit stundenweise in die betriebliche Werkstatt. Da übt er zum Beispiel, Speichenräder zusammenzubauen und zu zentrieren, die Elektrik zu kontrollieren oder Probleme beim Getriebe aufzuspüren. «Klassische Sachen, wie sie bei Abschlussprüfungen vorkommen können», sagt Gehrig. Und die wohl auch an den Schweizer Berufsmeisterschaften abgefragt werden.

Meiers Interesse für Motorräder und Technik kommt nicht von ungefähr. Alles rund um Töffs habe ihn seit jeher interessiert, erzählt er. Der Vater lernte ursprünglich Automechaniker, der ältere Bruder ist ausgebildeter Landmaschinenmechaniker. «Ich habe als Kind viel Zeit in der Werkstatt meines Vaters verbracht», sagt der 19-Jährige und schmunzelt. «Mit acht Jahren hatte ich bereits mein erstes Töffli und habe daran herumgeschraubt.» Generell sei er technikaffin. Eines seiner Hobbys ist beispielsweise das 3D-Drucken.

Mit Töff zur Arbeit

Heute fährt Meier ein Motorrad der Marke BMW. «Diese Modelle haben mir schon immer gefallen.» Es ist deshalb kein Zufall, dass er die Lehre bei der Hobi Moto AG macht. Das KMU hat eine Markenvertretung für BMW und verkauft zudem auch Vespas – darunter auch vereinzelt Elektromodelle.

Einen Trend zu Elektro spüre die Firma aber nicht, sagt Gehrig. «Die Töffbranche hinkt hier ein wenig hinterher.» Das liege mitunter an der Reichweite. Bei BMW-Motorrädern liege diese bei rund 120 Kilometern. «Wenn man eine längere Tour macht, muss man den Ladestationen nachfahren. Das macht keinen Spass.»

Meier fährt mit seinem Töff oder dem Auto zur Arbeit, früher mit dem Töffli. Er wohnt mit seiner Familie in Wila im Tösstal. Sein Umfeld und die Familie habe positiv auf die Nachricht reagiert, dass er an den SwissSkills teilnehme, sagt er.

Viele Vorteile

Die Idee dazu kam unter anderem von seinem Berufsschullehrer Silvio Bolt. «Andrins Fähigkeiten und Leistungen wie auch seine Bereitschaft, sich für seine Ausbildung einzusetzen, sind an allen Lernorten mehr als beeindruckend», sagt Bolt über seinen Schüler. Die Teilnahme an den SwissSkills werde ein einmaliges Erlebnis, eine grosse Chance und allenfalls auch ein Sprungbrett für dessen Zukunft sein.

Für Bolt bieten die SwissSkills aber nicht nur für die Teilnehmer viele Vorteile. Sie wenden sich an ein breites Publikum. «Sehr viele Berufe können besichtigt werden, und dies ist im Besonderen für Personen während der Berufswahlphase äusserst interessant.» Er werde selbstverständlich auch dieses Jahr wieder persönlich an den SwissSkills erscheinen, sagt er.

100 Franken fĂĽr Sechser

Lehrmeister Gehrig war von der Idee von Meiers Teilnahme ebenfalls sofort begeistert, und er ergänzt mit einem Schmunzeln: «Andrin ist einer der besten Lehrlinge im Kanton, wenn nicht in der Schweiz.» Jedes Mal, wenn sein Schützling einen Sechser von der Schule mitbringe, zahle er 100 Franken. «Das hat mich schon mehrere hundert Franken gekostet», sagt der Lehrmeister und lacht. «Es ist lässig.»

Das alles ist nicht selbstverständlich. Denn gute Lehrlinge zu finden, bereitet dem KMU zuletzt vermehrt Mühe. «Früher gab es jeweils mehrere Bewerbungen. Heute sind wir froh, wenn sich jemand bewirbt und es passt», sagt Gehrig. Er spricht aus Erfahrung. Seit rund 40 Jahren arbeitet der bald 60-Jährige bei der Hobi Moto AG.

Doch das ist derzeit nicht die einzige Herausforderung: Dem KMU macht momentan ebenfalls zu schaffen, dass Ersatzteile sehr lange Lieferzeiten haben.

Respekt vor Zeitdruck

Für seinen «Stift» wünscht sich der Lehrmeister, dass dieser sein Ziel erreicht, vorne mitzumischen. «Wir erhoffen uns natürlich ein gutes Resultat, und dass er dem Druck standhält», sagt Gehrig.

Meier ist voller Vorfreude und blickt positiv auf die Berufsmeisterschaft. «Es ist toll, sich mit Teilnehmern aus der ganzen Schweiz messen zu können. Eine solche Meisterschaft tut dem Berufshandwerk gut.» Respekt hat der 19-jährige Tösstaler vor allem vor etwas: «Die Prüfungen müssen innerhalb einer gewissen Zeit gemeistert werden. Ich hoffe, ich komme mit dem Zeitdruck zurecht.»Rolf Hug

Swissskills 2022

Einblick in 150 Berufe

Die zentralen SwissSkills in Bern finden zwischen dem 7. und 11. September 2022 statt – zum dritten Mal nach 2014 und 2018. Es sind laut Veranstaltern die grössten Berufsmeisterschaften der Geschichte. 150 Berufe werden präsentiert, so viele wie noch nie. Die besten jungen Berufsleute – insgesamt 1150 – der Schweiz stehen während diesem fünftägigen Grossevent live im Einsatz. Die Besucher können ihnen bei der Arbeit über die Schulter blicken und ganz viele Berufe sogar selbst ausprobieren.

www.swiss-skills.ch

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