Publiziert am: 07.11.2014

«Unbeirrt auf der Zielgeraden»

LEHRPLAN 21 – Christian Amsler, Präsident der Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz (D-EDK), zur späten Kritik beim Zieleinlauf.

Sehr bald soll der Lehrplan 21 an die Kantone in deren Hoheit zur Einführung an den Schulen übergeben werden. Die 21 Deutschschweizer Kantone lösen mit dem Lehrplan 21 die verfassungsmässige Verpflichtung ein, die Ziele der Schule in unserem Land zu harmonisieren. Sie setzen damit ein eindrückliches und sinnvolles Zeichen der interkantonalen Kooperation. Mit dem gemeinsamen Lehrplan werden Mobilitätshindernisse für Familien mit schulpflichtigen Kindern und Lehrpersonen weiter abgebaut. Dies ist im Interesse der Wirtschaft und des Gewerbes.

Die Zusammenlegung der Kräfte optimiert den Einsatz der finanziellen Mittel im Bereich der ohnehin anstehenden Anpassung der Lehrpläne in den Kantonen. Sie bündelt zudem das fachdidaktische Know-how und ermöglicht die Partizipation der Lehrpersonen in der Deutschschweiz.

«DER LEHRPLAN 21 IST AUCH IM INTERESSE DES GEWERBES.»

Der neue Lehrplan wird ein praxisnahes, gebrauchsfertiges Produkt sein. Gerade auch für Wirtschaft und Gewerbe ist der Lehrplan ein wichtiges Kernstück einer zukunftstauglichen Volksschule, die mit einer besonderen Fokussierung auf die «Berufliche Orientierung» (als eigener Modullehrplan) die Jugendlichen gut auf die Berufswelt vorbereitet. Diese Module umfassen zeitlich und inhaltlich begrenzte Aufgaben der Schule, für die die Kantone Zeitgefässe bereitstellen und für die geregelt wird, welche Lehrperson für die Umsetzung verantwortlich ist.

Breite Diskussion

Alle sind Schulexperten, alle wollen in Schulfragen mitdiskutieren! Die Entwicklung eines Lehrplans als Auftrag der Gesellschaft an die öffentliche Volksschule ist ein höchst komplexer Prozess, an dem Fachpersonen, Verwaltung und Politik beteiligt sind. Der Lehrplan ist ein Produkt, das fachlichen Ansprüchen genügen und politische Akzeptanz finden muss. Auch beim Gewerbe! Der dafür nötige Konsensfindungsprozess wurde in den vergangenen Jahren unter Einbezug der 21 beteiligten Kantone, den Verbänden der Schulpartner (Lehrerschaft, Schulleitungen, Eltern und Schülerorganisationen, Wirtschaft und Gewerbe) sowie Vertretern der an die Volksschule anschliessenden Bildungsstufen (Berufliche Grundbildung und weiterführende Schulen) intensiv geführt. Im Juni 2013 wurde der Lehrplan 21 veröffentlicht und es fand eine breite öffentliche Diskussion zum Lehrplan 21 statt. Die Kantone, Verbände und Organisationen haben in der Konsultation mit insgesamt über 1000 Rückmeldungen umfassend ihre Anliegen einbringen können:

«DIE D-EDK HAT AUF DIE KRITIK REAGIERT.»

Das Kernanliegen, durch einen gemeinsamen Lehrplan den Auftrag der Bundesverfassung zur Harmonisierung der Ziele der Volksschule umzusetzen, fand breiteste Zustimmung und wurde nur in einzelnen Stellungnahmen in Frage gestellt. Auch das Konzept, Kompetenzen zu beschreiben mit dem Ziel, dass Schülerinnen und Schüler in Zukunft über das nötige Wissen verfügen und dieses auch in Handlungssituationen anwenden können, wurde breit unterstützt. Hingegen vermochte die konkrete Umsetzung dieses Konzepts im Detail aus Sicht verschiedener Konsultationsteilnehmer nicht voll zu befriedigen. In vielen Stellungnahmen wurde angemerkt, der Lehrplan sei überfüllt, stellenweise zu detailliert formuliert und die Anforderungen seien zum Teil zu anspruchsvoll. Dies haben wir sehr ernst genommen.

Überarbeitung des Lehrplans 21

Die D-EDK hat darauf reagiert! Auf Basis dieser Rückmeldungen wurde in den letzten Monaten der Lehrplan 21 von den Fachgremien gründlich überarbeitet. Dabei wurde er insbesondere um rund 20 Prozent gekürzt, und in ausgewählten Bereichen wurde das Niveau der Anforderungen gesenkt. Auch haben wir Lehrplanaussagen zu Haltungen und Einstellungen noch stärker darauf ausgerichtet, die Schülerinnen und Schüler zu befähigen, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Dies fordern auch die Wirtschaft und das Gewerbe.

«IN DIESEN TAGEN SOLL DER LEHRPLAN 21 FREIGEGEBEN WERDEN.»

In diesen Tagen soll nun der Lehr­plan von den Deutschschweizer Erzieh­ungs­direktorinnen und -direktoren freigegeben werden. Nach der Ausarbeitung folgt eine sorgfältige Einführung des Lehrplans 21 in den Kantonen. Diese entscheiden, auf welchen Zeitpunkt, mit welchen begleitenden Massnahmen und welchen kantonalen Ergänzungen sie den Lehrplan 21 einführen werden. Damit kann auf laufende kantonale Entwicklungen und unterschiedliche Bedürfnisse und Rahmenbedingungen Rücksicht genommen werden. Der D-EDK war auch in der Konsultationsphase der enge Schulterschluss mit den Verbänden und Institutionen sehr wichtig. So haben wir beispielsweise unter meiner Leitung einen «Runden Tisch» in Bern durchgeführt. Vom Schweizerischen Gewerbeverband sgv hat Christine Davatz teilgenommen und den sgv sehr kompetent vertreten. Wenn nun auch rückwärtsgerichtete, konservative Kreise im Sinne eines Sammelbeckens von diversen Partikularinteressen (Sexualpädagogik, Gender, Lehrerrolle, Basisdemokratie etc.) sozusagen auf der Zieleinlaufstrecke mit zum Teil abenteuerlichen Argumenten den Lehrplan 21 zu Fall bringen wollen, wird die D-EDK unbeirrt ihren Weg gehen, gemeinsamen Führungswillen zeigen und den Lehrplan für die 21 Deutschschweizer Kantone ins Ziel führen.Christian Amsler (FDP), ­Regierungspräsident des Kantons Schaffhausen, Präsident der Deutschschweizer Erziehungs-
direktoren-Konferenz (D-EDK)