Publiziert am: Freitag, 4. Mai 2018

«Unsere Branche wird stark reguliert»

KOORDINATIONSSTELLE FEUERWERK – Die SKF engagiert sich stark in der Ausbildung ihrer Mitglieder und nimmt damit auch ihren Sicherheitsauftrag sehr ernst. Die Branche kämpft mit immer neuen Gesetzen, unter anderem auch vorgeschrieben von der EU.

Der Nachthimmel leuchtet in prachtvollen Farben und Formen. Feuerwerk-Bouquets und Lichteffekte lassen uns eintauchen in ein Licht- und Schattenspektakel: Ein Feuerwerk ist für die meisten von uns ein einzigartiges und unvergessliches Erlebnis. «Feuerwerk ist eine Kunst, allerdings nur, wenn es richtig geplant und ausgeführt wird. Feuerwerk ist auch eine Freude, wenn Regeln und Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden», betont Urs Corradini, Präsident der Schweizerischen Koordinationsstelle Feuerwerk SKF. Sie ist die wichtige Anlauf- und Koordinationsstelle für die schweizerische Feuerwerksindustrie bei Fragen rund um Sicherheit, Öffentlichkeitsarbeit und Ausbildung. «Feuerwerke gehören zu unserem Brauchtum. Der wichtigste Tag der Branche ist der 1. August», so Corradini. Seit dem Millennium seien Feuerwerke auch am Jahreswechsel Tradition geworden.

«Die föderalistische Regelung ist eine 
Herausforderung für die Branche.»

In der Schweiz werden jedes Jahr durchschnittlich rund 3000 Tonnen Sprengmittel und 1700 Tonnen pyrotechnische Produkte verkauft. In den letzten Jahren hat sich die Landschaft der Feuerwerksindustrie bezüglich Vorschriften und Auflagen massiv verändert. Dazu Corradini: «Seit 2003 erfolgen gesetzliche Auflagen bezüglich Zulassung der Produkte durch den Bund respektive das Bundesamt für Polizei (fedpol).» Bei den Regelungen des Verkaufs von Feuerwerk spielt der Föderalismus hinein. «Die Auflagen in den Kantonen und Gemeinden sind unterschiedlich. So dürfen beispielsweise am 1. August in Appenzell Ausserrhoden keine Feuerwerkskörper verkauft werden. Diese Situation ist eine Herausfor­derung für die Branche», stellt Corradini fest.

Sicherheitsbestimmungen 
einhalten

Ein zentrales Thema für den Verband sind die Sicherheitsvorschriften. «Wir haben einen Sicherheitsauftrag zu erfüllen. Dabei versuchen wir, Gefahren vorzeitig zu erkennen und 
sowohl mit unseren Mitgliedern als auch in Zusammenarbeit mit den 
Behörden nach geeigneten Lösungen zu suchen», sagt Corradini. Zur Unfallverhütung gehören eine Reihe von Massnahmen. Sie informieren über Handhabung, Lagerung, Sicherheitsdistanzen, Wartefrist bei Blindgängern etc. «Diese Vorschriften nützen natürlich nur etwas, wenn sie auch konsequent angewendet werden», sagt Corradini. «Für unsere Mitglieder ist es enorm wichtig, dass die Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden, ansonsten würde es der ganzen Branche schaden und den Brauch des Feuerwerks in ein schiefes Licht rücken.» Unfälle mit Feuerwerk passieren allerdings selten: «Die Erfahrungen zeigen, dass fast alle Unfälle auf ein Fehlverhalten zurückzuführen sind.»

«Unsere Mitglieder 
sind alle ent­sprechend geschult und verfügen über eine Abbrand­bewilligung.»

Ebenso streng geregelt ist die Ausbildung professioneller Grossfeuerwerker. Diese läuft unter dem Sprengstoffgesetz und ist an das EU-Recht angepasst. Der Verband hat in der fachgerechten Ausbildung den Lead. Feuerwerkskörper, die eine grosse Gefahr darstellen und an grossen 
Festen, wie beispielsweise am 
Zürifest, am Aarburger Wasserfest oder an der Sonnenwende Oensingen – dem grössten Feuerwerk der Schweiz – zu sehen sind, dürfen nur von professionell ausbildeten Fachleuten abgebrannt werden. «Unsere Mitglieder sind alle entsprechend 
geschult und verfügen über eine 
Abbrandbewilligung», sagt Corradini. Im Zeitalter der Digitalisierung werden die Choreografien der Gross­feuerwerke via Computer kreiert und zusammengestellt. Ebenso erfolgen Zündung und Steuerung via elektronischen System beziehungsweise per Touchescreen auf dem Tablet.

Schweizer Vulkane sind gefragt

In der Schweiz werden Vulkane, bengalische Zündhölzer sowie Wunderkerzen hergestellt. «Wir sind im Ausland bekannt für die Schweizer Qualität, die in den grossen Vulkanen steckt, sowie die gute Preis-Leistung. Sie sind ein beliebter Exportartikel», freut sich Corradini. 90 Prozent der Feuerwerkskörper werden importiert. Die Einfuhr und die Herstellung in der Schweiz unterliegen auch hier einer strengen Kontrolle auf Bundesebene. Immer neue Gesetze und Regulierungen, die häufig von der EU übernommen werden müssen, sind eine grosse Herausforderung für die Branche: «Die Beschaffung von Produkten aus China beispielsweise wird für unsere Mitglieder immer schwieriger, weil die Vorschriften im Land selber immer strenger werden. Heute müssen wir mit einem Jahr Lieferfrist rechnen», erklärt Corradini. Themen, mit denen sich die SKF beschäftigt, sind auch Lärmimmissionen sowie umweltfreundliche Produkte. «Uns ist es wichtig, bei diesen heiklen Themen eine klare Position zu beziehen. Beim Abbrennen von Feuerwerk müssen die Nachtzeiten eingehalten werden und auch die Bedürfnisse von älteren Leuten, Familien mit Kleinkindern und Haustieren respektiert werden», so Corradini. «Zudem wollen wir mit den pyrotechnischen Effekten die Umwelt so wenig wie möglich belasten.» Corinne Remund

DIE SKF KURZ ERKLÄRT

Feuerwerkskultur fördern

Die Schweizerische Koordinationsstelle Feuerwerk SKF ist Anfang der 70er-Jahre als Untergruppierung des Spielwarenverbandes entstanden. Sie existiert seit 1990 als eigenständiger Verband der Schweizer Hersteller, Importeure und Grossisten von Feuerwerk und Pyrotechnik. Die SKF ist zudem der Dachverband der schweizerischen Feuerwerksbranche. Sie fördert die Feuerwerkskulturen sowie deren Tradition, den sicheren und eigenverantwortlichen Umgang mit Feuerwerk und sensibilisiert ihre Mitglieder, im Zusammenhang mit dem Feuerwerk auf Tiere und Umwelt Rücksicht zu nehmen. Die SKF als Fachstelle für Pyrotechnik stellt die Verbindung zu den Behörden bei Bund, Kantonen und Gemeinden her. Sie ist die erste Anlaufstelle bei Anfragen von Gemeinden, bei Bewilligungen oder bei Fragen zur Ausbildung. Eine wichtige Dienstleistung der SKF ist zudem die Öffentlichkeitsarbeit – dies besonders am 1. August, dem wichtigsten Tag der Branche. Eine zentrale Aufgabe ist die Ausbildung von Feuerwerkern.

Die SKF zählt 15 Mitglieder. Diese sind allesamt KMU, teilweise Hersteller von Feuerwerk oder Importeure. Die Aufsichtsbehörde – das Bundesamt für Polizei (fedpol) – ist Mitglied mit beratender Stimme. Die Feuerwerksbranche beschäftigt je nach Saison zwischen 100 bis 300 Per­sonen. CR