Publiziert am: 14.12.2018

Weltweites Know-how

PET-RECYCLING SCHWEIZ – Innerhalb von 25 Jahren konnte die Recyclingquote von PET-Recycling Schweiz auf 83 Prozent gesteigert werden. Dies ist auf die gute Zusammenarbeit zwischen Getränkeindustrie, KMU und Endverbrauchern zurückzuführen. Damit hebt sich die Schweiz – auch bezüglich Innovationen und Entwicklung – von anderen Ländern ab.

Wertstoffe separat zu sammeln ist für Schweizerinnen und Schweizer eine Selbstverständlichkeit. In fast jedem Haushalt stehen Einkaufstaschen und Kisten bereit, um PET-Getränkeflaschen, Karton, Papier, Glas, Dosen und vieles mehr getrennt zu sammeln und dem Recycling zuzuführen. Letztes Jahr wurden 37 451 Tonnen PET recycelt, das sind rund 1,2 Milliarden Flaschen. «Aktuell kann dank PET-Recycling in der Schweiz jährlich ein Ausstoss von 138 000 Tonnen Treibhausgas verhindert werden. Das entspricht dem Ausstoss aller Personenwagen des Kantons Schaffhausen während eines Jahres», so Jean-Claude Würmli, Geschäftsführer des Vereins PRS PET-Recycling Schweiz. Der Verein stellt ein gesamtschweizerisches Entsorgungsnetz für PET-Getränkeflaschen zur Verfügung – mit Erfolg. 2017 waren es rund 50 000 Sammelstellen, in diesem Jahr kam noch 2800 neue dazu. «Das sind eineinhalb Mal mehr Sammelstellen als Haltestellen des öffentlichen Verkehrs», so Würmli.

«Seit FAST 30 Jahren ist das PET-Recycling bei uns Praxis – in einigen Ländern muss es erst noch eingeführt werden.»

Die Schweiz nimmt im Recyceln einen Spitzenplatz ein. Dazu Würmli: «Wir haben ein gutes Abfallmanagement, das heisst ein nicht überreguliertes Abfallwesen, das eine optimale Grundlage liefert. Ein Beispiel dafür ist die Kehrichtsackgebühr. Da überlegt sich jeder, ob er eine wertvolle Glas- oder PET-Flasche im teuren Abfallsack oder in der Gratissammelstelle entsorgen will.» Ein grosses Plus sei das Bewusstsein der Schweizerinnen und Schweizer bezüglich des Entsorgens von PET-Flaschen. «Seit fast 30 Jahren ist das bei uns Praxis, was in einigen Ländern erst noch eingeführt werden muss», stellt Würmli fest.

KMU leisten einen wichtigenTeil beim PET-Recycling

KMU sind massgeblich am Erfolg des Schweizer PET-Recyclings beteiligt. «Die Betriebe spielen eine zentrale Rolle. Ohne sie würden wir das Ziel nie erreichen», so Würmli. Per Verordnung müssen 75 Prozent von allen verkauften PET-Getränkeflaschen mindestens recycelt werden. Zur Sammlung verpflichtet sind Händler, Hersteller und Importeure – knapp 9000 Betriebe. «Doch dieses Sammelnetz bringt erst 50 Prozent der 75 Prozent ein. Erst das Sammelnetz der freiwilligen Sammler wie Industriebetriebe, Büro, eben KMU, füllen die Lücke der fehlenden Prozente. Dank der vielen Freiwilligen erreichen wir sogar eine Quote von aktuell 83 Prozent», sagt Würmli. Der Innovationsgeist im Bereich Recycling ist gross. So hat es die Schweiz als eines der ersten Länder weltweit geschafft, den PET-Kreislauf zu schliessen. «Wir produzieren aus den leeren Flaschen in der Schweiz einen zweimal umweltfreundlicheren Rohstoff. Er ist lebensmitteltauglich und kann zu 100 Prozent wieder für die Herstellung neuer Flaschen verwendet werden. Damit sind wir in der Lage, die gesamte Schweizer Getränkeindus­trie mit diesem umweltfreundlichen Material zu versorgen», so Würmli. Die erste Anlage der Welt, die einen solchen umweltfreundlichen Rohstoff aus PET hergestellt hat, wurde im Jahr 2000 in der Schweiz gebaut. «Das gewonnene PET-Rezyklat ist nicht nur viel umweltfreundlicher, sondern im internationalen Vergleich absolut wettbewerbsfähig. Für nächstes Jahr ist die Produktion voll ausgelastet», freut sich Würmli.

Aber nicht genug: Die Schweiz verfügt weltweit über ein einzigartiges Know-how bezüglich rezykliertem PET, abgekürzt rPET genannt. Im Hinblick darauf, dass gemäss neuen EU-Vorschriften ab 2020 35 Prozent des PET rezykliert sein müssen, ist die Schweiz in dieser Thematik absolut führend. Jeder grosse Hersteller und Abfüller in der Schweiz, der keine Standardflaschen benötigt, verwendet das rPET. «Wir werden in der Schweiz diese neuen Vorschriften sofort mustergültig umsetzen können, während es für anderen Länder eine grosse Herausforderung sein wird. Wir haben hier 18 Jahre Vorsprung, für die Schweiz ist dies eine grosse Chance», so Würmli. Im Februar 2019 wird im glarnischen Bilten eine Hightechanlage in Betrieb gehen, die rezykliertes PET in einem noch höheren Qualitätsstandard produziert.

«Der Bedarf nach dem umweltfreund­lichen Schweizer PET-Rezy­klat ist riesig.»

Wie innovativ sich die Schweiz auf dem PET-Recycling-Markt engagiert, veranschaulichen die laufenden Investitionen. «Mittelständische Unternehmungen investierten allein in den letzten drei bis vier Jahren rund 30 Millionen Franken in neue Sortieranlagen. Im gleichen Ausmass wird auch in den kommenden Jahren investiert – vor allem in der Prozesstechnik. Unsere Recyclingunternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Prozesse auf einem hohen Niveau beherrschen und sich über Jahrzehnte ein grosses Wissen, basierend auf viel Erfahrung, angeeignet haben», betont Würmli.

Ein wichtiges Thema für den Verein ist auch das Littering. «Littering ist der Gradmesser unseres Erfolgs», so Würmli. Um dieses Problem aktiv anzugehen, hat PET-Recycling Schweiz vor 12 Jahren zusammen mit dem ALU-Recycling die Interessengemeinschaft saubere Umwelt (IGSU) gegründet und entsprechende Massnahmen gestartet. Inzwischen hat sich die IGSU zum Schweizer Kompetenzzentrum bei Sachfragen rund um Littering entwickelt. «Littering ist eine grosse Herausforderung, denn eine wachsende Bevölkerung konsumiert zunehmend unterwegs und verlagert ihre Aktivitäten ins Freie. Trotzdem zeigen die Resultate, dass sich die Littering­situation eindeutig stabilisiert und sogar leicht verbessert hat», so Würmli. Das Litteringausmass in der Schweiz wird von den 3431 Befragten durchschnittlich als «mittel mit leichter Tendenz zu eher wenig» eingestuft. «Das ist ein toller Leistungsausweis und guter Grund, genauso weiterzumachen», so Würmli.

Keine unnötigen Regulierungen

Auf politischer Ebene wünscht sich der Verein keine unnötigen Eingriffe. Dazu Würmli: «Das Schweizer PET- Recyclingsystem hat wohl exemplarisch gezeigt, wie weit man kommt, wenn man nur so viel reguliert, wie zwingend nötig ist. Es ist wichtig, dass die Politik am gleichen Strick zieht.» Ebenso ist der Verein auf Sicherheit angewiesen: «Unsicherheiten sind das reine Gift für Investoren. Schon fünf Mal in den letzten zehn Jahren mussten wir uns gegen die Einführung eines Zwangspfandes wehren, obschon alle Ziele erfüllt wurden», ärgert sich Würmli. Als grösste Herausforderung in der Branche erachte er die Vermüllung der Meere. «Das ist völlig inakzeptabel, und Massnahmen sind notwendiger denn je. Die Lösung sind funktionierende Abfallmanagementsysteme in den verursachenden Ländern. Organisationen wie wir oder die IGSU können und müssen da unser Know-how weitergeben, um Entwicklungsprojekte anzustossen», betont Würmli. Gemäss Würmli hat die Branche eine rosige Zukunft vor sich. «Der Bedarf nach dem umweltfreundlichen Schweizer PET-Rezy­klat ist riesig. Nächstes Jahr wird zweimal mehr PET-Rezyklat bei der Herstellung der Flaschen verwendet. Das ist ökologisch ein Riesenschritt nach vorne.» Corinne Remund

www.petrecycling.ch

DAS MACHT PET-REcYCLING ScHWEIZ

Weltmeister im PET-Flaschen sammeln

Der Verein PRS PET-Recycling Schweiz wurde 1990 im Rahmen des Inkraft­tretens der Verordnung über die Getränkeverpackungen (VGV) gegründet. Bereits 2007 wurde erstmals über eine Milliarde Flaschen gesammelt. Der engagierte Verein sorgt dafür, dass es genügend PET-Sammelstellen gibt, organisiert die Abholung der vollen Säcke, sortiert diese in Schweizer Sortieranlagen und lässt diese in Schweizer Recyclingwerken zu Sekundärstoffen aufbereiten. Dem Verein sind als Branchenorganisation rund 98 Prozent der Schweizer Getränkeproduzenten, Importeure, Abfüller und Detaillisten als Mitglied angeschlossen.

Das PET-Recycling generiert jährlich einen Umsatz von 41 Millionen Franken. Bei den täglichen Prozessschritten sind rund 250 Personen involviert.

CR