Publiziert am: 22.08.2014

Weniger Berufsleute, mehr Rentner

ZUKUNFTSFORSCHUNG – Trotz dem menschlichen Wunsch, in die Zukunft sehen zu können, kann man sich nur bedingt auf Prognosen verlassen. Dies gilt von Delphi bis zur heutigen Forschung.

«Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt», soll Wilhelm Busch gesagt haben. Der Wunsch, in die Zukunft schauen zu können, ist urmenschlich. Vielleicht eine Form, mit Lebensangst umzugehen? In ihrem Magazin «swissfuture» prophezeit die Schweizerische Vereinigung für Zukunftsforschung beispielsweise den Männern eine düstere Zukunft. Und wie steht es um die Arbeitswelt von morgen? Überalterung, Beschleunigung und künstliche Intelligenz sollen die Zukunft prägen.

Demografischer Wandel

Es ist nicht schwierig, vorherzusagen, dass in Zukunft weniger Erwerbstätige auf einen Rentner kommen werden. Die Überalterung beschert uns nicht mehr alte Leute, sondern Menschen, die länger fit und gesund sind und damit auch länger arbeiten können. Das Pensionsalter wird sich nach oben verschieben. Das heisst, dass Erwerbstätige ab der Lebensmitte mehr Jahre arbeiten werden als heute. Damit soll man sich aber nicht erst mit 60 beschäftigen. Stehen noch viele Arbeitsjahre bevor, gilt es, in der Lebensmitte die Weichen neu zu stellen. Zukunftsforschung basiert unter anderem auf dem Wertewandel. Was für die Gesellschaft gilt, gilt auch für den einzelnen Menschen. Zur Lebensmitte gehört oft ein Wertewandel, der aktiviert und den Kick für einen Kurswechsel gibt.

Technik prägt die Zukunft

Ganz schlicht gefragt: Die Technik macht vieles möglich, alles schneller, Kommunikation, Produktion, Mobilität – aber weshalb haben wir dann immer weniger Zeit?

Trotzdem: Was die Zukunft technischer Berufe betrifft, braucht niemand in die Glaskugel zu schauen. Neue Berufe werden entstehen, von denen wir heute nichts ahnen. Hier gilt es, Jugendliche im Berufswahlalter, Eltern und Lehrpersonen aktuell zu informieren. Viele junge Menschen sind sich der vielfältigen Chancen gar nicht bewusst. Noch immer wählen insbesondere Mädchen unter zu wenigen Berufen aus. Es gibt Alternativen zu den traditionellen Frauenberufen. Statt Pflegefachfrau zu lernen, kann man auch die Medizintechnik ansteuern – ein Berufsfeld, das boomen wird. Ingenieurberufe werden generell an Image gewinnen, die Finanzbranche an Prestige verlieren, Juristen haben heute schon Mühe, eine passende Stelle zu finden.

Fach- und Führungskräfte

Innovation und Nachhaltigkeit werden die Arbeitswelt der Zukunft prägen. Entsprechend werden beispielsweise folgende Berufswelten einen Aufschwung erleben: Umwelt- und Energie, Elektronik, Robotik, Materialwissenschaften, Informatik, Automation, Informations- und Kommunikationstechnologie, Gesundheitswesen und Altersversorgung, Nahrungsmitteltechnologie, Chemie- und Pharma, Rohstoffindustrie, Verkehr- und Logistik. In diesen Bereichen fehlt es heute an bestqualifizierten Fach- und Führungskräften. «Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen», sinnierte Antoine de Saint-Exupéry. In diesem Sinn gilt es, Jugendliche zu informieren und entsprechend zu beraten und Menschen ab der Lebensmitte zu motivieren, nochmals lustvoll beruflich durchzustarten.Regula Zellweger,

Kommunikation und Projekte,

Beratungsdienste für Ausbildung und Beruf Aargau BDAG