Publiziert am: Freitag, 15. Dezember 2017

Wie Schweizer KMU digital werden

KMU-Transformation – Studie der FHNW Hochschule für Wirtschaft zur Umsetzung der Digitalen Transformation (Teil 1).

Um einen Einblick in die Digitale Transformation von Schweizer Unternehmen zu gewinnen, hat die Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW zwischen Mai und Oktober 2017 eine grosse Studie zu den Rahmenbedingungen und Projekten von Transformationsvorhaben durchgeführt. 2590 Befragte aus 1854 Unternehmen haben sich beteiligt.

Der Begriff der Digitalen 
Transformation

Zunächst gilt es, zwischen der Digitalisierung und der Digitalen Transformation zu unterscheiden. Digitalisierung bezeichnet einen technischen Prozess, bei welchem analoge Daten oder Abläufe in digitale umgewandelt bzw. automatisiert werden. Die Digitale Transformation hingegen ist ein Wandel, der sowohl die Wirtschaft, die verschiedenen Funktionen in Unternehmen als auch die ganze Gesellschaft betrifft.

Aufgrund der Studienauswertung kann interpretiert werden, dass die meisten Teilnehmenden unter dem Begriff der Digitalen Transformation einen kundenorientieren Ansatz verstehen, bei dem mittels neuer Technologien, der Verwendung von und Erkenntnissen aus Daten externe Leistungen erbracht werden, die intern mit optimierten Prozessen (und teilweiser Automation) erstellt werden. Konkret geht es deshalb um die Frage, wie die Digitale Transformation die Werte und Ressourcen einer Organisation erneuert und wie digitale Technologien die Wertschöpfungskette unterstützen können, um Prozesse effizienter auf die Kundenbedürfnisse auszurichten.

Wichtige Kennzahlen

Die Studie zeigt, dass das Thema in 80% der Schweizer Unternehmen eine grosse Relevanz hat (in 92% der Grossunternehmen und in 73% der KMU). Dabei ist auch die Projektaktivität in Grossunternehmen (84%) wesentlich höher als in KMU (63%). Der aus Relevanz und Projektaktivität errechnete Mittelwert des Digitalisierungsgrades ermöglicht so eine grobe Aussage zur digitalen Maturität (siehe Tabelle). Interessanterweise schätzen sich Schweizer Unternehmen bezüglich ihrer Innovationsstärke jedoch nur im Mittelfeld ein (60% der Befragten bewerten die eigene Innovationsstärke als schwach oder mittel).

Unternehmen, die ihre Innovationsstärke als hoch bezeichnen, haben überdurchschnittlich viele Projekte im Bereich der Digitalen Transformation abgeschlossen. Dies ist besonders in der Prozessoptimierung, im Datenmanagement, bei CRM-Systemen (Customer Relationship Management) sowie im Marketing, Verkauf und Kundenservice der Fall. Ebenfalls finden die meisten Investitionen in Unternehmen statt, die ein höheres Umsatz- und Gewinnwachstum aufweisen (auch die Prognosen sind bei diesen Unternehmen besser). Offen ist die Frage, ob diese Projekte den finanziellen Erfolg unterstützt haben oder der finanzielle Erfolg es erst ermöglichte, diese Investitionen zu tätigen.

Die Treiber der Digitalen Transformation bei KMU sind effizientere Prozesse (82% der KMU), veränderte Kundenanforderungen (59%) und technische Weiterentwicklungen (53%). Die grössten Barrieren sind der mit der Transformation verbundene hohe Zeitaufwand (46%) und das fehlende Wissen bei den Führungskräften (42%) und Mitarbeitenden (39%).

Über 85% der KMU stellen fest, dass die Digitale Transformation einen Einfluss auf ihr Geschäftsmodell und die interne Zusammenarbeit hat. Auch die Unternehmenskultur wird in 69% der KMU beeinflusst; jedoch sind nur 30% der KMU mit ihrer digitalen Projektfortschritten zufrieden.

Im Teil 2, welcher am 19. Januar 2018 erscheint, wird das Praxismodell mit den sieben Handlungsfeldern zur KMU-Projektunterstützung vorgestellt.

Marc K. Peter, Projektleiter FHNW

Peter, Marc K. (Hrsg.) 2017: KMU-Transformation: Als KMU die Digitale Transformation erfolgreich umsetzen. Forschungsresultate und Praxisleitfaden. FHNW Hochschule für Wirtschaft, Olten. Bezug unter:

Die FHNW Hochschule für Wirtschaft bedankt sich bei den Sponsoren und Forschungspartnern