Publiziert am: 01.03.2024

Die Meinung

Jetzt Verantwortung übernehmen!

An diesem Wochenende stimmen wir √ľber zwei weitreichende Vorlagen ab (vgl. auch Seite 1). Einerseits steht die Initiative der Gewerkschaften f√ľr eine 13. AHV-Rente zur Entscheidung an. Anderseits postulieren die Jungfreisinnigen eine massvolle Erh√∂hung des Rentenalters. Jetzt gilt es, Verantwortung zu √ľbernehmen und die Weichen f√ľr die Zukunft richtig zu stellen.

Verantwortung f√ľr unsere Unternehmen √ľbernehmen

Eine Annahme der Initiative f√ľr eine 13. AHV-Rente h√§tte zur Folge, dass die j√§hrlichen Ausgaben der Alters- und Hinterlassenenversicherung steigen w√ľrden. 2032 w√ľrden die j√§hrlichen Mehrausgaben rund f√ľnf Milliarden Franken erreichen. Einen konkreten Vorschlag, wie diese Mehrausgaben zu finanzieren w√§ren, bleibt uns die Initiative schuldig. Hingegen macht das Initiativkomitee den Vorschlag, f√ľr die Finanzierung des Mehraufwands die Lohnbeitr√§ge der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie der Arbeitgeberinnen zu erh√∂hen. Junge Familien, Arbeitnehmende mit tiefen L√∂hnen und Alleinerziehende h√§tten noch weniger im Portemonnaie. Aber auch f√ľr die Unternehmen w√§re eine Erh√∂hung der Arbeitgeberbeitr√§ge nicht vertretbar. Die Arbeit w√ľrde verteuert.

Das viel zitierte Argument der Altersarmut sticht ebenfalls nicht. Anstatt nicht vorhandenes Geld mit der Giesskanne zu verteilen, sollten wir uns viel mehr auf Massnahmen konzentrieren, die gezielt denjenigen helfen, die es am meisten ben√∂tigen. Dazu geh√∂rt insbesondere auch eine gezielte Aufkl√§rungsarbeit zum Thema Erg√§nzungsleistungen. Viele Rentnerinnen und Rentner beziehen keine Erg√§nzungsleistungen, obwohl sie eigentlich Anspruch darauf h√§tten. Viele Betroffene kennen die Unterst√ľtzungsm√∂glichkeiten gar nicht.

Letztlich w√§re eine zus√§tzliche Rente wohl auch √ľber eine Erh√∂hung der Mehrwertsteuer umsetzbar. Und genau diese Massnahme trifft wiederum jene am meisten, die schon heute nicht viel haben, vor allem junge Familien, aber auch die kleinen und mittleren Unternehmen.

Verantwortung f√ľr die kommendenGenerationen √ľbernehmen

Die steigende Lebenserwartung und die demografische Entwicklung haben zur Folge, dass die Alters- und Hinterbliebenenversicherung (AHV) in ca. f√ľnf Jahren Defizite schreibt. Haben bei der Einf√ľhrung der AHV vor 75 Jahren noch sechseinhalb Erwerbst√§tige die Rente einer Person finanziert, waren es 2020 noch etwas mehr als drei Erwerbst√§tige. 2030 werden es noch 2,6 Erwerbst√§tige auf eine Person sein. Es ist einleuchtend, dass sich die Finanzierung der AHV zunehmend verschlechtert. Trotz der 2022 knapp angenommenen AHV-Reform werden in 20 Jahren bis zu 74 Milliarden im AHV-Fonds fehlen.

Es ist l√∂blich, dass die Jungfreisinnigen und andere Jungparteien diese Entwicklung zum Anlass nehmen, etwas weiter in die Zukunft zu schauen, als es Politikerinnen und Politiker normalerweise (bis zu ihrer pers√∂nlichen Wiederwahl) tun. Die Renteninitiative fordert denn auch langfristige Massnahmen zur Stabilisierung der AHV mittels einer Erh√∂hung des Referenzalters von M√§nnern und Frauen auf 66 Jahre bis ins Jahr 2032, wobei Ausnahmen wie z. B. Abmachungen der Sozialpartner m√∂glich sein sollen. Zweitens soll das Rentenalter an die durchschnittliche Lebenserwartung der Schweizer Bev√∂lkerung im Alter von 65 Jahren mit dem Faktor 0,8 gekn√ľpft werden. Damit steigt das Rentenalter nicht parallel mit der Lebenserwartung, sondern nur um den Faktor 0,8. Nichts tun und unsere Jugendlichen und Nachkommen einfach dem Schicksal zu √ľberlassen, ist unfair. Die AHV muss in den n√§chsten Jahren moderat und sozial reformiert werden.

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