Laut einer im November 2025 bei den kantonalen Gewerbeverbänden durchgeführten Umfrage haben 36 Prozent der Schweizer Unternehmen zunehmend Schwierigkeiten, Finanzmittel zu beschaffen. Doch statt nachzulassen, nimmt der Regulierungswahn weiter zu: Nach den finalen Basel-III-Standards und dem Gesetz über die Transparenz juristischer Personen und die Identifizierung wirtschaftlich Berechtigter will der Bundesrat den systemrelevanten Banken nun schon wieder neue Anforderungen und der UBS neue Eigenkapitalbeschränkungen auferlegen. Es ist davon auszugehen, dass sich die Finanzierungssituation der KMU so schnell nicht verbessern wird.
Zwischen Finanzierungskrise und regulatorischer Ăśberlastung
Der Entwurf des Bundesrats, der als Reaktion auf die Krise der Credit Suisse präsentiert wird, zielt darauf ab, von systemrelevanten Banken eine vollständige Unterlegung ihrer ausländischen Beteiligungen mit hartem Kernkapital zu verlangen. Eine Massnahme, die nach Ansicht des Schweizerischen Gewerbeverbands sgv die Attraktivität und die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz weiter beeinträchtigen könnte, wobei eine Übergangsfrist von sieben Jahren vorgesehen ist.
Dominoeffekt auf KMU
Die Auswirkungen auf die Realwirtschaft zeichnen sich als schwerwiegend ab. Die Mehrkosten, die für die UBS auf 19 Milliarden Dollar geschätzt werden – bei einer tatsächlichen Lücke von 9 Milliarden –, werden unweigerlich an die Kunden weitergegeben und führen zu einem Anstieg der Bankgebühren sowie zu einer Verschärfung der Kreditbedingungen.
Exportierende KMU, die auf internationale Finanzdienstleistungen wie Zahlungsgarantien, Dokumentenakkreditive oder das Management von Wechselkursrisiken angewiesen sind, sehen ihren Handlungsspielraum bereits eingeschränkt.
Die wahren Probleme angehen
Der sgv bestreitet nicht, dass aus der Credit-Suisse-Krise Lehren gezogen werden müssen, betont jedoch einen klaren Grundsatz: Betroffen sein dürfen nur global systemrelevante Banken wie die UBS, nicht aber inländische systemrelevante Banken.
Zudem hat die Reputationskrise der Credit Suisse zwei Probleme deutlich gemacht: ein Managementproblem, das durch die starre Liquiditätssteuerung durch die Finanzbehörden (Lender of Last Resort) noch verstärkt wurde. Der sgv lehnt daher den aktuellen Entwurf ab, der die tatsächlichen Ursachen der Krise ignoriert, nämlich Mängel in der Unternehmensführung und Aufsicht, und nicht in erster Linie einen Kapitalmangel.
Zwar hat der Bundesrat auf eine vollständige Herausrechnung von Software und latenten Steueransprüchen aus dem Eigenkapital verzichtet, doch sind diese Zugeständnisse, so willkommen sie auch sein mögen, angesichts einer immer strengeren Regulierung unzureichend.
Mikael Huber, Ressortleiter sgv