Von null auf hundert in 3,2 Sekunden – das ist völlig verrückt. Noch vor wenigen Jahren blieben solche Beschleunigungswerte der kleinen Elite der Hypercars vorbehalten. Heute kann sie jeder mit seinem Familienauto erleben – sofern dieses elektrisch angetrieben wird. Okay, nicht jedes Elektroauto ist dermassen spurtstark, und es bedarf schon noch etwas mehr als einfach nur schierer E‑Power, um ein Auto verantwortungsvoll auf diese Werte zu bringen. Doch leistungstechnisch ist bei Elektromotoren sehr viel möglich, ohne dass der Hersteller dazu besonders viel Entwicklungskompetenz bräuchte.
Was Hyundais Sportabteilung N nun aber gemacht hat, geht weit über diese Spurtstärke hinaus. Die 4,94 Meter lange Limousine Ioniq 6 schafft in der neuen N‑Version einen enormen Spagat: komfortabel, flüsterleise und verbrauchsarm auf der Autobahn mit einer Normreichweite von 487 Kilometern, sehr agil und emotional auf der Passstrasse – und laut, wild und unglaublich gut auf der Rennstrecke.
Perfekt inszeniert
Diese Verwandlung von der braven Limousine zum ernst zu nehmenden Sportwagen geschieht auf Tastendruck am Lenkrad – und was dann abgeht, muss man erlebt haben. Der Koreaner imitiert ein Doppelkupplungsgetriebe in perfekter Vollendung, schaltet, gibt Zwischengas, lässt beim Anbremsen Fehlzündungen erklingen – doch das alles wird nur vorgegaukelt und findet nur im Innern des Cockpits statt. Gleichzeitig werden die vollen 448 kW/609 PS auf die vier antreibenden Räder freigelassen, im sogenannten Grin-Boost sind es kurzzeitig sogar 478 kW/650 PS.
Doch beim Ioniq 6N geht es nicht nur um schiere Power und virtuelle Spielereien. Die Abstimmung des Fahrwerks ist erste Sahne – die elektronisch geregelten Dämpfern machen einen hervorragenden Job, das elektronische Sperrdifferenzial (e‑LSD) schiebt die Limousine wie auf Schienen um die Radien. Die verbreiterte Spur und die Aero-Anbauteile inklusive Heckflügel erhöhen die Stabilität, zusätzliche Schweisspunkte und strukturelle Verstärkungen erhöhen die Steifigkeit. Und um auf der Rennstrecke die möglichst optimale Performance abrufen zu können, haben die Koreaner dem Ioniq 6N ein System zur Batterievorkonditionierung verpasst, das je nach gewähltem Fahrmodus den Akku auf die perfekte Temperatur bringt.
Also doch völlig verrückt? Ja, irgendwie schon – aber auch verrückt gut. Eine so gelungene Kombination aus kommodem Gleiter und Sportwagen gibt es zwar auch anderswo, kostet dort aber deutlich mehr. Denn für 74 900 Franken ist der Ioniq 6N im Vergleich zur Konkurrenz ein echtes Schnäppchen.ds
www.hyundai.ch
Auf einen Blick
Hyundai Ioniq 6N
Karosserie: Limousine mit 4 Türen und 5 Plätzen
Masse (L Ă— B Ă— H):
4935 Ă— 1940 Ă— 1495 mm
Kofferraum: 371 l
Leergewicht /Nutzlast: 2276 / 359 kg
Antrieb: 2 permanenterregte E‑Motoren, Allradantrieb
Leistung: 478 kW (650 PS)
Drehmoment: 770 Nm
Fahrleistungen:
257 km /h, 0–100 km /h in 3,2 s
Batteriekapazität: 84 kWh (brutto)
Ladeleistung:
260 kW (DC), 11 kW (AC)
Verbrauch (WLTP):
18,7 kWh auf 100 km
Reichweite (WLTP): 487 km
Garantie: 5 Jahre
Batterie-Garantie:
8 Jahre oder 160 000 km
Preis: Ab 74 900 Franken