Publiziert am: 22.05.2026

Kurswechsel im Tank

VOLENERGY AG – Die Versorgungssicherheit mit fossilen Energieträgern rückt wieder stärker in den Fokus – bei gleichzeitig wachsendem Druck auf CO2-ärmere Alternativen. Das Suhrer Unternehmen zählt zu den wichtigsten Akteuren im Schweizer Energiemarkt und setzt neben klassischen Treibstoffen zunehmend auf Biotreibstoffe, HVO und synthetische Lösungen.

Mit der Eskalation des Konflikts im Nahen Osten und den Spannungen im Persischen Golf rückt auch in der Schweiz die Versorgungssicherheit bei fossilen Energieträgern wieder verstärkt in den Fokus. Eine zentrale Rolle spielt dabei die volenergy AG mit Sitz in Suhr AG. Das Unternehmen betreibt eines der grössten Tankstellennetze der Schweiz und gehört damit zu den wichtigsten Akteuren der heimischen Energiebranche. Die volenergy AG ist Teil der Volare Group AG und bietet neben klassischen fossilen Energieträgern wie Benzin, Diesel und Heizöl zunehmend auch alternative, CO2-ärmere Lösungen an. Das Unternehmen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. CEO Ramon Werner führt den Erfolg der volenergy AG insbesondere auf die Firmenkultur zurück. Diese ist geprägt von Offenheit, Transparenz und gegenseitigem Respekt. Im Zentrum stehen dabei die Mitarbeitenden und ihre Bedürfnisse. «Unsere Mitarbeitenden sollen sich mit dem Unternehmen identifizieren können, ihre Ideen einbringen und spüren, dass ihre Arbeit geschätzt wird», betont Werner. «Denn sie machen letztlich den entscheidenden Unterschied für unsere Kundinnen und Kunden aus.»

Das Unternehmen betreibt schweizweit mehr als 700 Tankstellen unter den Marken BP, Shell, Ruedi Rüssel und Miniprix sowie über 100 Shops und rund 30 Car-Wash-Anlagen. Dazu Werner: «Besonders wichtig ist für die volenergy AG der Bereich ‹Supply & New Energies›.» Dort beschafft das Unternehmen nicht nur klassische Energieträger, sondern vor allem auch Produkte und Dienstleistungen der Zukunft. «Wir engagieren uns zudem beim Aufbau und Betrieb von Reservekraftwerken in der Schweiz. Diese sollen im Krisenfall zur Versorgungssicherheit beitragen und teilweise mit alternativen Energieträgern betrieben werden.»

Im Detailhandelsgeschäft beliefert das Unternehmen unter anderem Bau-, Transport- und Industriebetriebe sowie Liegenschaftsverwaltungen und private Haushalte mit Energieprodukten. Ergänzt wird das Angebot durch eine eigene Transportgesellschaft, welche die Produkte schweizweit distribuiert.

Erschwingliche alternativeProdukte und Lösungen

Die Hoffnungsträger der Zukunft ist der Ausbau CO2-armer Alternativen wie Biodiesel, HVO (Hydrotreated Vegetable Oil), Ethanol und Bioheizöl sowie Power-to-X-Technologien. «Wenn wir in der Schweiz rasch CO2 senken wollen, können wir nicht nur auf die Elektromobilität setzen», sagt CEO Ramon Werner, der auch im Vorstand von Avenergy Suisse tätig ist. «Wir brauchen Bioprodukte und synthetische Produkte.» Das Aargauer Unternehmen arbeitet im Bereich der alternativen Energielösungen gemeinsam mit internationalen Partnern an verschiedenen Projekten. Die grundlegende Technologie sei zwar vorhanden, doch die Produktionsmengen reichten noch nicht aus, sagt Werner. «Wir brauchen grössere Anlagen, die mehrere Millionen Liter produzieren können. Das dauert noch einige Jahre.» Gleichzeitig spiele auch die Wirtschaftlichkeit eine entscheidende Rolle: «Am Ende müssen die Produkte auch erschwinglich sein – nur dann werden sie nachgefragt.»

Ein wichtiger Baustein der künftigen Energieversorgung ist laut Werner HVO. «Wir haben bereits über zehn HVO-Tankstellen in Betrieb und bauen unser Netz weiter aus.» HVO bezeichnet Werner als «Wunderprodukt». Es werde aus Used Cooking Oil (UCO) hergestellt und verhalte sich im Einsatz wie synthetischer Diesel. Mit entsprechender Additivierung könnten heute nahezu alle Fahrzeuge damit betrieben werden. «Damit lassen sich bis zu 90 Prozent CO2 einsparen – inklusive der Produktionsenergie.»

«Wir haben bereits über zehn HVO-Tankstellen in Betrieb und bauen unser Netz weiter aus.»

Bei Biotreibstoffen legt das Unternehmen grossen Wert auf hohe Qualitätsstandards. «Es ist fundamental, dass unsere Biotreibstoffe den Schweizer Vorgaben entsprechen und beispielsweise nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen», betont Werner. Der Einsatz entsprechender Produkte erfordere zudem spezielle Tank- und Abfüllanlagen sowie je nach Stoff auch angepasste Sicherheits- und Brandbekämpfungssysteme. In diesem Bereich habe die volenergy AG eine Pionierrolle übernommen und betreibe unter anderem die erste Anlage in der Schweiz für den Umschlag und die Beimischung von HVO. «Ohne Investitionen in diese Infrastruktur können wir auch keine schnelle CO2-Reduktion erreichen.»

Zwischen Versorgungssicherheit und Energiewende

Die Nachfrage nach alternativen Brenn- und Treibstoffen steige bereits heute kontinuierlich, ergänzt Werner. Viele LKW-Flotten in der Schweiz setzten bereits auf HVO oder Biotreibstoffe und reduzierten damit ihren CO2-Ausstoss. «Wir mischen heute bis zu 7 Prozent Bioanteil in den Diesel. Das ist aber erst der Anfang», sagt er. Das Potenzial sieht er insbesondere in der Mobilität, aber auch im Bau- und Heizungsbereich: «Mittelfristig ist das eine bessere Lösung, als alles auf Elektromobilität umzustellen, solange nicht klar ist, woher der zusätzliche Strom kommen soll.» Zudem sind die alternativen flüssigen Energieträger bereits heute verfügbar und könnten kurzfristig zu einer deutlichen CO2-Reduktion beitragen. «Als Branche können wir so über eine Million Tonnen CO2 einsparen – mehr als den gesamten Verbrauch der Stadt Bern», so Werner abschliessend.

Zukunftsprojekte im Bereichsynthetischer Kraftstoffe

Heute steht die Branche vor der Herausforderung, bezahlbare und gleichzeitig emissionsärmere flüssige Energieträger bereitzustellen. «Wir müssen die Versorgung der Schweiz mit fossiler Energie weiterhin sicherstellen. Das ist gerade in Zeiten geopolitischer Krisen eine besondere Herausforderung», sagt Ramon Werner. Gleichzeitig gehe es darum, auch die Versorgung mit HVO und Biotreibstoffen langfristig zu sichern. Neben diesen bestehenden Lösungen arbeitet das Unternehmen zudem an Zukunftsprojekten im Bereich synthetischer Kraftstoffe. Insbesondere das E‑Methanol-Projekt soll mittelfristig so weit entwickelt werden, dass künftig auch synthetische Treibstoffe im Markt angeboten werden können.

Corinne Remund

www.volenergy.com

ZUR PERSON

Ramon Werner ist CEO der volenergy AG mit Sitz in Suhr AG und gehört zu den prägenden Stimmen der Schweizer Energie- und Treibstoffbranche. Unter seiner Leitung wurde das frühere Unternehmen Oel-Pool 2024 in volenergy umbenannt und strategisch stärker auf nachhaltige flüssige Energieträger ausgerichtet. Neben seiner Funktion als CEO engagiert sich Werner auch in verschiedenen Branchenorganisationen: Er ist Präsident des Verbands Tankstellenshops Schweiz sowie Präsident von BioFuels Schweiz und sitzt im Vorstand von Avenergy Suisse. CR

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