«Ein Fundament für das ganze Leben»
Interview – Lucas Ayrton Mauron über die Berufsbildung und darüber, was junge Menschen von seinem Weg mitnehmen können.
BERUFSLEHRE – Lucas Ayrton Mauron ist Halbprofi im Motorsport und hat zwei Lehren abgeschlossen. Nun bildet er sich an einer Höheren Fachschule weiter und will später das familiengeführte KMU übernehmen. Über einen, der auf der Überholspur unterwegs ist – auch dank der Berufsbildung.
Lucas Ayrton Mauron hat Tempo im Blut. Ob Monza, Silverstone oder Barcelona: Als Halbprofi im Motorsport war er auf vielen Rennstrecken der Welt unterwegs. Er fuhr in der Formel 4, GT4, GT3, LMP3 und im Lamborghini Super Trofeo. 2014 wurde er als bester Nachwuchsfahrer der Schweiz ausgezeichnet. In der Formel 4 holte er mehrere Podestplätze. Auch heutige Spitzenfahrer sammelten in dieser Serie einst Erfahrungen, etwa Lando Norris, der Formel‑1-Weltmeister von 2025.
Schon sein zweiter Vorname erzählt von Maurons Leidenschaft: Ayrton – benannt nach Ayrton Senna (1960–1994). Die brasilianische Rennfahrer-Legende war das grosse Vorbild seines Vaters und wurde mit der Zeit auch für ihn selbst zur Inspiration.
«Der Mix aus Technik, Geschwindigkeit und mentaler Stärke hat mich von Anfang an fasziniert.»
Maurons Vater gründete einst mit Freunden einen Kartclub. So war Lucas Ayrton Mauron schon als Kind ständig auf Rennstrecken unterwegs. Mit dreieinhalb Jahren sass er erstmals selbst am Steuer. «Der Mix aus Technik, Geschwindigkeit und mentaler Stärke hat mich von Anfang an fasziniert», sagt der 28‑Jährige, der mütterlicherseits brasilianische Wurzeln hat.
Doch Mauron ist nicht nur ehrgeiziger Sportler, sondern auch bodenständiger Handwerker und Planer. Er hat zwei Lehren abgeschlossen – eine als Heizungsinstallateur und eine als Gebäudetechnikplaner. «Ich habe früh gemerkt, dass mich nicht nur die praktische Arbeit interessiert, sondern auch das Denken dahinter», sagt er. In der Lehre habe er Disziplin, Durchhaltewillen und Verlässlichkeit gelernt – Eigenschaften, die ihm auch im Motorsport helfen.
Dass er beides verbinden konnte, lag auch an seinem Umfeld. Seine Lehrbetriebe zeigten Verständnis für seine Motorsportkarriere in Form von Flexibilität. Seine Eltern ermöglichten vieles mit Zeit, Fahrten zu Rennen und finanziellen Opfern. Auch seine Schwestern trugen mit, dass viel Aufmerksamkeit in seine sportliche Laufbahn floss. Trotz Einsätzen in internationalen Rennserien blieb Mauron Halbprofi: «Ohne grosse Sponsoren kann man vom Motorsport allein nicht leben.» Künftig will er sich stärker im Nachwuchsbereich engagieren und junge Fahrer unterstützen. «Ich möchte etwas zurückgeben.» Derzeit konzentriert er sich insbesondere auf Sim-Racing, also auf Rennen im virtuellen Cockpit. Das hat unter anderem mit seiner beruflichen Zukunft zu tun.
Neben der Arbeit absolviert Lucas Mauron die Weiterbildung zum Gebäudetechniker an der Höheren Fachschule. Die Ausbildung fordert ihn am Abend und am Wochenende, vermittelt ihm aber genau das, was er für den nächsten Schritt braucht: Projektmanagement, Führung und wirtschaftliches Denken. Sein Ziel ist klar: «Später möchte ich den Familienbetrieb übernehmen.» Die Mauron Gebäudetechnik GmbH mit Sitz in St. Gallen beschäftigt acht Mitarbeiter und bildet zwei Lernende aus. Wie viele Betriebe spürt das KMU ebenfalls die Folgen geopolitischer Unsicherheiten, etwa bei Lieferketten und Materialpreisen.
Auch der Fachkräftemangel ist laut Mauron spürbar. Umso wichtiger ist ihm die Berufsbildung, für die er sich als Botschafter im Beruf Gebäudetechniker engagiert. Er tritt unter anderem vor Schulklassen auf und wirbt für die duale Berufsbildung. Unlängst tat er das an der St. Galler Klosterschule Buebeflade. Der coole Rennfahrer, der für die Schüler vom Typ her wie eine Art grosser Bruder sein könnte, kam gut an. Das zeigte auch die Autogrammstunde im Anschluss an den Vortrag. Der 28‑jährige Ostschweizer möchte den Schülern zeigen, dass Einsatz, Struktur und Wille vieles möglich machen. «Ich will die jungen Menschen motivieren: Wenn ich das kann, könnt ihr das auch.»
Rolf Hug
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