Publiziert am: 03.07.2026

Ein Umweg führt zur Berufung

HANDWERKSBERUFE – Lorena Marbot hat nach einem beruflichen Umbruch in der Berner Sattlerei Losinger erfolgreich eine zweite Ausbildung abgeschlossen und sich im Sattler­handwerk etabliert. Der Weg dorthin war geprägt von Unsicherheit, Neuorientierung und einem über­rasch­en­den Neuanfang.

Für Lorena Marbot ist ein weiterer wichtiger Meilenstein erreicht: Nach einer verkürzten zweijährigen Ausbildung in der Sattlerei von Fiona Losinger an der Berner Münstergasse hat sie erfolgreich den Abschluss als Fachfrau Leder und Textil, Fachrichtung Feinleder, erworben. Der Weg dorthin war jedoch alles andere als geradlinig. Die gelernte Schreinerin musste ihren ersten Beruf aufgrund einer Holzallergie aufgeben und im wahrsten Sinn des Wortes umsatteln. «Es war für mich ein harter Schlag, den Schreinerberuf aufgeben zu müssen. Ich musste nochmals bei null anfangen und wusste lange nicht, in welche Richtung mein Weg führen würde», erinnert sich die 25‑Jährige.

«jedes Stück trägt auch von meiner eigenen Geschichte in sich.»

Mit gemischten Gefühlen begann sie ihre zweite Ausbildung. «Ich startete mit grosser Unsicherheit und vielen Zweifeln in die Lehre als Feinledersattlerin.» Rückblickend habe sich dieser Schritt jedoch als Glücksfall erwiesen. «Mit dieser handwerklichen Ausbildung und der Stelle bei Fiona Losinger habe ich das grosse Los gezogen», sagt Marbot. Die Arbeit habe ihr weit mehr gegeben als nur eine neue berufliche Perspektive: «Sie hat mir meine Selbstsicherheit, meine Motivation und vor allem die Freude am Handwerk zurückgegeben.»

Mit viel Leidenschaft

Das Sattlerhandwerk ist für die junge Frau längst mehr als nur ein Beruf geworden – es ist ihre Leidenschaft und Berufung. «Mich fasziniert der Prozess, wie aus einem Stück Leder unterschiedlichste Produkte entstehen können», sagt sie. Besonders die Vielseitigkeit des Materials begeistert sie: «Die Möglichkeiten in der Verarbeitung von Leder sind nahezu grenzenlos.» Auch der nachhaltige Aspekt ihres Handwerks ist ihr wichtig. «Es ist ein grossartiges Gefühl, aus einem Naturprodukt etwas Langlebiges und Wertbeständiges zu schaffen – gerade in einer Zeit, in der vieles schnell konsumiert und wieder ersetzt wird», erklärt Marbot. Ihr Beruf erfordert Geduld, Präzision und viel Fingerspitzengefühl. Jede Tasche und jedes Necessaire fertigt sie mit grosser Sorgfalt und Liebe zum Detail an. «In jede Arbeit investiere ich viel Zeit, Energie und Herzblut. Deshalb trägt jedes Stück auch ein wenig von meiner eigenen Geschichte in sich.» Zu den prägendsten Momenten ihrer Lehrzeit zählt für Lorena Marbot die Projektarbeit an der Berufsschule. Die junge Sattlerin fertigte eine Handtasche mit eingearbeiteten Details aus Karungleder an. «Der gesamte Prozess – von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt – war äusserst spannend. Das Gefühl, als ich den letzten Handgriff an der Tasche machte, war unbeschreiblich», erinnert sie sich. Ihre Lehrzeit bei Fiona Losinger, einer engagierten und empathischen Lehrmeisterin, sowie in einem eingespielten Team behält Marbot in bester Erinnerung. «Ich bin sehr dankbar, dass ich weiterhin zu 20 Prozent in meinem Lehrbetrieb arbeiten darf», sagt sie.

Mehr Wertschätzung fürs Handwerk

Gleichzeitig wagt die junge Berufsfrau einen ersten Schritt in die Selbstständigkeit und richtet sich an ihrem Wohnort Illiswil ein eigenes Sattleratelier ein. «Ich lasse auf mich zukommen, was daraus wird», erklärt Marbot. «Es gibt noch so vieles, das ich ausprobieren möchte.» Vorerst konzentriert sie sich auf kleine Feinlederwaren und verleiht alten Trachtenschürzen als Futterstoff ein zweites Leben. Für ihr übriges Arbeitspensum ist sie derzeit noch auf der Suche nach einer passenden Stelle. Und was wünscht sie sich für die Zukunft ihres Handwerks? «Ich wünsche mir, dass das Handwerk wieder mehr Wertschätzung erhält und die Menschen stärker dafür sensibilisiert werden, dass Qualitätsarbeit ihren Preis hat.» Gleichzeitig hofft Lorena Marbot, dass das Sattlerhandwerk auch künftig junge Menschen begeistert und sie dazu motiviert, diesen Beruf zu erlernen.

Corinne Remund

www.fionalosinger.ch

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