Publiziert am: 03.07.2026

Elektro-Schönheit mit Verbesserungspotenzial

Mazda 6e – Der vergleichsweise kleine japanische Hersteller hat Nachholbedarf im Elektrosegment. Weil die Entwicklung einer eigenen E-Plattform zu aufwendig ist, greift Mazda beim neuen 6e auf chinesische Technik zurück. Das bringt nicht nur Vorteile mit sich.

Das Beste vorweg: Den Mazda-Designern ist mit dem neuen 6e ein Meisterstück gelungen. Die Limousine ist wunderschön gezeichnet, erntet überall bewundernde Blicke, wo sie auftaucht. Auch der Innenraum ist stimmig gestaltet und mit hochwertigen Materialien ausgeschlagen, die Sitzposition passt – hier gibt es also nichts zu bemängeln. Und Lob verdient der Hersteller aus Hiroshima auch dafür, dass er seine Modellpalette um seinen erst zweiten Stromer ausweitet und mit dem CX-6e gleich nachdoppelt.

Doch leider gibt es auch vieles, das noch nicht wirklich passt. Denn so schön der Mazda 6e auch ist – im Fahrbetrieb ist er, gelinde ausgedrückt, eine Herausforderung. Die 4,92 Meter lange Elektrolimousine rollt zwar komfortabel ab und ist dank Heckantrieb und einer Leistung von 190 kW/258 PS agil und ausreichend spurtstark. Doch schon nach wenigen Metern nervt das Bordsystem mit teils skurrilen Warnungen. Die von modernen Fahrzeugen gewohnten Pieper wegen Tempoüberschreitung, Spurverlassens und Ähnlichem mehr sind damit gar nicht gemeint, die lassen sich auch im 6e ausschalten, wenn auch auf ziemlich umständliche Art und Weise. Doch schon bei der Ausfahrt aus der Garage warnt eine Stimme: «Achtung, das Gefällae ist zu steil!» Der Schreibfehler ist bewusst, denn die Meldung ist nicht nur absurd, sondern auch sprachlich falsch.

Diverse Kinderkrankheiten

Diese und ähnlich unsinnige Meldungen wiederholten sich während der zweiwöchigen Testzeit. «Freundliche Erinnerung: Gegenstand in der Ladeschale», sagt das Auto etwa, wenn man das Handy zum Laden dort hineinlegt. Auch ein paar Übersetzungsfehler im Infotainmentsystem zeugen von der Herkunft der Technik des Fahrzeugs – denn diese stammt nicht etwa von Mazda, sondern vom chinesischen Hersteller Changan, was sich zumindest in der ersten Version des 6e als keine gute Wahl herausstellt.

Immerhin: Die Software-Mängel sollten sich später via Updates Over-the-Air beheben lassen. Nicht so einfach ändern lässt sich hingegen die bescheidene Reichweite: Wir schafften maximal 380 Kilometer mit einer vollen Batterie, was im Konkurrenzumfeld der grossen Limousine zu wenig ist. Auch beim Ladetempo muss der Mazda hinten anstehen: 100 kW waren im Test maximal möglich, in der Theorie sind es 165 kW. Kurios: Die Version mit grösserem Akku (80 kWh) schafft zwar etwas mehr Reichweite, kann dafür nur mit maximal 90 kW laden. In Summe ist der Mazda 6e zwar ein Schritt in die richtige Richtung für den Hersteller, es stecken aber noch viele Kinderkrankheiten in der schicken Limousine. Der Preis ab 43 600 Franken stimmt nur einigermassen versöhnlich.ds

www.mazda.ch

Auf einen Blick

Mazda 6e Takumi 258 (68,8)

Karosserie: Limousine mit 4 Türen und 5 Plätzen

Masse (L Ă— B Ă— H):

4921Ă— 1890 Ă— 1485 mm

Kofferraum: 466 bis 1074 l

Leergewicht/Nutzlast:

1962 / 425 kg

Antrieb: 1 E-Motor, Heck

Leistung: 190 kW (258 PS)

Drehmoment: 320 Nm

Fahrleistungen:

175 km/h, 0–100 km/h in 7,6 s

Batteriekapazität:

68,8 kWh (netto)

Ladeleistung:

165 kW (DC), 11 kW (AC)

Verbrauch (WLTP):

16,6 kWh auf 100 km

Reichweite (WLTP): 479 km

Garantie:

6 Jahre oder 150 000 km

Batterie-Garantie:

8 Jahre oder 160 000 km

Preis: Ab 43 600 Franken

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