Was begeistert Sie persönlich am Seetal als Tourismusregion?
Melanie Widmer: Ich staune jedes Mal, wenn ich durch das Seetal fahre, über die unglaublich schöne Landschaft mit den glitzernden Seen, der Natur und dem Blick in die Alpen. Am liebsten würde ich jeweils an den Strassenrand fahren und einfach nur die Aussicht geniessen. Mich begeistern auch die vielen Angebote in der Region. Vieles kannte ich bereits, aber es fasziniert mich immer wieder, was es darüber hinaus noch alles zu entdecken gibt und mit wie viel Kreativität und Engagement die Seetaler/-innen ihre Angebote umsetzen.
Vor 10 Jahren hat Seetal Tourismus die Radstrecke Herzschlaufe eröffnet. Was sind die grossen Meilensteine, respektive was würden Sie als grosse Leuchttürme im Seetal benennen?
Seetal Tourismus wurde 1996 gegründet und startete mit einem engagierten Vorstand sowie einem Budget von rund 20 000 Franken. Mit dem NRP-Projekt «Seetal Erlebnis Genuss Kultur» begann 2008 die Professionalisierung. 2009 wurden eine Geschäftsstelle eröffnet und erstmals eine Fachperson angestellt. Dadurch konnte die Region Gäste und Mitglieder besser betreuen sowie die Mitgliederzahlen deutlich steigern.
Ein wichtiger Meilenstein war die Lancierung der Herzschlaufe Seetal im Jahr 2016, welche das Seetal als E-Bike-Destination etablierte. Mit dem Foodtrail (2021) und dem Achtsamkeitstrail (2023) wurde diese Positionierung weiter gestärkt. Zu den besonderen Stärken des Seetals zählen die vielfältige Kulinarik, die historischen Schlösser, die Schifffahrt auf dem Hallwilersee, familienfreundliche Angebote wie das Schongiland, die ausgezeichneten Weine der Region sowie die einzigartige Landschaft mit ihren Naturschutzgebieten.
Sie setzen sich besonders für nachhaltigen und naturnahen Tourismus im Seetal ein. Was verstehen Sie darunter?
Nachhaltiger und naturnaher Tourismus bedeutet für mich, die Stärken unserer Region bewusst zu nutzen und gleichzeitig zu schützen. Im Seetal heisst das vor allem, unsere Landschaft, die Seen und Lebensräume zu bewahren und für Gäste erlebbar zu machen, ohne die Natur, die Infrastruktur und die Menschen, die hier leben, zu überlasten. Mir ist es wichtig, dass wir die regionale Wertschöpfung stärken können.
Wo sehen Sie aktuell das grösste Potenzial für die Region?
Ein grosses Potenzial sehe ich in der Zugänglichkeit von Informationen zur Barrierefreiheit. Wir vergessen oft, dass viele Menschen mit Einschränkungen leben und dass unsere Gesellschaft zunehmend älter wird. Umso wichtiger ist es, transparente Informationen bereitzustellen und dort, wo möglich, Barrieren abzubauen. So schaffen wir Angebote, die für möglichst viele Menschen zugänglich und erlebbar sind, und sprechen im besten Fall auch neue Gäste an.
Wie arbeitet Seetal Tourismus mit lokalen Betrieben und Gemeinden zusammen?
Wir stehen in einem regelmässigen Austausch mit unseren Mitgliederbetrieben und unterstützen sie in der Vermarktung ihrer Angebote. Die meisten Seetaler Gemeinden sind Mitglied bei uns, wodurch wir sie bei Bedarf in unsere Arbeit und Projekte einbeziehen können. Zudem pflegen wir einen engen Austausch mit den beiden regionalen Entwicklungsträgern IDEE SEETAL und Lebensraum Lenzburg Seetal.
Was wünschen Sie sich langfristig für die Entwicklung des Seetals?
Langfristig wünsche ich mir, dass sich das Seetal weiterhin im Sinne eines sanften Tourismus entwickelt und dass sich die Region als Ganzes versteht, nicht getrennt in das Aargauer und Luzerner Seetal. Gleichzeitig ist mir die Akzeptanz und das Verständnis in der Bevölkerung sehr wichtig. Wir wollen unsere Marketingaktivitäten in Zukunft stärker auf die einheimische Bevölkerung ausrichten und ihnen aufzeigen, dass sie in einer attraktiven Region mit vielen Angeboten zu Hause sind. Das Seetal ist eine wunderschöne Region mit vielen Sehenswürdigkeiten, auf die wir stolz sein dürfen und die wir gerne auch mit Gästen teilen. Selbstverständlich soll dies immer mit Respekt gegenüber den Einheimischen sowie der Natur und Landschaft geschehen.
Welche Orte im Seetal würden Sie Besucherinnen und Besuchern unbedingt empfehlen?
Ein Besuch im Schloss Hallwyl oder Heidegg gehört einfach dazu. Für alle, die nicht so gut zu Fuss unterwegs sind, empfehle ich eine Schiffsrundfahrt oder Themenfahrt auf dem Hallwilersee.
Interview: Corinne Remund