Zweite Chance für Matratzen
HAPPY SECOND LIFE – Happy bereitet retournierte Matratzen systematisch auf und führt Materialien zurück in den Kreislauf. So wird Abfall vermieden.
HILDING ANDERS SWITZERLAND – Seit über 130 Jahren ist happy mit der Schweizer Matratzenproduktion verbunden. Heute steht die Marke vor neuen Herausforderungen: Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und individuelle Schlaflösungen sollen den Weg in die Zukunft weisen. Geschäftsführer Toni Haberthür setzt dabei auf Innovation, Swiss Made und die Nähe zur eigenen Produktion.
Die Geschichte der Schweizer Matratzenmarke happy beginnt 1895: Damals gründete die Familie Fröhlich in St. Gallen die Firma A. Fröhlich + Co., zunächst als Eisenwarenhändler, später mit Stoffen und Polsterungen. In den 1920er-Jahren rückte der Schlafkomfort zunehmend ins Zentrum. 1970 wurde die Marke happy lanciert. Heute gehören BICO und happy zur internationalen Hilding Anders Gruppe. Als Hilding Anders Switzerland AG produziert das Unternehmen am Standort Schänis. «Unser Erfolgsrezept sind Schweizer Handwerk, kurze Wege zwischen Entwicklung und Produktion und der Mut, uns über 130 Jahre lang weiterzuentwickeln, ohne unsere Wurzeln zu verlieren», sagt Geschäftsführer Toni Haberthür. Er führt seit 2019 Hilding Anders Switzerland mit den Marken BICO und happy. Der studierte Historiker und Wirtschaftswissenschafter verfügt über rund 30 Jahre Erfahrung im Premium-Konsumgütergeschäft.
Seit bald 60 Jahren steht happy für unkomplizierten, ehrlichen Schlafkomfort – und daran hat sich bis heute nichts geändert. Verändert hat sich vor allem der Vertriebsweg: Seit 2018 wird happy direkt online verkauft. Gleichzeitig ist Nachhaltigkeit längst fester Bestandteil des Angebots und kein Zusatz mehr (vgl. Nebenartikel). «Charakteristisch ist unsere direkte, unaufgeregte Art – klare Fakten statt Werbeversprechen, faire Preise, hohe Qualität und ein 100-Nächte-Test ohne Wenn und Aber», konkretisiert Haberthür. Dazu kommt die Herkunft – Swiss Made, entwickelt und produziert in Schänis.
Happy produziert ausschliesslich in der Schweiz. Die Matratzenhüllen werden in Schänis von Hand vernäht, Schaum und Matratzenkerne entstehen im Werk in Wolfhausen und werden dort präzise zugeschnitten. In jedem Produktionsschritt werden Verarbeitung und Qualität kontrolliert. Zum Einsatz kommen eigens entwickelte Schaumtechnologien wie EvoPoreHRC® und ViscoPore®, die für Ergonomie und Langlebigkeit sorgen. Ergänzt werden sie durch klimaregulierende Fasern und das TempSmart®-Finish. Im Good Night’s SleepLab werden die Produkte gemeinsam mit dem unabhängigen AEH-Zentrum in Zürich unter anderem auf Ergonomie, Bettklima, Hygiene und Haltbarkeit geprüft. Mit rund 120 Mitarbeitenden ist happy ein mittelständischer Schweizer Betrieb. Der wichtigste Markt bleibt die Schweiz. «Unser Fokus liegt klar auf dem Heimmarkt. Hier wollen wir unsere Position als führende Schweizer Schlafmarke weiter festigen», so Haberthür.
Weiterbildung und Nachwuchsförderung haben bei happy einen hohen Stellenwert – vom handwerklichen Know-how in der Näherei bis zum Fachwissen rund um Schlaf und Ergonomie im SleepLab. Als Schweizer KMU mit langer Handwerkstradition ist das Unternehmen insbesondere in Näherei und Produktion auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen. Entsprechend engagiert sich happy aktiv in der Ausbildung und gibt Wissen gezielt an die nächste Generation weiter. «Wir haben laufend drei Lernende in der kaufmännischen Ausbildung. In den vergangenen drei Jahren haben wir zudem einen IT-Lernenden ausgebildet», sagt Haberthür und betont: «Uns ist wichtig, Wissen weiterzugeben und jungen Menschen eine Perspektive zu bieten.»
Die Schweizer Matratzenbranche steht unter hohem Kostendruck: Günstige Importprodukte treffen auf hohe Produktionskosten im Inland. Gleichzeitig sorgen aggressive Online-Anbieter mit teilweise irreführender Werbung für zusätzliche Herausforderungen. Darunter leiden nicht nur etablierte Anbieter, sondern auch das Vertrauen in die gesamte Branche. Chancen sieht Haberthür vor allem bei Herkunft, Nachhaltigkeit und Vertrauen – Werte, für die BICO und happy seit Jahrzehnten stehen. Grosses Potenzial sieht er zudem in der Kreislaufwirtschaft, den personalisierten Schlaflösungen auf Basis von Schlafdaten und neuen Materialien. «Wer früh in diese Bereiche investiert, kann sich langfristig vom reinen Preiswettbewerb abheben», sagt Haberthür.
Auch die Vertriebskanäle verändern sich dynamisch. KI und neue Kommunikationsformen eröffnen dabei neue Möglichkeiten, die Beziehung zu den Kundinnen und Kunden zu gestalten. «Wir arbeiten kontinuierlich an Innovationen, besseren Zugängen, mehr Markenerlebnis und zusätzlichen Dienstleistungen rund um den gesunden Schlaf.»
Corinne Remund
Der Green Business Award gilt als wichtiger Nachhaltigkeitspreis der Schweizer Wirtschaft. Seit 2019 zeichnet er Unternehmen aus, die ökologische Wirkung mit unternehmerischem Erfolg verbinden. 2026 wird der Award erstmals in den Kategorien KMU/Corporates und Scale-ups vergeben. Die Auswahl erfolgt in einem mehrstufigen Verfahren durch nationale Nominierungspartner sowie eine interdisziplinäre Jury unter dem Vorsitz von alt Bundesrätin Doris Leuthard. Die INFOMANIAK NETWORK SA aus Genf wurde dieses Jahr für ihr Rechenzentrum D4 ausgezeichnet.
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