Publiziert am: 04.09.2026

Ein Zukunftsfeld für die KMU

Nuklearmedizin – Kernenergie kann mehr als Strom: Sie ist für die moderne Medizin unverzichtbar. Die Schweiz hat das Know-how. Der Bau neuer kerntechnischer Anlagen könnte eine zusätzliche Chance bieten.

Mit der Debatte über neue Kernkraftwerke ist die Kernenergie wieder in den Vordergrund gerückt. Die meisten Menschen verbinden mit diesem Begriff zunächst Strom, grosse Infrastrukturen und Kühltürme. Doch es gibt noch eine andere, eher unauffällige Seite der Kernenergie: jene, die dabei hilft, Krankheiten zu erkennen und zunehmend auch zu behandeln.

Dieser Bereich betrifft zahlreiche KMU unmittelbar. Zwischen der Grundlagenforschung und dem Patienten erstreckt sich eine ganze Wertschöpfungskette: Biotech-Unternehmen, Hersteller radioaktiver Substanzen, Hersteller von Geräten und Messsystemen, Logistikspezialisten, aber auch private Arztpraxen und medizinische Zentren. Um diese Anwendungen herum hat sich eine ganze Nischenwirtschaft entwickelt.

Heute noch einen Schritt weiter

Der Einsatz radioaktiver Substanzen in der Medizin ist nichts Neues. Bekannt ist ihre Rolle in der Bildgebung, die es ermöglicht, bestimmte Vorgänge im Körper sichtbar zu machen. Doch die Nuklearmedizin geht heute noch einen Schritt weiter. Ein Molekül, das eine Tumorzelle erkennen kann, kann auch als «Träger» dienen, um ein radioaktives Isotop zu dieser Zelle zu transportieren, das dann auf den Tumor einwirkt und dabei das gesunde Gewebe so weit wie möglich schont.

Die Schweiz verfügt bereits über eine solide Infrastruktur. Im Jahr 2025 gab es hier 38 anerkannte Zentren, die PET-Bildgebung (Positronen-Emissions-Tomografie) durchführen, mit der sich die Aktivität bestimmter Gewebe präzise darstellen lässt. Zudem verfügt sie über sechs Zyklotrone, also Beschleuniger, die unter anderem bestimmte medizinische Isotope erzeugen, sowie über das Fachwissen des PSI, des CERN, der Hochschulen und der Spitäler.

Heikle Abhängigkeit

Diese Infrastruktur reicht jedoch nicht aus, um die Autonomie der Schweiz zu gewährleisten. Bei bestimmten medizinischen Isotopen ist unser Land nach wie vor von ausländischen Herstellern abhängig. Eine heikle Abhängigkeit, da manche Isotope innerhalb weniger Stunden oder Tage zerfallen und weder langfristig gelagert noch ohne Einschränkungen transportiert werden können. Der Bau neuer kerntechnischer Anlagen könnte daher eine zusätzliche Chance bieten: Entsprechend konzipiert könnten einige davon zur Produktion medizinischer Isotope in der Schweiz beitragen. Eine solche Kapazität würde die Versorgungssicherheit stärken und ein Ökosystem festigen, in dem unser Land bereits über erstklassiges Know-how verfügt.

Die Rahmenbedingungen sind in diesem Zusammenhang von entscheidender Bedeutung. Radiopharmazeutika fallen sowohl unter das Arzneimittelrecht als auch unter die klinische Forschung und den Strahlenschutz. Diese Anforderungen haben ihre Berechtigung, müssen aber den tatsächlichen Risiken und den Besonderheiten dieser Produkte angemessen bleiben. Was für einen grossen Konzern überschaubar ist, kann für ein kleines Biotech-Unternehmen oder einen spezialisierten Dienstleister zu einem erheblichen Hindernis werden. Eine unverhältnismässige Regulierung kann somit Innovationen bremsen, noch bevor sie den Patienten erreichen.

Rahmenbedingungen schaffen

Auch die Finanzierung kann zu einem Hemmnis werden. Mit TARDOC und den neuen ambulanten Pauschalen kann eine hoch spezialisierte Behandlung unterbezahlt sein, wenn ihre tatsächlichen Kosten nicht ausreichend berücksichtigt werden. Eine medizinisch sinnvolle und innovative Therapie läuft dann Gefahr, ausser Acht gelassen zu werden, weil die Tarifstruktur sie schlecht vergütet, obwohl ihr Gesamtkosten-Nutzen-Verhältnis sehr günstig sein könnte.

«Bei bestimmten medizinischen Isotopen ist unser Land nach wie vor von ausländischen Herstellern abhängig.»

Die Nuklearmedizin bleibt ein Spezialgebiet. Aber sie sagt viel über unsere Gesundheitspolitik aus. Zukunftstechnologien lassen sich nicht per Dekret verordnen. Sie sind das Ergebnis von Forschung, Innovation und Unternehmergeist. Die Schweiz verfügt dafür über einen hervorragenden Nährboden. Es ist nun an ihr, die Rahmenbedingungen zu schaffen, die es ermöglichen, dieses Potenzial auszuschöpfen, Unternehmen zu Investitionen zu bewegen und bewährte Innovationen bis zum Patienten zu bringen.Ssc

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