Die Ausgangslage bei der Elektrizität ist grundsätzlich solide. 2025 stieg der Schweizer Stromverbrauch, gleichzeitig sank die inländische Produktion. 55,5 Prozent der Erzeugung stammten aus Wasserkraft, 27,2 Prozent aus Kernkraft und 11,8 Prozent aus Photovoltaik.
Die Zahlen zeigen die Stärke und zugleich die Schwachstelle des Schweizer Systems: Wasserkraft und Kernenergie liefern eine vergleichsweise stabile Basis, während die Solarproduktion rasch wächst. Gleichzeitig ist die Schweiz auf den europäischen Stromhandel angewiesen. Gerade im Winter, wenn der Verbrauch hoch und die Solarproduktion tief ist, bleibt die Verfügbarkeit von Importen entscheidend.
Beim Gas bleibt die Abhängigkeit hoch
Angespannter präsentiert sich die Lage beim Erdgas. Besonders relevant ist die Ausgangslage der Speicher. Die EU beendete den Winter 2025/26 mit historisch tiefen Speicherfüllständen; gleichzeitig sind LNG-Verfügbarkeit, geopolitische Konflikte und die Sperrung der Strasse von Hormus zusätzliche Unsicherheitsfaktoren. Für den 1. Oktober und die Ausspeichersaison 2026/27 wird unter ungünstigen Bedingungen ein Speicherfüllstand von weniger als 80 Prozent erwartet.
Bei hohem Verbrauch bezieht die Schweiz rund drei Viertel ihres Gasbedarfs aus Deutschland – doch ausgerechnet in unserem nördlichen Nachbarland ist der aktuelle Füllstand weit unterdurchschnittlich. Das Problem liegt aber nicht allein bei den verfügbaren Gasmengen. Das Gas muss aus Speichern und LNG-Terminals im Nordwesten Deutschlands über das deutsche Netz zu den Verbrauchszentren und in die Schweiz transportiert werden. Bei einer angespannten Lage könnten Schweizer Importe eingeschränkt werden.
Die Schweiz reagiert darauf mit Diversifikation. Zusätzliche Importmöglichkeiten über Frankreich und Italien werden vertraglich abgesichert.
Was das fĂĽr KMU bedeutet
Für Gewerbebetriebe und Industrieunternehmen ist Energieversorgung längst eine betriebswirtschaftliche Frage. Ein kurzfristiger Ausfall von Strom oder Gas kann Produktionsstillstände, Lieferverzögerungen und Vertragsprobleme verursachen. Gleichzeitig bleiben die Energiekosten relevant: Zwar sinken die Stromtarife 2026 im Durchschnitt leicht, doch die ElCom weist weiterhin auf vergleichsweise hohe Grosshandelspreise und erhebliche Unterschiede zwischen den Netzgebieten hin.
KMU sollten deshalb drei Dinge prĂĽfen.
Erstens: Wie hoch ist die eigene Abhängigkeit von Strom, Gas oder einzelnen Energielieferanten?
Zweitens: Welche Prozesse lassen sich bei hohen Preisen oder einer Knappheit kurzfristig reduzieren, verschieben oder auf einen anderen Energieträger umstellen?
Drittens: Wo rechnen sich Investitionen in Photovoltaik, Effizienz, Speicher oder Zweistoffanlagen?
Für Bund und Kantone folgt daraus ein klarer Auftrag. Versorgungssicherheit darf nicht gegen Klimapolitik oder Wirtschaftlichkeit ausgespielt werden. Entscheidend ist ein möglichst diversifiziertes System mit ausreichend inländischer Produktion, leistungsfähigen Netzen, Speichern und internationalen Verbindungen. dp