Wenn Vorsicht den Mut erstickt
Unternehmensfinanzierung – Die Wirtschaft braucht Risiko, um innovativ zu sein. Doch Behörden und Finanzinstitute scheuen es zunehmend. Ein gefährliches Ungleichgewicht für die wirtschaftliche Dynamik.
Leasing – Wer investieren will, braucht Kapital. Doch das ist nicht immer ausreichend vorhanden. Eine neue Studie zeigt nun, dass sich ein genauerer Blick auf Leasing als Finanzierungsform für viele Unternehmen lohnen kann.
Wer investieren will, braucht Kapital – und das ist nicht immer in ausreichendem Mass vorhanden. Eine neue Studie von BAK Economics und der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) im Auftrag des Schweizerischen Leasingverbands (SLV) liefert dazu handfeste Zahlen: Sie zeigt, welchen Beitrag Leasing zur Investitionsfinanzierung leisten kann, und macht deutlich, dass der Schweizer Markt hier noch erhebliches Potenzial hat.
Über 1000 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, Grössenklassen und Sprachregionen wurden für die Studie befragt. Dabei zeigt sich ein klarer Zusammenhang: Unternehmen, die zwischen 2022 und 2024 auch auf Leasing setzten, wiesen ein signifikant höheres Umsatz- und Investitionswachstum auf als Unternehmen, die sich hauptsächlich auf Eigenmittel stützten. 62 Prozent der «Leaser» steigerten ihren Umsatz, bei den «Nicht-Leasern» waren es 52 Prozent. Bei den Investitionen fällt der Unterschied noch grösser aus: 41 Prozent der Leasing-Nutzer erhöhten ihre Sachanlageinvestitionen, bei den Nicht-Nutzern waren es nur 28 Prozent.
Ein möglicher Grund: Leasing schont die Liquidität. Statt auf einen Schlag grosse Summen an Eigenkapital zu binden, behält das Unternehmen seinen finanziellen Spielraum – etwa um eine Marktchance rasch zu nutzen. Wie wichtig dieser Spielraum ist, zeigt der Befund, dass ein Fünftel der Unternehmen zwischen 2022 und 2024 nicht alle geplanten Investitionen umsetzen konnten. In 80 Prozent dieser Fälle waren fehlende Eigenmittel der Grund dafür.
14 Prozent und damit rund jedes siebte der befragten Unternehmen nutzten Leasing. Besonders verbreitet ist es bei etablierten Kapitalgesellschaften aus Industrie, MEM-Branche und Bau. Bei Mikrounternehmen mit bis zu 9 Mitarbeitenden liegt der Leasinganteil bei 11 Prozent, bei kleinen und mittleren Betrieben (10 bis 249 Mitarbeitende) bereits bei 22 bis 23 Prozent.
«Langfristig profitieren Innovationskraft, Produktivität und Wachstum der gesamten Schweizer Wirtschaft davon.»
Das zeigt: Leasing ist längst kein Instrument nur für grosse Unternehmen – auch kleinere Betriebe können von den gleichen Vorteilen profitieren.
Als wichtigste Gründe für Leasing nennen die befragten Unternehmen ein besseres Liquiditätsmanagement, die Kalkulierbarkeit der Leasingraten sowie die Möglichkeit, ohne zusätzliche Sicherheiten zu finanzieren. Die Kundenzufriedenheit unter «Leasern» ist entsprechend hoch und spiegelt sich in einer starken Kundenbindung wider.
So positiv die Zahlen für die einzelnen Unternehmen ausfallen, im internationalen Vergleich bleibt die Schweiz zurückhaltend. Die Leasing-Penetration-Rate lag 2023 bei nur 9 Prozent – in Deutschland sind es 28 Prozent, in Frankreich 34 und in Grossbritannien sogar 40 Prozent. Ein wichtiger Grund dafür ist insbesondere die hierzulande besonders ausgeprägte Präferenz für das rechtliche Eigentum an Investitionsgütern.
Dabei liegt gerade hier das Potenzial: Wird der durch Leasing gewonnene finanzielle Spielraum in Forschung, Entwicklung oder neue Anlagen investiert, stärkt das nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit des einzelnen Betriebs. Langfristig profitieren Innovationskraft, Produktivität und Wachstum der gesamten Schweizer Wirtschaft davon. Ob Grossunternehmen oder KMU: Ein genauerer Blick auf Leasing als Finanzierungsform kann sich für viele Betriebe lohnen.
Prof. Dr. Cornelia Stengel, Geschäftsführerin
Schweizerischer Leasingverband
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