Kaum ist die Vegan-Zwang-Initiative vom Tisch, kommt bereits die nächste Nanny-State-Initiative an die Urne: Niemand soll schweizweit mehr Feuerwerk abfeuern dürfen. Damit würde nicht nur eine ganze Branche mit all ihren KMU und Angestellten ausradiert, sondern auch ein sehr grosses Stück Schweizer Festkultur. Die Entmündigung der Bürger schreitet schnellen Schrittes voran.
Die Initianten verweisen auf Ausnahmebewilligungen für grosse, überregionale Anlässe. Doch die vermeintliche Ausnahme ist nichts anderes als ein abstimmungstaktisches Feigenblatt. Veranstalter müssten bei Behörden um Bewilligungen betteln – und letztlich entscheiden Beamte, wann ein Feuerwerk noch «überregional» genug ist. Es drohen neue komplizierte Abgrenzungsfragen, und de facto dürfte fast kein Anlass diese Hürde nehmen.
Gemeinde ist richtige Ebene
Das ist zudem widersprüchlich: Wenn Feuerwerk wegen Lärm und Tierschutz grundsätzlich problematisch sein soll, warum sollen gerade die grössten und damit oft auch lautesten Feuerwerke erlaubt bleiben?
Ohnehin ist ein nationales Verbot der falsche Weg.
«Wie viele Verbote wollen wir eigentlich noch?»
Die Gemeinden können bereits heute selbst entscheiden, ob und wo sie Feuerwerk einschränken wollen. Das ist die richtige Ebene: dort, wo die Menschen leben und die konkreten Verhältnisse kennen. Ein Verbot in der Bundesverfassung hingegen gilt für die ganze Schweiz – und wäre kaum mehr rückgängig zu machen. Und: Wie viele Verbote wollen wir eigentlich noch?
Polizei mit Schallpegelmesser?
Es stellt sich ebenso die Frage des Vollzugs. Was genau ist künftig verboten? Wo beginnt «lärmerzeugendes» Feuerwerk? Wer kontrolliert das – und wie? Soll die Polizei in der Silvesternacht künftig mit Schallpegelmessern Bürger büssen, statt für Sicherheit zu sorgen? Und wer garantiert bei einer Annahme, dass Politik und Verwaltung mit einem regulierungswütigen Finish Vulkane nicht gleich mitverbieten? Fragen über Fragen. Klar ist nur: Der Amtsschimmel wiehert einmal mehr.
Profitieren von einem Verbot würden am Ende insbesondere ausländische Feuerwerkshändler sowie Restaurants und Hotels im grenznahen Ausland, die ihren Gästen weiterhin Feuerwerk bieten können. Ziemlich schief ist auch das Argument, man könne ein Feuerwerk mit einer Drohnenshow ersetzen. Als ob sich jede Privatperson ein Drohnengeschwader für den eigenen Garten leisten, geschweige denn ein solches bedienen könnte. Zumal der emotionale Effekt des Feuerwerks fehlen würde.
Statt Kinderaugen leuchten Handybildschirme
Und was bleibt für die Kinder? Am 1. August und insbesondere an Silvester leuchten dann keine Kinderaugen mehr, sondern vor allem die Handy- und TV-Bildschirme, wo Feuerwerke von Sydney bis Honolulu gezeigt werden. Immer mehr junge Menschen kämpfen mit psychischen Problemen, und die Welt wird geopolitisch zunehmend rauer: Da sollten wir nicht auch noch die kleinen Momente der Freude verbieten und schöne Kindheitserinnerungen verhindern.
Die Schweiz braucht nicht noch mehr Verbote – im konkreten Fall wegen rund sechs (!) Stunden Feuerwerk im Jahr. Lassen wir vielmehr den Menschen ihre Freude – und den Gemeinden ihre Entscheidungshoheit.hug