Publiziert am: 16.10.2026

«Dann müssen wir schliessen»

Feuerwerksverbotsinitiative – Für Daniel Bussmann steht viel auf dem Spiel: Ein Ja zum Feuerwerksverbot würde das Aus für seine Bugano AG bedeuten – und 27 Mitarbeiter ihre Stelle kosten. Der Luzerner Vulkanproduzent warnt vor den gravierenden Folgen für eine ganze Branche.

«Unsere Mitarbeiter sind verunsichert», sagt Daniel Bussmann. Er ist Inhaber der Bugano AG im luzernischen Neudorf. Das KMU ist einer der zwei letzten Produzenten von Vulkanen in der Schweiz, und es verkauft zudem importierte Feuerwerksartikel.

Der Grund für die Verunsicherung ist einfach: Am 29. November stimmt die Schweiz über ein nationales Verbot von Feuerwerk ab. Die Initiative will die Verwendung und den Verkauf von Feuerwerk in der gesamten Schweiz verbieten – und hängt wie ein Damoklesschwert über der Bugano AG.

Das bedeutet: Kein privates Feuerwerk mehr am 1. August und an Silvester. Kein Feuerwerk mehr, wenn eine Hochzeit oder der Aufstieg eines Sportclubs gefeiert wird. Der Himmel über der Schweiz soll am Nationalfeiertag und an Neujahr bis in die ferne Zukunft dunkel bleiben.

27 Mitarbeiter verlieren Stelle

Für Bussmann ist klar: «Bei einem Ja müssen wir unser KMU schliessen.» Auf dem Spiel steht nicht nur seine Existenz, sondern auch die seiner Angestellten. «Alle unsere 27 Mitarbeiter würden ihre Stelle verlieren.» Einige arbeiten bereits seit 25 Jahren im Betrieb.

Auch die Zukunft des Firmengeländes und der Gebäude ist offen. «Wir befinden uns in einer speziellen Zone, und die Gemeinde müsste unser Areal wohl umzonen, wenn sie dazu überhaupt bereit ist.»

Das Unternehmen testet seine selbst produzierten Vulkane direkt vor Ort. Es beschäftigt einen Chemiker, der an der richtigen Mischung für ein schönes visuelles Erlebnis tüftelt. Zudem verfügt die Firma über ein grosses Lager an Feuerwerksartikeln, für die sie Einfuhrzoll bezahlt und Bewilligungen eingeholt hat. «Gut möglich, dass wir mehrere Tonnen Material vernichten müssten.»

Feuerwerk gilt als Gefahrengut und unterliegt strengen Regulierungen. Das Bundesamt für Polizei fedpol kontrolliert den Betrieb zweimal jährlich. Doch vor allem stellt sich für Bussmann die Frage: «Wer soll unsere Produkte noch kaufen, wenn bald ein Verbot in Kraft tritt?» Investitionen von mehreren 100 000 Franken in Produkte wären auf einen Schlag vernichtet.

Auslöschung einer ganzen Branche

So wie Bussmann und seinem Team geht es derzeit allen Feuerwerkshändlern in der Schweiz. Das nationale Feuerwerksverbot würde eine ganze lokale Branche mit ihren Arbeitsplätzen auslöschen. Auch weitere Wirtschaftszweige würden leiden. «Das Verbot wäre sehr schädlich für Papeterien, Drogerien und Geschenkläden, wo der Feuerwerksverkauf gerade auf dem Land nicht unwesentlich zum Umsatz beiträgt», sagt Bussmann.

Als weitere betroffene Branchen nennt er Hotellerie und Gastronomie. «In Luzern organisieren wir jeweils das Neujahrszauber-Feuerwerk, welches von lokalen Hotels und der örtlichen Tourismusorganisation getragen wird. Dieses lockt sehr viele Gäste an und bietet ihnen einen schönen und farbigen Start ins neue Jahr.» Zudem richtet das KMU die 1.-August-Feuerwerke in Basel und am Rheinfall aus. All das wäre nicht mehr erlaubt.

Von der Planung bis zum Auf- und Abbau dauern die Arbeiten mehrere Tage. Die Bugano AG verfügt dafür über das nötige Fachwissen und speziell geschulte Mitarbeiter. «Die Sicherheit hat dabei immer höchste Priorität. Schon heute müssen wir für solche Grossfeuerwerke eine Bewilligung einholen.»

Fachwissen würde verschwinden

Vulkane, wie sie die Bugano AG herstellt, sollen vom Verbot zwar nicht betroffen sein. «Aber nur mit dem Vulkangeschäft können wir und unsere gesamte Branche nicht überleben», stellt Bussmann klar. «Für viele unserer Kunden sind Vulkane eine Art Vorspeise. Der Hauptgang ist dann das Feuerwerk am Himmel.» Ohne Explosion und Knalleffekt komme dieses nicht aus.

Zwar will die Verbotsinitiative offiziell «nur» lärmerzeugendes Feuerwerk verbieten. Doch unter Lärm verstehe jeder etwas anderes, gibt Bussmann zu bedenken. «Für einige ist bereits das Abfeuern eines Vulkans lärmig.» Der gelernte Kaufmann befürchtet deshalb, dass das Verbot von «lärmerzeugendem» Feuerwerk erst der Auftakt für ein generelles Verbot sein könnte. Er verweist auf die zürcherische Gemeinde Greifensee, die selbst Vulkane verboten hat.

Feuerwerke von überregionaler Bedeutung sollen laut Initiativtext zwar erlaubt bleiben, wenn die kantonalen Behörden sie bewilligen. Doch was heisst das? Bussmann schätzt, dass schweizweit kaum mehr Feuerwerke bewilligt würden, höchstens vielleicht eines am Züri-Fäscht. «Würde Basel Schweizer Fussball-Meister, hätten die Zürcher wohl wenig Freude. Da dürfte die Überregionalität kaum gegeben sein.» Ebenso wenig bei kleineren Anlässen wie dem Wasserfest in Aarburg, wo die Bugano AG bereits seit über 30 Jahren das Feuerwerk organisiert.

Sowieso würde bei einem Ja das uralte Fachwissen für solche Feuerwerke aus der Schweiz verschwinden. Fraglich ist weiter, wie sich das Verbot auf die Eventbranche auswirkt, die teils ebenfalls mit Feuerwerks- und Knalleffekten arbeitet.

Zufriedene und glückliche Gesichter

Feuerwerk gehört für Bussmann am 1. August und zu Silvester einfach dazu. «Wir sollten diese wunderschöne Schweizer Tradition nicht aufgeben», sagt der 45-jährige dreifache Familienvater und Besitzer zweier Katzen. «Wenn ich am 1. August die leuchtenden Augen von Kindern sehe, wenn sie zusammen mit den Eltern Frauenfürze – ja, wir nennen diese weiterhin so –, Knallteufel und weiteres Feuerwerk zünden dürfen, ist das eine wundervolle Sache.»

Daniel Bussmann weiss, wovon er spricht. Sein Vater hat die Bugano AG vor knapp 40 Jahren gegründet. «Bereits als junger Bub durfte ich bei meinem Vater mithelfen. Und wenn ich während und nach dem Feuerwerk die friedlichen und glücklichen Gesichter der Zuschauer sehe, ist das ein überwältigendes Erlebnis.»

Rolf Hug

www.bugano.com

www.profeuerwerk.ch

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