Ab 7. August 2025 galt für viele Schweizer Waren ein US-Zusatzzoll von 39 Prozent. Im November begrenzten die USA den pauschalen Satz rückwirkend auf maximal 15 Prozent. Ausnahmen für Pharmazeutika, bestimmte Chemikalien und Gold blieben. Doch die Senkung bedeutete keine Rückkehr zur Normalität. Sektorale Zölle auf Stahl und Aluminium sowie die erratische US-Aussenwirtschaftspolitik bestehen weiterhin. Planbarkeit, Verlässlichkeit und Rechtssicherheit im Geschäft mit den USA bleiben schwierig.
So mahnen die Handelszahlen laut Bundesamt fĂĽr Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) zu nĂĽchterner Interpretation.
«Es besteht weder Anlass zur Dramatisierung noch zur Selbstzufriedenheit.»
Im August 2025 sanken die Schweizer Ausfuhren saisonbereinigt um ein Prozent; besonders die US-Exporte belasteten das Ergebnis. Für das ganze Jahr 2025 hält das BAZG fest, dass US-Zollerhöhungen den Welthandel dämpften, wegen zahlreicher Ausnahmen aber weniger als befürchtet. Ganzjährig stiegen die Schweizer Exporte um 1,4 Prozent; real (d. h. inflationsbereinigt) sanken sie hingegen um 3,8 Prozent.
Achterbahnfahrt der Exporte
Die Exporte in die USA gleichen in den letzten zwölf Monaten einer Achterbahnfahrt (vgl. Grafik). Viele Unternehmen versuchten, vor den Stichtagen einer Erhöhung der Zölle möglichst viele Waren in die USA zu verfrachten, was danach zu einer Übersättigung führte und die Exportzahlen einbrechen liess. Zusätzlich schwächelte in den letzten Monaten die im Aussenhandel mit Abstand dominante Pharmabranche.
Für Maschinenbauer, Uhrenzulieferer oder Präzisionstechnikbetriebe sind auch die bestehenden 15 Prozent Zoll einschneidend. Sie entscheiden, ob US-Kunden den Preis akzeptieren, Nachlässe verlangen oder zur Konkurrenz wechseln. Hinzu kommen Ursprungsnachweise, Tarifierung, Vertragsänderungen, Währungsrisiken und Lagerhaltung. Grosskonzerne können Produktion und Zölle über mehrere Standorte optimieren; viele KMU fertigen in der Schweiz und haben weder dieselbe Verhandlungsmacht noch ausländische Tochterfirmen.
Begrenzte Optionen fĂĽr KMU
Betroffen sind auch Zulieferer ohne eigene US-Exporte. Auftraggeber geben den Kostendruck weiter, verschieben Investitionen oder bestellen kurzfristiger. Aber auch Chancen entstehen: Hoch spezialisierte Produkte, verlässlicher Service und kurze Innovationszyklen können die Preissetzungsmacht sichern. Diversifizierung nach Europa, Indien oder in weitere Wachstumsmärkte reduziert Klumpenrisiken, ersetzt den US-Markt aber nicht über Nacht.
Resilienz als Teil der Wirtschaftspolitik
Der Schweizerische Gewerbeverband sgv forderte 2025 Verhandlungen statt Gegenzölle sowie ein Entlastungs- und Vitalisierungsprogramm. Gegenmassnahmen hätten Vorleistungen verteuert und auch KMU ohne US-Exporte getroffen. Auf Gegenmassnahmen wurde verzichtet; doch der politische Elan für eine Entlastung der KMU fehlt.
Ein Jahr nach dem Zollschock besteht weder Anlass zur Dramatisierung noch zur Selbstzufriedenheit. Die Schweiz kann Washington nicht steuern, aber Handelsdiplomatie, stabile EU-Beziehungen, neue bzw. aufdatierte Freihandelsabkommen und die Verbesserung der eigenen Rahmenbedingungen angehen.
Patrick DĂĽmmler, Ressortleiter sgv