«Arbeitsplätze bedroht»
ZUKUNFT UNGEWISS – Am 29. November stimmt die Schweiz über die Feuerwerksinitiative ab.
SCHWEIZERISCHE KOORDINATIONSSTELLE FEUERWERK – Wenn am 1. August der Himmel leuchtet, steckt dahinter mehr als ein Spektakel: eine Branche mit saisonalem Geschäft, hohen Sicherheitsanforderungen und wachsenden Nachhaltigkeitsfragen. Die Feuerwerksinitiative könnte ihren Kurs entscheidend beeinflussen.
Jährlich werden in der Schweiz zwischen 1000 und 2000 Tonnen Feuerwerkskörper verbraucht. Wie lange das so bleibt, könnte sich am 29. November entscheiden: Dann stimmt die Schweizer Bevölkerung über die Feuerwerksinitiative ab (vgl. Nebenartikel). Unabhängig davon befindet sich die Branche im Wandel. «Die gesamte Feuerwerksbranche hat sich professionalisiert und modernisiert», sagt Urs Corradini, Präsident der Schweizerischen Koordinationsstelle Feuerwerk (SKF). Heute werden die Produkte nach strengen Vorschriften geprüft, professionelle Feuerwerkerinnen und Feuerwerker absolvieren anerkannte Ausbildungen. Auch Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte gewinnen an Bedeutung.
«Rein vom Umsatz her ist die Feuerwerksbranche eine Nische. Ihre wirtschaftliche Bedeutung reicht aber weit darüber hinaus», sagt Corradini. Grosse Feuerwerke ziehen Publikum an, wovon auch Grillstände, Bäckereien, Metzgereien und Getränkelieferanten profitieren. Kleinere Geschäfte wie Spielwarenläden und Papeterien nutzen den Feuerwerksverkauf zudem, um die umsatzschwächeren Sommermonate zu überbrücken.
Der Nationalfeiertag ist der wichtigste Verkaufstermin. Rund zwei Drittel des Jahresumsatzes erzielt die Branche rund um den 1. August. Hitze, Trockenheit und behördliche Feuerwerksverbote können das Geschäft jedoch empfindlich treffen. Einzelne Grosshändler und Hersteller verzeichnen laut Corradini in solchen Jahren Umsatzeinbussen von bis zu 90 oder 95 Prozent. Anders als in Deutschland konzentriert sich die Nachfrage in der Schweiz stark auf den Nationalfeiertag.
Gemäss SUVA ereignen sich in der Schweiz jährlich rund 280 Unfälle im Zusammenhang mit Feuerwerk. «Unser Ziel ist es, jeden einzelnen Unfall zu verhindern», sagt Corradini. Dazu gehören ausreichende Sicherheitsabstände zu Menschen, Tieren und Gebäuden, ein stabiler Untergrund beim Anzünden und der Schutz von Kleinkindern. Die Ausbildung professioneller Feuerwerkerinnen und Feuerwerker umfasst Theorie und Praxis. Auf dem Lehrplan stehen Gefahrguttransport, gesetzliche Grundlagen, Sicherheitsdistanzen und Nachhaltigkeit. Je nach Ausbildung dauern die Kurse und Wiederholungsschulungen zwischen einem und fünf Tagen. Eine anspruchsvolle Prüfung bildet den Abschluss. «Die Qualifikation erlaubt Fachpersonen auch den Einsatz von Feuerwerkskörpern, die privaten Anwendern nicht frei zugänglich sind.»
Bei der Produktzulassung arbeitet die Branche mit dem Bundesamt für Polizei (fedpol), bei der Ausbildung mit dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) zusammen. Bewilligungen für Feuerwerke und den Verkauf liegen hingegen in der Zuständigkeit von Kantonen und Gemeinden. «Gerade auf Gemeindeebene treffen wir auf sehr unterschiedliche Vorschriften. Teilweise fehlt beim Erlass dieser Regelungen das notwendige fachliche Know‑how», sagt Corradini. Viele Gemeinden sind deshalb froh um die Unterstützung der Branche.
Auch die Umweltverträglichkeit rückt stärker in den Fokus. «Wir prüfen laufend, wo sich Kunststoff durch biologisch abbaubaren Karton ersetzen lässt», erklärt Corradini. Gleichzeitig beobachte er eine leicht steigende Nachfrage. Neben dem Bevölkerungswachstum spiele auch der gesellschaftliche Stellenwert eine Rolle: «Feuerwerk bietet den Menschen eine kleine Auszeit von den Sorgen und Problemen, die uns weltweit beschäftigen.» Der Klimawandel stellt die Branche dennoch vor Herausforderungen. Trockenheit und Wasserknappheit können Einschränkungen zur Folge haben, während das Wetter das Geschäft unmittelbar beeinflusst. «Im vergangenen Jahr war der Juli beispielsweise sehr nass – und trotzdem lief das Feuerwerksgeschäft sehr gut», sagt Corradini. Ein Ende der Tradition sieht er deshalb nicht: «Von einem Ende der Feuerwerkstradition aufgrund des Klimawandels möchte ich nicht sprechen.» Die grössere Herausforderung scheint momentan die Feuerwerksinitiative zu sein.
Corinne Remund
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