Künstliche Intelligenz eröffnet heute auch KMU-Möglichkeiten, die früher vor allem Grossunternehmen mit entsprechenden Budgets vorbehalten waren. Für Michel und Flavio Alraun, Co-CEOs der Maybaum AG in Baden, gehört KI deshalb längst zum Arbeitsalltag. «Ob automatische Übersetzungen, mehrsprachige Schulungsvideos mit KI-Avataren, effizientere Postproduktion oder die schnelle Erstellung von Content-Varianten: Viele Prozesse lassen sich deutlich beschleunigen und kostengünstiger umsetzen», sagt Michel Alraun.
Gleichzeitig warnen die beiden vor überzogenen Erwartungen. «Die Vorstellung, man drücke einen Knopf und erhalte sofort einen fertigen Film oder eine perfekte Kampagne, entspricht leider nicht der Realität», betont Flavio Alraun. Professionelle Ergebnisse entstünden erst durch präzise Briefings, zahlreiche Iterationen und das Know-how, KI gezielt einzusetzen.
Bei Maybaum Film kommen heute rund 15 verschiedene KI-Tools zum Einsatz. Die Technologie ist ein leistungsstarkes Werkzeug, ersetzt jedoch keine Kreativen oder Kommunikationsfachleute. «Den entscheidenden Unterschied machen weiterhin die Menschen, die die richtigen Fragen stellen, die Ergebnisse einordnen und daraus eine wirkungsvolle Kommunikation entwickeln», sagt Michel Alraun.
Besonders wichtig bleibt für die Brüder der emotionale Aspekt. «Eine gute Geschichte muss etwas auslösen. Ob eine Botschaft in einem Bergdorf oder in einer Grossstadt funktioniert, ist Handwerk und keine Automatisierung», so Flavio Alraun.
Renaissance des grossen Bildschirms
Einen spannenden Trend beobachten die beiden beim Medienkonsum. Während in den vergangenen Jahren vor allem Mobile- und Short-Form-Formate dominierten, würden digitale Inhalte zunehmend wieder auf dem grossen Bildschirm konsumiert. «Wir erleben eine kleine Renaissance von ‹Big Screen, Big Emotion›», sagt Michel Alraun. Über Connected TVs würden Plattformen wie Youtube und Streamingdienste immer häufiger im Wohnzimmer genutzt. Dadurch gewinnt die klassische filmische Dramaturgie an Bedeutung. «Bildsprache, Sound und Emotion erhalten wieder mehr Raum. Für uns als Filmproduzenten ist das eine sehr spannende Entwicklung», ergänzt Flavio Alraun. Mit Blick auf die Zukunft rechnen die Co-CEOs mit weiteren Fortschritten bei KI-gestützten Formaten wie Avataren, Stimmklonen und mehrsprachigem Content aus einer einzigen Produktion. Gleichzeitig werde die Fähigkeit, relevante Inhalte zu entwickeln und Geschichten zu erzählen, noch wichtiger. «Am Ende wollen wir Menschen nicht ersetzen, sondern ihre Arbeit besser machen», bringt es Michel Alraun auf den Punkt. CR