Publiziert am: 15.06.2018

Arbeitstier im Freizeitlook

aktueller test 1 – Jetzt bietet auch Mercedes-Benz einen ausgewachsenen Pick-up mit Doppelkabine an. Wer 
ein Komplettanbieter sein will, muss eine solche Dienst-/Spass-Combo im Sortiment haben. Wir prüften die 
«Sonntagsversion» Power mit 190 PS und Automatikgetriebe. Ein zuschaltbarer Allradantrieb ist immer mit dabei.

Anders als andere Hersteller hat Mercedes-Benz die X-Klasse nicht selbst entwickelt, sondern sich bei Allianzpartner Renault/Nissan bedient. Das hat den Vorteil, dass Entwicklungskosten eingespart und rasch mit dem Bau der längst bewährten Grundkonstruktion begonnen werden konnte.

Der X-Klasse liegt also der Nissan Navara NV300 (Renault Alaskan) zugrunde. Damit fährt der Neuling mit vielen Anleihen aus dem Personenwagenbereich vor, was sich durch Schraubenfedern vorn und hinten manifestiert. Das steht für Komfort, Sicherheit und Fahrpräzision: autonomer Notbremsassistent, 360-Grad-Rundumkameras, schlüsselloses Zugangssystem (für Ladewand und Wannenabdeckung ist ein separater Schlüssel erforderlich) sowie ein elektronisches Sperrdifferenzial. Vier Türen führen in die Doppelkabine, wo vorne zwei Personen auf verstellbaren Sitzen und hinten drei Personen auf einer bequemen Bank Platz nehmen können. Das mittlere Element der heizbaren Heckscheibe kann elektronisch geöffnet werden.

Auf die fast quadratische Ladebrücke (1581×1560 mm) können über 1000 Kilo geladen werden; 3,5 Tonnen schleppt die X-Klasse per Anhänger mühelos. Der reich ausgestattete Testwagen der Version Power bietet ausserdem eine Wannenauskleidung aus Kunststoff.

Mehr Limousine denn Laster

Der von Nissan entwickelte Biturbodiesel stellt in jeder Situation viel Kraft zur Verfügung. Eine lohnende Investition ist das automatische 
Getriebe, das nach dem Aktivieren des Allradantriebes auch im Gelände optimal arbeitet. Durch einen Drehschalter kann der Fahrer vom Heckantrieb auf Allradtraktion (H4) wechseln. Für schwierige Passagen werden die Geländereduktion (L4) zugeschaltet und das Sperrdifferenzial aktiviert. Warum Mercedes-Benz für dieses System ebenfalls die Bezeichnung 4 Matic anwendet, ist nicht ganz klar, da diese Bezeichnung normalerweise dem permanenten Allradantrieb in Personenwagen vorbehalten ist.

Für Einsätze in schwierigem Gelände zählen diese Werte: Rampenwinkel vorn und hinten 22 Grad, Böschungswinkel vorn 29,4 Grad, hinten 24,6 Grad (ohne Anhängerkupplung), maximale Wattiefe 800 Millimeter, Bodenfreiheit 208 bis 223 Millimeter und maximaler Neigungs- oder Kippwinkel 50,3 Grad.

Tatsächlich fühlt sich der Mercedes-Benz X eher wie eine grosse Limousine denn wie ein schwerer Laster an. Da die meisten Nutzer nie bis selten etwas unter der Motorhaube zu tun haben, ist die sehr schwere Abdeckung kaum ein Nachteil. Jedenfalls liess sie sich von einer Person nicht genügend anheben, um den weit entfernten Stellstab aus 
seiner Halterung zu nehmen und einzurasten.

Für den reinen Einsatz als kraftvoller Mitarbeiter dürfte die 163-PS-Version (220 d) mit 6-Gang-Schaltgetriebe und etwas weniger Schnickschnack die richtige Alternative sein.

Roland Hofer

www.mercedes-benz.ch

wissenswertes

Mercedes-Benz 
X-Klasse, 4Matic, Power

Karosserie: Pick-up, 4 Türen, 5 Plätze
Motor: 4-Zyl., 2298 ccm, Turbodiesel
Leistung (kW/PS): 140/190 bei 3750/min
Drehmoment (Nm): 450 von 1500 bis 2500/min
Kraftübertragung: 7-Stufen aut./Heck; 4×4 zuschaltbar
Fahrleistungen: Spitze 176 km/h, 0–100 km/h 11,8 Sek.
Verbrauch (EU-Norm): 7,9 l/100 km, CO2 207 g/km
Masse (L×B×H): 5340 ×1920 ×1819 mm
Gewichte: Gesamt 3250 kg, leer 2234 kg
Chassis/Federung: Leiterrahmen, Schraubenfedern vorne und hinten
Ladefläche: 1581×1560 × 475 Millimeter
Nutzlast/Anhängelast: 1016 Kilogramm/3,5 Tonnen
Preis: ab 43 678 Fr.; Testwagen 65 138 Fr.