Publiziert am: 27.05.2016

Beruf wird noch attraktiver

DIGITALISIERUNG – KV-Absolvierende sind bestens auf die digitale Arbeitswelt vorbereitet. Sie werden in der Ausbildung in Schule und Betrieb mit den neuen Technologien vertraut gemacht.

Die digitale Revolution erfasst nebst der Industrie auch den ganzen Dienstleistungssektor – also von Kassen- und Büroangestellten bis zu Bankern und Anwälten. Ihnen allen droht die Automatisierung, wenn Computer ihre Arbeiten übernehmen. Was heisst das konkret? Droht jetzt ein Heer von Arbeitslosen? Matthias Wirth, Präsident der Schweizerischen Konferenz der kaufmännischen Ausbildungs- und Prüfungsbranchen SKKAB, verneint ganz klar. Er sieht dies nicht so drastisch: «Dass Tätigkeiten im Bürobereich zunehmend automatisiert werden, ist nichts Neues.» Die Ausbildung zur Kauffrau beziehungsweise zum Kaufmann mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis sei nicht auf die automatisierbaren Aufgaben und Tätigkeiten ausgerichtet. «Vielmehr beziehen sich die in der Ausbildung vermittelten Kompetenzen bereits jetzt schon auf ein breites Berufsfeld. Dieses reicht von der Beratung von Kunden bis zur qualifizierten, branchenspezifischen Sachbearbeitung mit modernen und sich laufend ändernden Arbeitsmitteln», so Wirth.

«Die Anforderungen an die Mitarbeitenden steigen an.»

Dies bestätigt auch Roland Hohl, Geschäftsleiter IGKG Schweiz und Präsident der Schweizerischen Kommission für Berufsentwicklung und Qualität Kauffrau/Kaufmann EFZ. Für die Berufsbildung insgesamt erwarte er eher eine «Evolution» statt eine «Revolution». «Das bestehende Berufsbild und die kaufmännische Grundbildung sind eine gute Grundlage für die nötigen Weiterentwicklungen», ist Hohl überzeugt. Gemäss Wirth führe die Digitalisierung dazu, dass automatisierbare Tätigkeiten auch im Dienstleistungsbereich weiter und sogar noch verstärkt reduziert beziehungsweise ganz verschwinden würden. Die Anforderungen an die Mitarbeitenden würden damit weiter ansteigen. «Die kaufmännische Grundbildung ist mit ihrer Fokussierung auf hohe, breit einsetzbare Fachkompetenzen mit branchenspezifischer Ausrichtung sowie Sozial- und Selbstkompetenzen heute bereits sehr gut aufgestellt. An Bedeutung noch zunehmen werden allerdings anwender- und kundenorientierte Medien- und Technologiekompetenzen», erklärt Wirth. Auch für Hohl sind künftig vor allem kommunikative und kooperative Kompetenzen noch mehr gefragt.

 

Arbeitswelt mit Zukunft

Als negative Auswirkungen der Digitalisierung auf den kaufmännischen Beruf sieht Hohl Gewinnmaximierung und Effizienzsteigerung und somit die Auslagerung von Arbeitsplätzen. Doch auch er ist überzeugt, «dass kaufmännische Tätigkeiten in Zukunft wohl eher noch anspruchsvoller und attraktiver werden». Und Wirth doppelt nach: «Junge Leute, die einen anforderungsreichen, vielseitigen Beruf mit breiten Einsatzmöglichkeiten in der ganzen Wirtschaft anstreben, finden hier einen praxisorientierten Einstieg in eine Arbeitswelt mit Zukunft.»

Die kaufmännischen Lernenden würden im Rahmen ihrer Ausbildung «on-the-job» im Betrieb mit den aktuellen Hilfsmitteln und neuen Technologien vertraut gemacht. «In Berufsfachschulen und in den überbetrieblichen Kursen wird teilweise massgeblich mit Tablets gearbeitet», erklärt Wirth.

«Eine Berufslehre allein reicht seit langem nicht mehr aus.»

Nicht nur, aber auch im Zusammenhang mit der digitalen Transformation hat zudem die Weiterbildung im kaufmännischen Bereich einen sehr hohen Stellenwert. Dazu Wirth: «Eine Berufslehre allein reicht seit langem nicht mehr aus.» Breitgefächerte Weiterbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten, interne wie externe, stellten sicher, dass Kaufleute hohe berufliche Qualifikation und Flexibilität verkörpern – also zentrale Erfolgsfaktoren auf dem Arbeitsmarkt. Als Folge der Digitalisierung würden Bildungsgrundlagen wie Lernmedien, Unterrichtsunterlagen etc. noch häufiger angepasst und aktualisiert. «Die SKKB plant auf 2017 adäquate Optimierungen und wird künftige Berufsprofile grundlegend überprüfen», sagt Wirth. Zudem würden die Berufsfachschulen, üK-Organisationen und Betriebe wohl noch verstärkt gefordert sein, Medien- und Technologiekompetenzen, digitale Lerninstrumente, Lernmedien und Lerninhalte einzusetzen. Dies bedinge auch gewisse Investitionen. Auch für Hohl ist klar, dass die Berufsbildung aufgrund der neuen Technologien gefordert ist. «Die Verankerung von digitalen Kompetenzen muss auf allen Stufen erfolgen», hält er fest. Corinne Remund

BankbAnche

Banklehrlinge sind gut gerüstet

Die Digitalisierung stellt auch in der Bankbranche ein zentrales Thema dar: Stichworte sind da Fintech, Big Data, Blockchain-Entwicklungen etc. Dazu Matthias Wirth, Leiter Ausbildung von Swiss Banking: «Die Kundenberatung in standardisierbaren Bereichen des Finanzgeschäfts Zahlungsverkehr –einfache Kredit- und Anlagegeschäfte – dürfte künftig weitgehend durch moderne digitale Lösungen ersetzt werden.» Die Kunden seien heute und zunehmend bestens informiert, kennten Vergleichsprodukte anderer Finanzdienstleister und forderten hochkompetente Beratung und bestmögliche Lösungen zu günstigen Konditionen auch bei komplexeren Finanzdienstleistungen, so der Präsident der SKKAB. Die Mitarbeitenden hätten sich entsprechend verstärkt auf eine Begleitung und Betreuung der Kunden an all ihren Kontaktstellen zum Bank- und Finanzgeschäft und auf komplexere Fragestellungen zu fokussiert. «Die kaufmännische Lehre bei einer Bank vermittlt heute bereits ein breites Grundwissen zum gesamten Banking mit spezifischem Fokus auf eine Kundenberatungsfunktion und die damit verbundenen wichtigen Sozial- und Selbstkompetenzen», sagt Wirth und ergänzt: «In diesem Sinn verfügen wir im Hinblick auf die Digitalisierung bereits über die entsprechenden Ansatzpunkte und Gefässe in der Ausbildung, über die wir technologische, regulatorische und weitere praxisrelevante Entwicklungen laufend integrieren können.» CR