Publiziert am: 09.02.2018

Bloss nicht auf die Bremse treten

TAG DER GARAGISTEN – Im Kursaal Bern wagte die Autobranche den Blick in die Zukunft. Es steht ein tiefgreifender Wandel an. Ein grosser Trumpf soll weiterhin die Kundennähe bleiben, zudem gelte es, die politischen Rahmenbedingungen aktiv mitzugestalten.

Was Franziskus für die römisch-katholische Kirche ist, ist der Deutsche Ferdinand Dudenhöffer für die Autobranche: der Papst. Er wies die Schweizer Garagisten darauf hin, dass es noch viel Nachholbedarf gäbe, gerade in der Digitalisierung und dem Car-Sharing, welchem er grosses Potenzial attestiert. Man dürfe sich zudem nicht unnötig bremsen lassen. In Deutschland werde es mit allen Diskussionen wohl bis 2035 dauern, bis autonome Taxis die Regel sein würden. «Bis dahin fahren die Chinesen mit Autos auf den Mond.»

Daten und Geld

Die Rekordanzahl von 800 Teilnehmern begrüsste Urs Wernli, Zentralpräsident des Auto Gewerbe Verbandes Schweiz AGVS, am diesjährigen Tag der Garagisten. «Unsere Branche steht vor dem wahrscheinlich tiefgreifendsten Wandel ihrer Geschichte», sagte Wernli. Die Branchenvertreter sind noch unsicher, in welche Richtung es in Zukunft geht.

Ein grosses Thema war der Austausch zwischen den Autokonzernen und Garagisten. Dabei geht es um Daten, Interessen und viel Geld. Die Hersteller beschränken den Datenzugriff, um Markenwerkstätten zu bevorteilen. «Aus unserer Sicht behindert das den freien Wettbewerb», stellte Wernli klar. Gleichzeitig verändert sich der Arbeitsalltag mit der zunehmenden Digitalisierung. Wartungen können teils per Update durchgeführt werden. Die Garagisten müssen sich anpassen. Und obwohl sich die gängigen Vertriebsmodelle gerade im Neuwagenhandel kaum mehr finanzieren lassen, fordern die Hersteller nach wie vor teure, optisch hochwertige Ausstellungsräume. All dies solle man nicht einfach hinnehmen. Autopapst Dudenhöffer forderte die Garagisten deshalb auf, hartnäckig zu sein: «Stellen Sie bohrende Fragen. Lassen Sie nicht locker.» Er machte aber auch Mut: «Sie schaffen das!»

Flexibilität und Kundenkontakt

Es gibt Unternehmer, die den Herausforderungen innovativ begegnen. Zum Beispiel Luzi Thomann, Inhaber der Thomann Nutzfahrzeuge AG. 1995 gegründet, hat sein Familienunternehmen einen rasanten Aufstieg hingelegt. Sein Unternehmen kennt 40 verschiedene flexible Arbeitszeiten. «Die Zeiten, in denen man von 7 bis 17 Uhr arbeitet, sind vorbei.» Es sei logischerweise viel effizienter, wenn man die Infrastruktur an 16 statt nur an 8 Stunden nützen könne. «Beim 24-Stunden-Betrieb steht uns das Gesetz noch im Weg, aber wir arbeiten darauf hin.»

«Stellen Sie bohrende Fragen. Lassen Sie nicht locker. Sie schaffen das!»

Auch Urs Wernli zeigte sich bereit, für die Autobranche zu kämpfen. «Die Spiesse für öffentlichen und privaten Verkehr sind noch lange nicht gleich lang.»

Um die Kurve auch in Zukunft zu kriegen, hat Wernli noch ein Ass im Ärmel. Die «Trumpfkarte des Automobilisten» sei auch in Zukunft der direkte und persönliche Kontakt zum Kunden.Adrian Uhlmann