Publiziert am: Freitag, 4. April 2014

«Das falsche Mittel gegen die Armut»

PODIUMSDISKUSSION ZUM MINDESTLOHN – Ein staatlich festgelegter Mindestlohn findet in bäuerlichen Kreisen keine Zustimmung. Dies zeigte sich an der Abstimmungsveranstaltung bei der Champignons AG im luzernischen Wauwil.

Die Initiative «für den Schutz fairer Löhne», über welche die Schweizer Bevölkerung am 18. Mai abstimmt, wirft jetzt schon hohe Wellen. Das zeigte sich an einer öffentlichen Veranstaltung bei der Wauwiler Champignons AG in Wauwil, zu der das Luzerner Komitee «Nein zur Mindestlohn-Initiative» gemeinsam mit dem Gewerbeverband des Kantons Luzern, der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz sowie dem Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband eingeladen hatte. Gastgeber Roland Vonarburg, CEO und Inhaber der Wauwiler Champignons AG und Zentralpräsident Gewerbeverband Kanton Luzern, freute sich über rund 300 Interessierte. Im Zentrum der Veranstaltung stand das Referat von Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Für den Wirtschaftsminister ist ein staatlich festgelegter Mindestlohn, der doppelt so hoch ist wie der Mindestlohn in Frankreich oder Deutschland, das falsche Mittel, um Armut zu bekämpfen. «Warum haben wir weltweit das vierthöchste Bruttoinlandprodukt, die engste Lohnbandbreite und mit drei Prozent eine der niedrigsten Arbeits-losenquoten?», fragte Schneider-Ammann in die Runde – und gab die Antwort gleich selber: «Weil wir erstens ein freiheitliches, flexibles Wirtschaftssystem haben, zweitens eine marktnahe, funktionierende Sozialpartnerschaft und drittens – mit dem dualen Berufsbildungssystem – ein wunderbares Mittel zur Rekrutierung von geeignetem Berufsnachwuchs. All das würden wir mit der Annahme der Initiative aufs Spiel setzen», so Schneider-Ammann.

Angeregte Podiumsdiskussion

Einen schweren Stand bei der Podiumsdiskussion hatten die ­Befürworter der Initiative Giorgio Pardini, Präsident des Luzerner Gewerkschaftsbundes, sowie der grüne Nationalrat Louis Schelbert. Sie kreuzten mit Jakob Lütolf, Präsident Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband, sowie Ruedi Stöckli, Präsident GastroLuzern, die Klingen. Von einer Erhöhung des Mindestlohns auf 22 Franken pro Stunde würden lediglich 330 000 Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigte in der Schweiz profitieren. Deswegen würde die erfolgreiche Schweizer Wirtschaft kaum kollabieren. Die Vorlage würde genau jene Tieflohn-Arbeitsplätze gefährden, welche die Initiative eigentlich schützen möchte, argumentierten die Gegner der Vorlage: «Im Detailhandel, im Gastgewerbe und in der Landwirtschaft müssen wir mit einer verminderten Konkurrenzfähigkeit, mit Stellenabbau und mit Abwanderungen rechnen.» Corinne Remund