Publiziert am: 19.02.2021

Der Lockdown ist gescheitert

CORONABLUES – Die Strategie, Lockdowns zu verordnen, bis sich das Virus verzogen hat und die Epidemie beendet ist, führt wirtschaftlich in die Katastrophe. Zahlreiche Reaktionen zeigen, dass der Gewerbeverband mit dieser Ansicht auf breite Unterstützung stösst.

Die Lage vieler KMU, die von den Behörden seit Wochen und Monaten an ihrer Arbeit gehindert werden, präsentiert sich von Tag zu Tag dramatischer. Unzählige verzweifelte Hilferufe erreichen den Schweizerischen Gewerbeverband sgv, die kantonalen und die Branchenverbände (vgl. sgz vom 5. Februar). Für den sgv ist deshalb klar: Die Strategie, Lockdowns einzuleiten, bis die Epidemie beendet wird, ist gescheitert. «Die Lage ist düster, und die KMU benötigen dringend eine Perspektive», bringt sgv-Direktor Hans-Ulrich Bigler die Lage auf den Punkt. Jeder Tag länger im Lockdown verursache immense Kosten und Leid. Die Schweizer Wirtschaft und die Schweiz als Ganzes bräuchten nun endlich eine Zukunftsperspektive. Grundlage ist die Rückkehr zu einer evidenzbasierten Politik mit dem Ziel der Wiedereröffnung der Wirtschaft und Gesellschaft unter Einhaltung der Schutzkonzepte ab dem 1. März, wie der sgv anlässlich einer Online-Medienkonferenz klargestellt hat.

Gezielter Schutz und Schutzkonzepte statt plumpe Schliessungen

sgv-Präsident und Nationalrat Fabio Regazzi, selber Unternehmer, sagte gegenüber den Medien, dass mit der Öffnung ab dem 1. März die Wirtschaft wieder funktionieren und die grossen Schäden des Lockdowns zumindest eingedämmt werden könnten.

«Es ist wirklich ermüdend, an allen Fronten kämpfen zu müssen – kommerziell, administrativ, gesundheitlich. Höchste Zeit, dass das aufhört.»

Mit der Logik des gezielten Schutzes und den damit verbundenen Massnahmen – Impfungen, Testungen und Contact Tracing – könne die Wirtschaftsfreiheit wieder gewährleistet werden, und der gesellschaftliche Austausch könne sich wieder schrittweise normalisieren.

Die Wirtschaft verfüge über Schutzkonzepte inklusive der nötigen Hygiene- und Distanzmassnahmen. «Diese Konzepte werden flächendeckend eingesetzt und haben sich bewährt, wie die Zahlen des BAG zu den Ansteckungsorten beweisen», sagte Regazzi.

Flankierende Massnahmen

Für Werner Scherrer, Unternehmer und Präsident des KMU- und Gewerbeverbands Zürich (vgl. auch Kasten), ist ein weiteres Zuwarten schlicht keine Option. Er forderte deshalb flankierende Massnahmen, damit KMU geordnet wieder öffnen könnten und gleichzeitig das Ansteckungsrisiko minimiert werde. So solle zum Beispiel für Restaurants ein Terrassen- und Outdoorbetrieb wieder möglich sein. Im Detailhandel könnten Unternehmen und Kundschaft von einer möglichst grosszügigen Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten profitieren. Auch seien neue Verkaufsformen denkbar, wie zum Beispiel ein ­«Privat-Shopping».

Grosse Unterstützung

Auf welch breite Zustimmung die Forderung des sgv nach einem raschen Ausstieg aus dem Lockdown in KMU-affinen Kreisen stösst, zeigt eine kleine Auswahl aus den unzähligen Reaktionen, die der Verband durch seine Offensive ausgelöst hat. «Ihre heutige Medienkonferenz bringt alles auf den Punkt», schreibt ein bekannter Ökonom*. «Kompliment. Wirklich sensationell! Man sollte Bundesrat Alain Berset das Dossier so schnell wie möglich entziehen. Er hat auf allen Fronten komplett versagt. Bitte jetzt den Druck aufrechterhalten, es ist wichtig für unsere Volkswirtschaft.»

M. F. aus Wilen schreibt: «Danke für die klare Position! Ich schliesse mich voll Ihren Forderungen an. Man muss Bundesrat Berset endlich einen Riegel vorschieben.»

«Um klar benennbare Gruppen zu schützen, wird die gesamte wirtschaftliche Infrastruktur der Schweiz ruiniert.»

«Berset wird leider durchweg unterschätzt», so S. G. aus dem bernischen Schönbühl, ein weiterer ­Beobachter. «Sein Vorgehen hat nämlich System. Ich habe ihn über Monate hinweg akribisch beobachtet. Berset legt eine klar strukturierte, geplante Vorgehensweise an den Tag. Er baut seit Monaten stets neue Angstkulissen auf, schlägt unverhältnismässig hohe Massnahmen vor und blendet damit den Gesamtbundesrat. Eine für mich klar erkennbare, durchdachte und gut funktionierende Ablauffolge.

Für mich steht fest, dass für Berset der jetzige ‹Teil-Shutdown› in Absprache mit Europa stets das Ziel gewesen sein dürfte und nie und nimmer die Rettung des gebeutelten Gewerbes und der Gastrobranche.»

In die gleiche Kerbe schlägt R. S. aus Luzern: «Ich finde, der Bundesrat lässt sich vor allem von der Taskforce und von EU-Ländern leiten. Er hat keine Schweizer Strategie entwickelt. Er treibt die Gastronomie und die KMU in den Ruin.»

R. N. schreibt: «Es reicht. Wie lange soll man sich das Chaos des BAG und den Dilettantismus von Berset noch gefallen lassen? Bitte dranbleiben. Die Linke macht das Gewerbe kaputt.»

«Gebt uns Chance, zu überleben»

T. B. schreibt: «Danke für die klaren Worte und Forderungen des Gewerbeverbandes zur momentanen Situation. Wir hoffen – wie wohl so viele Tausende Selbstständige – ebenfalls auf eine Öffnung per März. So hätten wir eine Chance, zu überleben. Ich brauche nicht zu wiederholen, dass es wohl vielen anderen gleich geht: keine Kurzarbeitszeitentschädigungen für Januar, weil das Formular nicht am 14. Januar eingereicht wurde, sondern erst in der Woche danach – das Erwirtschaften von Umsatz als erste Priorität schien uns sinnvoll... Formularkrieg beim Ausfüllen des Härtefall-Antrages, und wohl doch keine Chance darauf, weil wir unser Einzelhandelsunternehmen im Juli 2020 in eine GmbH umstrukturiert haben. Und wenn, reichen 20 Prozent des Umsatzes niemals, um alle Forderungen der kommenden Monate zu decken.

Wir schätzen das starke Engagement des Schweizerischen Gewerbeverbandes für uns Kleinunternehmen auf nationaler Ebene. Leider fühlen wir uns vom lokalen Gewerbeverband sehr im Stich gelassen.»

«Eine Schande, was hier entschieden wird»

Und schliesslich schreibt H. L.: «Als direkt Betroffener mit einem Dekorationsshop bin ich schockiert über die leichtfertige Entscheidung der Politik, Läden nach dem Willkürprinzip zu schliessen. Ab 18. Januar bis Ende Februar mache ich aufgrund des Entscheides des Bundesrates keinen einzigen Franken Umsatz. Die Miete von fast 3000 Franken pro Monat habe ich natürlich dennoch zu tragen, und ebenso die Lohnkosten, die nicht durch Kurzarbeit gedeckt sind. Lohnnebenkosten ebenso. Die Entscheidung des Bundesrates macht es mir unmöglich, meine Mitarbeiter weiter zu beschäftigen, und ein Konkurs ist nicht mehr abzuwenden – zumal ich aus den Medien vernehme, dass auch im März keine Öffnung in Aussicht steht.

«Man sollte Bundesrat Alain Berset das Dossier so schnellwie möglich entziehen.»

Schon der erste Lockdown hat uns grosse Kosten verursacht, zumal in den Medien die Horrormeldungen nicht aufhörten und der Umsatz einbrach. Es ist eine Schande, was hier entschieden wird. Um klar benennbare Gruppen zu schützen, wird die gesamte wirtschaftliche Infrastruktur der Schweiz ruiniert. Allein schon mein Fall zeigt, dass hier Existenzen zerstört werden und viele bei den RAV nach Arbeit suchen werden, die nicht vorhanden sein wird.»

An allen Fronten kämpfen

Nicht zuletzt die Berichterstattung in dieser Zeitung führt zu positiven Reaktionen. So schreibt V. G. aus der Romandie: «Vielen, vielen Dank für den Artikel in der Gewerbezeitung über die Covid-Massnahmen des Bundes, der genau wiedergibt, wie wir die aktuelle Situation wahrnehmen. Es ist in der Tat höchste Zeit, dass dies aufhört, denn selbst wenn es unserem kleinen Unternehmen heutzutage gut geht, wird es wirklich ermüdend, an allen Fronten kämpfen zu müssen – kommerziell, administrativ, gesundheitlich.»

En

*alle Namen der Redaktion bekannt

www.sgv-usam.ch

EIGENINITIATIVE: So läufts im KAnton ZürichAdlaten helfen weiter

Hilfe im Chaos

Die Corona-Krise stellt viele KMU vor noch nie dagewesene Herausforderungen. Starke Umsatzeinbussen, temporäre Betriebsschliessungen, ständiges Anpassen der Betriebskonzepte an die behördlichen Massnahmen, komplexe Gesuche für Härtefall-Gelder, fehlende Perspektiven – die Belastungen für ­manche Unternehmerinnen und Unternehmer sind schier unerträglich.

Auch wenn mancherorts die Frustration überhandnimmt: Inmitten des Chaos findet sich auch Erfreuliches. Wie schon im ersten Lockdown im Frühling 2020 blühen in KMU-Kreisen auch jetzt wieder Kreativität und Eigeninitiative. So haben zum Beispiel Werner Scherrer (vgl. Haupttext) und Thomas Hess, Präsident und Geschäftsleiter des KMU- und Gewerbeverbands des Kantons ­Zürich, zusammen mit adlatus Zürich + Agglomeration ein attraktives Hilfsangebot aufgestellt für KMU, die mit der aktuellen Situation kaum mehr zurechtkommen.

Adlaten helfen weiter

Mehr als 50 ehemalige, pensionierte bzw. frühpensionierte Führungskräfte und Spezialisten aus den verschiedensten Branchen stehen Rat oder Unterstützung suchenden KMU mit ihrer Erfahrung, ihrem Beziehungsnetz und ihrem Know-how zur Verfügung. Die Adlaten bieten Hilfestellung und Problemlösungen für KMU in zahlreichen unternehmerischen Aufgabenbereichen wie Führung, Finanzen, Wirtschaftsrecht, Firmengründungen und -verkäufe, Steuern, Personelles, Nachfolgeregelungen, Coaching, Second Opinion und Einsatz als Sparring Partners.

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www.kgv.ch

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