Publiziert am: Freitag, 11. August 2017

…eine Absage
mit Ansage!

Die Meinung

Anfang Juli teilte die Stiftung SwissSkills wortreich mit, dass sie auf eine Kandidatur für die Berufs-Weltmeisterschaften im Jahr 2021 in Basel verzichte. Die Medienmitteilung fand im Schweizer Blätterwald kaum Beachtung. Dass es allerdings überhaupt dazu kam, erstaunt kaum. Es war eine Absage mit Ansage. Doch davon später.

Laut Medienmitteilung hatten die Stiftung SwissSkills, der Bund – genauer das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI – und der Kanton Basel-Stadt entschieden, «für die Durchführung der Berufsweltmeisterschaften 2021 (WorldSkills) in Basel zu kandidieren». Ruhm und Prestige für deren Akteure zeichneten sich am fernen Horizont ab, das wollte man natürlich nicht ungenutzt an sich vorbeiziehen lassen. Im Hintergrund wedelte zudem bereits eine Grossbank als Sponsor grosszügig mit dem Checkbuch – offenbar um über die Berufslehre ihr teilweise ramponiertes Image aufzupolieren.

Hinter verschlossenen Türen wurde also eifrig gearbeitet. Nur eines fiel auf: die Verbundpartnerschaft, die ansonsten bei jeder Gelegenheit gelobt wird, war in diesen Arbeiten kein Thema. Im Gegenteil: Die Wirtschaft mit ihren Lehrbetrieben blieb in all diesen Aktivitäten aussen vor. Sie wurde auch nicht benötigt, schliesslich wollte man das Totalbudget von 80 Millionen Franken mit 30 Millionen Bundesgeldern und 10 Millionen aus Basel-Stadt finanzieren.

Nun, es kam, wie es kommen musste: Noch bevor ein Projekt präsentationsfertig vorlag, hat der Bundesrat bereits abgewinkt. Mit schwülstig formulierten Hinweisen auf die «sorgfältige Güterabwägung» und die «derzeit angespannte Finanzlage des Bundes» sei die Kandidatur «nicht realistisch» und man sei «gemeinsam zum Schluss gekommen, auf eine Kandidatur zu verzichten», teilte SwissSkills in der Folge mit.

Eine Absage mit Ansage, wurde es doch – aus Eigennutz? – verpasst, innerhalb der Verbundpartnerschaft eine breit abgestützte, überzeugende Kandidatur für die Berufs-Weltmeisterschaften in Basel aufzubauen. Eine solche hätte sich für die Berufslehre zu einem ungeahnten Katalysator entwickeln können. Mehr jedenfalls als Bundesratsbesuche im Ausland, die vor allem der Imagepflege dienen.

Schade angesichts dieses dilettantischen Vorgehens. Aber die Berufslehre hängt glücklicherweise nicht von einer Kandidatur der Schweiz für die Durchführung von Berufs-Weltmeisterschaften ab. Noch immer sind es die jungen Berufsleute selbst, die mit ihren überzeugenden Leistungen an Welt- und Europameisterschaften Medaillen erringen. Diese Auszeichnungen – und die täglichen Anstrengungen von abertausenden von Berufsbildnerinnen und Berufsbildnern in den Unternehmen im ganzen Land – formen das Image der Berufslehre.

Die Lehre daraus? Es ist mit Nachdruck zu wünschen, dass der Grundsatz der «Verbundpartnerschaft» namentlich vom SBFI, aber auch den Kantonen wieder vermehrt respektiert wird. Nicht umsonst formuliert das Berufsbildungsgesetz bereits im ersten Artikel dieses Prinzip: Partnerschaft statt Bundesdiktat. Konkret bedeutet dies eine Partnerschaft auf Augenhöhe, mit gegenseitigem Respekt aller Akteure und einer gleichwertigen Verteilung von Pflichten und Verantwortung. Nur so kann das Erfolgsmodell der Dualen Berufslehre – insbesondere auch mit Blick auf die Erarbeitung einer Bildungsstrategie 2030 durch die Verbundpartner – erfolgreich in die Zukunft fortgeschrieben werden.