Publiziert am: Freitag, 7. Oktober 2016

Eine schier unendliche Geschichte

BFI-BOTSCHAFT – Die Höhere Berufsbildung wird mit zusätzlich 365 Millionen Franken gestärkt, ohne dass die berufliche Grund­bildung abgestraft wird. Dies das Resultat jahrelanger Überzeugungsarbeit durch den Schweizerischen Gewerbeverband sgv.

Seit einer gefühlten Ewigkeit kämpft der Schweizerische Gewerbeverband sgv unermüdlich um die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung: Bereits anlässlich des Gewerbekongresses von 1994 wurde dieses wichtige Anliegen propagiert. Erste Früchte trugen die Bemühungen des sgv mit dem 2001 vom Parlament verabschiedeten Berufsbildungsgesetz (BBG), das die Höhere Berufs­bildung HBB neu positionierte. Damals wie heute umfasst die Höhere Berufs­bildung die Berufs- und ­Höheren Fachprüfungen sowie die Höheren Fachschulen.

 

Der sgv fordert 
500 Millionen Franken

Mit der Revision des BBG sollte die Finanzierung der Beruflichen Grundbildung und der Höheren Berufsbildung auf eine neue Basis gestellt werden. Vorgesehen war keine direkte Finanzierung durch den Bund, sondern eine indirekte Finanzierung via Kantone mittels Pauschalen. «Wir strebten stets eine einfache und transparente, aber gemeinsame Finanzierung für alle Wege in der ­Höheren Berufsbildung an», betont Christine Davatz, sgv-Vizedirektorin und Bildungsverantwortliche. 2008 führte der Bund die Pauschalfinanzierung ein, ohne auf die Warnungen des sgv zu hören. «Wir erarbeiteten deshalb 2008/2009 ebenfalls ein Modell für die Finanzierung der Vorbereitungskurse aus, das von der Gewerbekammer 2009 gutgeheissen wurde.» Das Hauptanliegen des sgv: in der BFI-Botschaft den Bundesbeschluss über die Subventionierung der Höheren Berufsbildung um 
500 Millionen Franken zu erhöhen.

Erster Erfolg für den sgv

In der Zwischenbotschaft BFI 2012 konnte der sgv einen Erfolg verbuchen und zusammen mit den Gewerkschaften und gegen den Bundesrat und andere Arbeitgeberverbände 
100 Millionen Franken zugunsten der Berufsbildung herausholen. Mit der Gründung des neuen Staatssekretariates für Bildung, Forschung und Innovation SBFI und der Unterstützung von dessen stv. Direktor Josef Widmer wurde in Sachen Stärkung der HBB und insbesondere der Finan­zie­rung der Vorbereitungskurse ein neues Kapitel geschrieben. «Wir arbeiteten auch hier wieder aktiv mit, mussten dann aber feststellen, dass sich Bund, Kantone und Schweizerischer Arbeitgeberverband auf die Subjektfinanzierung eingeschossen hatten», so Davatz. Der sgv forderte darauf im Mai 2015 – in einem gemeinsamen Brief mit Gewerkschaftsvertretern – vom Bundesrat eine echte Stärkung der HBB. Der sgv beharrte auch bei der Vorbereitung auf die BFI-Botschaft 2017–2020 auf den 400 Millionen Franken für die HBB.

Hocherfreut über den Sieg

Am Hearing in der WBK-N zeigte der sgv 2015 unmissverständlich auf, dass die 283 Millionen, die der Bund bei der Bildung einsparen wollte, den Kantonen zugesprochen werden müssten, damit die berufliche Grundbildung, die vor allem in den Kantonen umgesetzt wird, nicht gefährdet wird. Im Nationalrat hatte diese Forderung jedoch keine Chance. So blieben am Schluss für die Berufsbildung noch zusätzliche Mittel von 100 Million Franken, welche der Ständerat unterstützte, und dem auch der Nationalrat in der zu Ende gegangenen Herbstsession folgte.

Hocherfreut über diesen «Sieg des sgv» ist sgv-Direktor und Nationalrat Hans-Ulrich Bigler: «Für den Schweizerischen Gewerbeverband ist der BFI-Erfolg ein Meilenstein!» Der Gewerbeverband habe in all den Jahren in Sachen BFI eine absolut zentrale Rolle gespielt. «Der sgv war es, der bereits im Jahr 2009 die Thematik in einer breiten Öffentlichkeit lanciert und insgesamt 500 Millionen Franken für die Stärkung der Höheren Berufsbildung gefordert hat. Damals wurden wir von allen für «verrückt» erklärt und vom damaligen BBT scharf attackiert. In der BFI-Zwischenbotschaft für das Jahr 2012 erreichten wir – gegen alle Widerstände – eine erste Tranche von 100 Millionen zusätzlich für die Berufsbildung. In der Botschaft 2013–2016 dann standen wir wiederum alleine da, weil auch die Verwaltung gegen uns spielte. Dies bis 2013, als das neue SBFI die Stärkung der Höheren Berufsbildung ebenfalls zum Thema machte und unserer Forderung folgte, dass man die Höhere Berufsbildung endlich separat ausweisen und auch finanziell unterstützen sollte. So kamen die 
365 Millionen Franken im Bundesbeschluss 1 für die Berufsbildung zustande. Da der Bundesrat aber die Finanzierung der Höheren Berufsbildung zulasten der beruflichen Grundbildung stärken wollte, haben wir uns im Ständerat nochmals für eine Erhöhung der Beiträge in der Berufsbildung eingesetzt.»

CR

 

Der harte KAMPF DES SGV hat sich gelohnt

Steiniger Weg ist endlich von Erfolg gekrönt

 1994: Gewerbekongress mit Bildungsbericht und Resolution zur 
Stärkung der Berufsbildung.

 1999–2002: Reform Berufsbildungsgesetz, sgv in der Expertenkommission.

 Bis 2006: erster Versuch des 
sgv für neues Finanzierungsmodell HBB.

 2006: dank sgv Gleichwertigkeit in der Bundesverfassung verankert.

 bis 2009: 2. Versuch Finan­zierungsmodell HBB, sgv fordert 
500 Mio. Franken für die HBB.

 2012: BFI-Botschaft 100 Mio. Franken für die Berufsbildung dank sgv.

 2013: SBFI setzt Arbeitsgruppe zur Stärkung der HBB ein.

 2015: sgv unterstützt Motion 
Aebischer zur besseren Finanzierung der gesamten Bildung; Nationalrat dafür, Ständerat dagegen.

 2015: gegen Willen des sgv will SBFI Subjektfinanzierung der Vorbereitungskurse auf Berufs- und Höhere Fachprüfungen.

 2016: 365 Mio. Franken für HBB und 100 Mio. Franken für Berufsbildung in der BFI- Botschaft 2017–2020.

 Ende 2016: Die Subjektfinanzierung wird erst in der Wintersession 2016 definitiv verabschiedet – hoffentlich mit jährlicher Rückzahlung.

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