Publiziert am: 07.02.2020

«Einer muss der Treiber sein»

HUMAN FACTOR – Ohne Technik keine Digitalisierung. Es braucht Hardware und Software – und das ist mit Investitionen verbunden. Aber der entscheidende Faktor in der Digitalisierung ist der Mensch, denn es sind auch Menschen, die von der Digitalisierung profitieren.

Im November 2019 führte der Schweizerische Gewerbeverband sgv einen Workshop zum Thema Digitalisierung durch (vgl. auch Seite 7). Eine Unternehmerin, die daran teilnahm, stellte fest: «Das Problem ist, dass wird Menschen den Nutzen der Digitalisierung nicht einschätzen können.» Ein anderer Unternehmer bestätigte diese Aussage: «Der Nutzen fällt erst in der Zukunft an, die Ausgaben und die Mühe sind sofort da.» Beide Äusserungen – sie bildeten den Konsens des Workshops – sagen etwas sehr Wichtiges aus: Es geht um den Menschen – gerade auch bei der Digitalisierung.

Die Mühe mit dem Nutzen

Die Mühen der Menschen mit der Digitalisierung ist eine Erklärung für vieles: «Digitalisierung bedeutet zunächst, dass man eingewöhnte Arbeitsabläufe verändern muss. Das bereitet viel mehr Mühe, als etwas Neues zu lernen», lautete die Folgerung einer anderen Workshop-Teilnehmerin. Das heisst im Klartext, man müsse sich an maschinengesteuerte Prozesse halten. Man kann nicht «schnell, schnell» eine Zahl in eine Excel-Tabelle eintragen oder ­eine Notiz in Word machen. Man muss sich an konkrete Vorgaben halten – immer.

Hier zeigt sich auch gleich die Krux des Ganzen: Auch wenn man weiss, dass es gut wäre, wenn man sich an die Vorgaben halten würde, ist es im Einzelfall doch einfacher und schneller, die Dinge nicht korrekt zu tun. Das ist nicht nur für die Digitalisierung eine Herausforderung, sondern für das ganze Prozessmanagement. Digitalisierung basiert nämlich auf klar definierten Abläufen, also auf Prozessen.

Möglichst nahe am Menschen

Wie kann man dem begegnen? Einerseits sollten alle Umgehungen des festgelegten Prozesses technologisch unmöglich gemacht werden. Andererseits soll der Prozess möglichst nahe das abbilden, was die Leute ohnehin schon tun. Im Idealfall bilden die Prozesse eingewöhnte Arbeitsabläufe wieder. Das wiederum stellt hohe Anforderungen an den Betrieb, der sich digitalisieren will. Es ist zwingend, genügend Zeit und Sorgfalt in die Planung zu investieren.

Bildung und Führung

Die Teilnehmenden am Workshop haben zwar die Bildung als weiteren Einflussfaktor identifiziert. Doch sie sind zuversichtlich. Das «learning by doing» gehört ohnehin schon in den unternehmerischen Alltag. Firmen müssen immer wieder Neues in ihre Prozesse und Geschäftsmodelle aufnehmen. Die meisten Mitarbeitenden sind auch bereit und in der Lage, sich mit dem Neuen auseinanderzusetzen.

Wer aber Digitalisierung nicht nur mitmachen will, sondern sie mitgestalten will, braucht die notwendigen Fähigkeiten. Wenn eine Firma also zur Spitze gehören will, muss sie Leute anstellen, welche «Digitalisierung» können – und das sowohl technisch als auch in der Führung einsetzen. Generell herrscht aber die Meinung, die Schule, auch die Berufsschule, müssen mehr in Sachen Digitalisierung tun.

Die Idee dabei ist: Junge Mitarbeitende sollen ihr Digitalisierungswissen von der Schule direkt in den Betrieb übertragen können. Auch eine gewisse Begeisterung der Jungen soll die bestehenden Mitarbeitenden motivieren, digitaler zu werden.

Überhaupt, wie ein Teilnehmer es formuliert hat: «In jedem Betrieb muss es einen geben, der Digitalisierung vorantreibt. Wenn sie nicht personalisiert wird, findet sie nicht statt.» Es geht schliesslich um den Menschen.

Henrique Schneider,

Stv. Direktor sgv

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