Publiziert am: Freitag, 22. Januar 2016

«Geht der Tunnel zu, gehen bei uns die Lichter aus»

GOTTHARD-SANIERUNGSTUNNEL – Die Wirtschaft fordert eine sinnvolle Investition in eine zweite Röhre. Nur so kann eine ­funktionierende Nord-Süd-Achse während der Sanierung des Gotthards auf Strasse und Schiene aufrechterhalten werden.

Für die Schweizer Wirtschaft ist klar: Sie braucht eine sichere und verlässliche Verkehrsinfrastruktur auf der Schiene und auf der Strasse. Dies gilt für die ganz Schweiz und damit auch die wichtige Nord-Süd-Achse durch den Gotthard-Strassentunnel. Für die Schweizer Wirtschaft ist deshalb die einzige funktionierende Lösung für die Sanierung des Gotthard-Strassentunnels der Bau einer zweiten Röhre, wie dies Bundesrat und Parlament beschlossen haben. «Der Bau einer zweiten Röhre ist günstiger als die von den Tunnelgegnern geforderten Alternativen. Mittlerweile wird von den Gegnern der Bau von bis zu acht provisorischen Verladeanlagen gefordert, um den ganzen Verkehr während der Sanierung auf die Bahn zu verladen», stellt Hans-Ulrich Bigler, Zürcher FDP-Nationalrat und sgv-Direktor, fest. «Die Schweizer Wirtschaft ist nicht bereit, mit ungenügenden Verladeprovisorien Steuergelder in Milliardenhöhe zu verschleudern, nur um diese nach der Sanierung ohne Mehrwert wieder abreissen zu müssen», so Bigler weiter.

Auch die Westschweizer Wirtschaft setzt sich für eine zweite Röhre ein, weil der Bau eine Frage der eidgenössischen Solidarität im Interesse aller ist, weil dieses Projekt das beste Nutzen-Kosten-Verhältnis aufweist und weil die Strassenprojekte in der Romandie durch die zweite Röhre nicht gefährdet sind. «Ich stelle fest, dass die Westschweizer Strassenprojekte nicht durch den Bau einer zweiten Röhre am Gotthard gefährdet sind, sondern vielmehr durch die Westschweizer Grünen, die beharrlich jedes Strassenprojekt bekämpfen», unterstreicht Christophe Reymond, Directeur général vom Centre Patronal.

Abkoppelung für Tourismus 
desaströs

Die Auswirkungen einer Schliessung des Gotthard-Strassentunnels für den Schweizer Tourismus schilderte Casimir Platzer, Präsident GastroSuisse. Für den Tourismus und die Gastronomie sei der Schweizer Gast unerlässlich. Gerade aufgrund der Problematik mit dem starken Franken wirkten Schweizer Gäste häufig stabilisierend, kompensierten wegbrechende Märkte und erhielten so sogar Arbeitsplätze. «Eine sehr wichtige Tourismusgegend unseres Landes ist das Tessin. 76 Prozent der Logiernächte gehen auf das Konto von Schweizer und deutschen Gästen», so der Hotelier in Kandersteg. Und er warnt: «Unsere Branche steht vor zu grossen Herausforderungen, als dass wir uns auf Bastelversuche mit Verladeprovisorien einlassen könnten, deren Mängel jetzt schon offensichtlich sind.» Der Schweizer Tourismus sei auf eine zweite Röhre angewiesen.

Wirtschaftlich am direktesten betroffen von einer mehrjährigen Schlies­sung des Gotthard-Strassentunnels wäre das Tessin. «Geht der Tunnel zu, gehen bei uns im Tessin an vielen Orten die Lichter aus», warnt Glauco Martinetti, Präsident der Tessiner Handelskammer. Alleine im Tessin gehen gemäss einer Studie des SECO bis zu 630 Arbeitsplätze verloren. Am gravierendsten sei der Verlust an Standort­attraktivität fürs Tessin: «Wer investiert schon in eine Wirtschaftsregion, die für Jahre zu einer Sackgasse wird. Kein Tunnel bedeutet für grosse Teile unseres Kantons Stillstand», so Martinetti. Für viele Menschen sei der Gotthard-Strassentunnel Arbeitsweg oder die Verbindung zu Geschäftspartnern. Ein geschlossener Gotthard sei für die Führung einer Firma ein unhaltbarer Zustand, «der uns in einer eh schon peripheren Region nochmals benachteiligt», sagt Martinetti.

«Kein Tunnel bedeutet für grosse Teile unseres Kantons Stillstand.»

Norditalien sei der drittwichtigste Handelspartner der Schweiz überhaupt, betont Fabio Regazzi, Tessiner CVP-Nationalrat und Präsident des Industrievereins Tessin. «Die Gesamthandelsbilanz über diese Grenze betrug 2014 mehr als 9 Milliarden Franken. Die Schweizer Unternehmen sind darauf angewiesen, dass die Strassen­ver­bindung nach Italien aufrechterhalten bleibt. Das geht nur mit dem Bau einer zweiten Röhre», so der Unternehmer. Für die Versorgungssicherheit der Schweiz und damit für alle Konsumentinnen und Konsumenten sei es entscheidend, dass die Verbindung auf Strasse und Schiene funktioniert. «Die grossen Detailhändler wie Coop, Migros, aber auch die KMU-Wirtschaft warnen ganz klar davor, die Strassenverbindung zu kappen», so Regazzi. CR

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