Publiziert am: 06.09.2019

Handeln statt bloss reden

NACHHALTIGKEIT – Auf freiwilliger Basis – und höchst erfolgreich – setzen sich Schweizer Unternehmen für den Klimaschutz ein. So die Schaffhauser Hutter Dynamics, ein Betrieb aus der oft gescholtenen Autobranche. Die Garage wurde vom BMW-Konzern für ihre Nachhaltigkeit ausgezeichnet.

Klimademonstrationen, «Klimanotstand» und Klimaziele – die Debatte über die Klimapolitik ist aktueller denn je. Mit der laufenden Revision des CO2-Gesetzes ist auch die Schweiz gefordert, ihren Beitrag zur Erreichung der Pariser Klimaziele zu leisten und ihre CO2-Emissionen weiter zu reduzieren.

Die Energieagentur der Wirtschaft (EnAW) unterstützt im Auftrag des Bundes die Wirtschaft seit 2001 darin, ihre Energieeffizienz zu steigern und ihren CO2-Ausstoss durch gezielte Massnahmen zu verringern (vgl. Seite 1). Das Anreizsystem aus Lenkungsabgabe und Zielvereinbarung fördert Innovation und eine kontinuierliche Prozessoptimierung bei kleinen und grossen Unter­nehmen.

Freiwillig und auf eigene Kosten

Doch nicht nur via die EnAW setzen sich Schweizer Unternehmen – auf freiwilliger Basis und auf eigene Kosten – für die Umwelt und den Klimaschutz ein. Als Beispiel dienen kann die Schaffhauser Firma Hutter Dynamics und ihr Inhaber und Geschäftsleiter, der ehemalige FDP-Nationalrat Markus Hutter. Sie stellt sich der Aufgabe, hat gehandelt – und durfte nun die Früchte ernten. Im März 2019 erhielt Hutter Dynamics nach eingehender Prüfung vom BMW-Konzern ein Zertifikat. Dieses bescheinigt dem im März 2015 eröffneten Betrieb den höchstmöglichen Goldstandard als besonders nachhaltiges Unternehmen – «eine europaweit seltene Auszeichnung», wie das Unternehmen mitteilt.

Das detaillierte Referenzsystem «Nachhaltigkeit» von BMW beinhaltet mehr als 80 Optionen, die in ­den Bereichen Gebäudetechnik und Prozesse von ausgewiesenen Spezialisten genau beurteilt wurden.

Grosser Einsatz für die Umwelt

Als «Green Building mit BMW-Goldlevel» wird dem Betrieb an der Solenbergstrasse in Schaffhausen eine hohe Energieeffizienz attestiert, die Umweltbelastungen wie den Verbrauch von Energie und Wasser reduziert. Dabei wird der Einsatz geeigneter Baumaterialien und Baumethoden über den gesamten Lebenszyklus genauso bewertet wie die Optimierung von Betriebsabläufen und sozialen Aspekten.

Zum Goldstandard haben vor allem folgende Massnahmen beigetragen:

1. Einsparung von 60 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr: Fotovoltaik-energiegewinnung auf dem Dach (über 525 Quadratmeter grosse Anlage mit 322 Modulen, die mehr als 85 000 kWh Energie pro Jahr erzeugt), womit 19 Haushalte mit Strom versorgt werden bzw. 4130 BMW i3 vollständig aufgeladen werden könnten.

2. Kompletter Verzicht auf fossile Brennstoffe: Luft-Wasser-Wärmepumpe; beheizte Räume im Untergeschoss sowie komplettes Erdgeschoss mit TABS (thermoaktive Bauteilsysteme), Obergeschoss mit Fussbodenheizung: sehr tiefe Systemtemperaturen und positiver Wirkungsgrad der Anlage.

3. Der sommerliche Wärmeschutz wird mit einer hochwertig gedämmten Fassadenkonstruktion mit grosszügigen Vordächern und äusserer Beschattung gewährleistet. Die Oberlichtkuppeln (insbesondere im Ausstellungsraum) können nachts geöffnet werden, damit die warme Luft entweichen kann und sich die Raumtemperatur bis am Morgen wieder senkt. Die Oberlichtkuppeln werden von einem Wind- und Regensensor gesteuert, sodass sie bei Regen, Wind und Gewitter automatisch schliessen.

«KONKRETE VERBESSERUNGEN BRINGEN DEM KLIMAMEHR ALS ALLEDEMONSTRATIONEN.»

4. Freistehendes, separates Entsorgungsgebäude (für Autoscheiben, Batterien, Kunststoff, Alteisen, Katalysatoren, Luft- und Pollenfilter; Ölfilter und Bremsscheiben) mit getrennter Entsorgung für PET, Alu und Flaschenglas sowie Elektroschrott. Altöl sowie gebrauchtes Kühlmittel werden direkt in Tanks in den Keller abgesaugt. Allgemeiner Abfall und Papier/Karton werden überall getrennt.

5. Biologische Wasseraufbereitung: Waschanlage: Sie ermöglicht eine Brauchwasser-Kreislaufführung für die Abwässer der maschinellen und manuellen Fahrzeugwäsche. Verschmutztes Abwasser aus dem Werkstattbereich wird ebenfalls zu Brauchwasser für die Fahrzeugwäsche aufbereitet und damit wiederverwendet.

6. Eine ganze Reihe energiesparender Einrichtungen im Alltag des modernen Garagenbetriebes.

«Was KMU heute schon alles tun»

«Über Klimaschutz wird heute viel geschrieben und gesprochen – und dies sehr oft in Verbindung mit Forderungen an andere», sagt der Unternehmen Markus Hutter. «Wir wollten mit gutem Beispiel vorangehen und haben gehandelt, statt bloss von Klimaschutz zu sprechen.» Die Leistung von Hutter Dynamics kommentiert auch der Zürcher FDP-Nationalrat und Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands, Hans-Ulrich Bigler, mit viel Respekt. «Auch das vorliegende Beispiel zeigt auf», so der Vizepräsident der Energieagentur, «was unsere KMU schon heute für den Klimaschutz leisten. Hier notabene von einem Unternehmen, das bei manchen schon allein deshalb als Klimasünder gilt, weil es in der ‹falschen› Branche tätig ist… Solch unspektakuläre, aber tatsächlich wirksame Beispiele von aktiv getätigtem Umwelt- und Klimaschutz sind wichtig, um die Diskussion rund um Lösungen in der Klimafrage endlich wieder auf eine sachbezogene und faktenbasierte Ebene zu bringen. Nachhaltige Verbesserungen in den Betriebsabläufen von KMU bringen dem Klima mehr als alle Demonstrationen – so laut sie in den Medien auch nachhallen mögen.»

pd/En

vgl. auch Seite 1

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