Publiziert am: 23.02.2018

KMU brauchen modernen Mobilfunk

OHNE MOBILFUNK GEHT NICHTS – Gesprächsabbrüche, langsame Internetverbindungen, nicht funktionierende Geschäftsanwendungen: Der Schweiz drohen wegen übertriebenem Umweltschutz Wettbewerbsnachteile. Stände- und Nationalrat sind gefordert.

Ob Logistik, Handel, Handwerk oder andere Branchen: Mobilfunk ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Für Unternehmen ist er Produktivitäts- und Innovationstreiber, für Konsumenten Kommunikations-, Organisations- und Unterhaltungsmittel.

Aus Gesundheitsvorsorge begrenzte die Schweiz vor rund 20 Jahren die Mobilfunkstrahlung (Anlagegrenzwert) zehnfach strenger, als von der Weltgesundheitsbehörde WHO empfohlen. Weil eine einzelne Antenne weniger strahlen darf, brauchte es hier umso mehr Antennen zum Auf- und Ausbau der Netze als z. B. in Deutschland oder Frankreich. Das verärgerte die Bevölkerung und machte die Schweizer Mobilfunk­netze bis doppelt so teuer im 
Vergleich zum Ausland.

Ausbau nicht mehr möglich

Die vorsorgliche Schweizer Strahlungsbegrenzung (Anlagegrenzwert) führt dazu, dass heute über 90 Prozent der Mobilfunkstandorte in Städten und dicht besiedelten Gebieten sowie über 66 Prozent der Standorte schweizweit nicht weiter ausgebaut werden können. Weder um den steigenden Datenverkehr abzuwickeln, noch um den bevorstehenden Technologieschritt – die fünfte Mobilfunkgeneration 5G – einzuführen. Ohne Korrektur des Anlagegrenzwertes müssten in den nächsten Jahren rund 15 000 neue Antennenstandorte gebaut werden – fast so viele, wie es heute schon gibt. Das ist schlicht nicht realisierbar. Deshalb werden sich in wenigen Jahren Engpässe ergeben, das ist sicher. Das Schweizer Netz wird langsamer – man erinnere sich an die Verlangsamung des iPhone durch Apple und die Reaktionen darauf…

5G als Lösung

Die fünfte Mobilfunkgeneration 5G ist deshalb entscheidend für die 
Digitalisierung und die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz. Die Einführung von 5G schafft ein positives Umfeld für die Wirtschaft mit hochwertiger Infrastruktur. 5G gestattet ganz neue, dezentrale Möglichkeiten zur Partizipation am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben. 5G ermöglicht Innovationen wie z. B. «Augmented Reality» zur Unterstützung von chirurgischen Eingriffen oder von Montagearbeiten, «Virtual Reality» für Therapien im Gesundheitswesen oder für Visualisierungen und Animationen im Hochbau, «Internet of Things» zur Steuerung von Fahrzeugen, Heizungen, Waschmaschinen… oder zur Verfolgung und Optimierung von Postsendungen, Fahrzeugflotten, öffentlichem Verkehr. 5G begünstigt aber insbesondere auch eine bessere Erschliessung der peripheren Regionen zum Wohl von regionalem Gewerbe und Tourismus. Die Interessensabwägung ist schnell gemacht: Soll die Schweiz die speziell strengen, wissenschaftlich nicht begründeten Schweizer Anlagegrenzwerte beibehalten und im Gegenzug den Anschluss bei der Digitalisierung verpassen? Oder sollen die Anlagegrenzwerte massvoll korrigiert werden?

Weichen richtig stellen

Die KMU-Wirtschaft braucht leistungsfähigen Mobilfunk. Der technische Fortschritt darf nicht verhindert werden. Einen Wettbewerbsnachteil können sich Schweizer KMU im internationalen Konkurrenzkampf nicht leisten.

Nachdem die Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Ständerates eine diesbezügliche Motion befürwortet hat, wird der Ständerat am 5. März und der Nationalrat möglicherweise im Sommer darüber entscheiden. Ständerat wie Nationalrat sind gefordert, besonnen zu bleiben und die Weichen richtig zu stellen.

Henrique Schneider, 
Ressortleiter sgv