Publiziert am: Freitag, 15. Dezember 2017

Kommerz statt Information

VERKOMMERZIALISIERUNG – Mit seinem Marketing-Auftritt an Berufsschauen verärgert der von UBS und Ringier kontrollierte Verein SwissSkills Marketing & Events Berufs- und Gewerbeverbände.

Seit das erfolgreiche Schweizer Nationalteam in Abu Dhabi den Vizeweltmeistertitel in der Nationenwertung geholt hat, ist die Berufsbildung in aller Munde. Und damit auch die Stiftung SwissSkills – und deren neue, finanziell starke Partner UBS und Ringier.

Christine Davatz, Vizedirektorin und Bildungsverantwortliche beim Schweizerischen Gewerbeverband sgv, ist darüber nicht nur erfreut und sagt: «Seit Jahren finden in allen Regionen Berufsmessen statt. Diese für Schülerschaft, Eltern und Lehrpersonen gleichermassen wichtigen Anlässe werden vielfach mit Unterstützung der kanto­nalen Gewebeverbände organisiert.»

Die Stiftung SwissSkills war bis vor Kurzem an solchen Veranstaltungen meist nicht präsent. Seit nun aber der Finanzriese UBS als «Presenting Partner» bei SwissSkills eingestiegen ist, hat sich das Blatt gewendet. Die neuen, zumindest finanziell potenten «Partner» der Berufsbildung wollen nun – ähnlich wie auf der inter­nationalen WorldSkills-Ebene – nicht nur Berufsmeisterschaften fördern, sondern generell Berufsbildung und (die eigene?) Exzellenz «promoten».

Marketing allein reicht nicht

«Die Absicht, die Berufsbildung zu fördern, darf nicht im reinen Marketing stecken bleiben. Der Verein SwissSkills Marketing & Events und UBS sollten sich dringend ihrer Verantwortung bewusst werden», bringt es sgv-Direktor Hans-Ulrich Bigler auf den Punkt. Der Zürcher FDP-
Nationalrat kritisiert den «überdimensionierten UBS-SwissSkills-Werbestand», mit dem die einst mittels Staatsgeldern gerettete Gross­bank nun auch auf den kantonalen und regionalen Berufsmessen die «Kids» in ihren Bann zu ziehen versucht. Der genannte Verein und UBS wollen mit einem Test Interessierten – egal ob Jugendlichen oder Erwachsenen – ihre Fähigkeiten und Neigungen aufzeigen und tun dies mit einem 
gehörigen Mass an Brimborium.

Massive Kritik aus dem Gewerbe

«Sicher ist ein solcher Test als Einstieg in einen Berufswahlprozess nicht schlecht», sagt Peter Fröhlich, Geschäftsleiter des Aargauischen Gewerbeverbandes. «Doch die kantonalen Berufsberatungsstellen bieten bereits entsprechende Beratungen an. Was also haben diese Tests mit den von SwissSkills organisierten Berufs­meister­schaften zu tun?»

Jürg Michel, Direktor des Bündner Gewerbeverbands, doppelt nach: «Die Besucher erhalten den Eindruck, hier werbe ein UBS-Stand.» Auch Thomas Hess vom Zürcher Gewerbeverband und verantwortlich für die Berufsmesse in Zürich, verlangt eine klare thematische Abgrenzung: «SwissSkills steht für Berufsmeisterschaften und soll sich bitte darauf konzentrieren, statt die Berufsmessen zu konkurrenzieren.»

Bitte keine Glamour-Shows

«Werbung für die Berufslehre und unser effizientes duales Berufsbildungssystem ist nötig und wichtig», stellt sgv-Berufsbildungsexpertin 
Davatz klar. Denn zu oft wüssten Jugendliche und Eltern noch immer zu wenig über die hervorragenden Karrieremöglichkeiten, die eine Berufslehre und die Höhere Berufsbildung böten. Glamour-Shows wie jene der UBS dagegen brauche es hier nicht.

En/CR

«KEIN BEDARF»

UBS verweigert 
das Gespräch

Gibt’s Probleme, so setzt man sich zusammen und sucht eine Lösung. Diese gut schweizerische Tugend scheint in der UBS vergessen zu gehen. Auf den Wunsch des Schweizerischen Gewerbeverbands sgv nach einem klärenden Gespräch rund um die Misstöne wegen des «UBS-Blingbling-Stand» an den Berufsmessen kam von UBS-Vertretern ein klares Njet: «Wir sehen keinerlei Bedarf für ein Meeting mit Vertretern des sgv», liess die Grossbank ausrichten. Die feine Art ist das nicht. Offenbar hat die UBS auch vergessen, dass sie sich vor nicht allzu langer Zeit – unter anderem auch mit Steuergeld aus dem Schweizer Gewerbe – hatte retten lassen müssen. En

Ja zu No Billag - SRG, wir müssen reden.
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Die Schweizerische Gewerbekammer, das Parlament des sgv, hat die Ja-Parole zur No Billag Initiative beschlossen. Die Billag-Mediensteuer ist eine willkürliche und ungerecht­fertigte Doppelbesteuerung der Unternehmen. Medien­ministerin Leuthard und die SRG-Repräsentanten lassen nichts unversucht, um den Souverän davon zu überzeugen, dass nicht nur die Existenz der SRG, sondern jene der ganzen Schweiz durch diese Initiative bedroht wird. Dies ist völliger Unsinn. Vielmehr macht ein Ja zu No Billag den Weg frei, dass endlich die seit der RTVG-Abstimmung 2015 verwehrte Diskussion über den Service Public stattfinden und die Verstaatlichung der schweizerischen Medienlandschaft verhindert werden kann.

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