Publiziert am: Freitag, 7. Juli 2017

Man lässt uns alle bluten

AHV-REFORM – Die AHV-Reform wird enorm teuer. Der AHV-Kostenrechner des sgv zeigt, was die ungerechte Scheinreform jeden Einzelnen und jede Einzelne von uns kosten wird.

Bezogen auf das Jahr 2030 verursacht die AHV-Reform jährliche Mehrkosten von sechs Milliarden Franken. Eine riesige Summe. So riesig, dass man als Normal­sterblicher kaum in der Lage ist, diesen Betrag richtig einzuschätzen. Hilfreich sind hier Vergleiche: Die jährlichen Kosten der AHV-Reform entsprechen etwa einem Drittel der Gesamtkosten der Neat oder 150 Prozent dessen, was wir für unsere Armee ausgeben. Wahnsinn!

Was jeder und jede zahlen muss

Wichtiger als die Gesamtkosten ist aber der Betrag, den jeder von uns selber beisteuern muss. Wohl aus gutem Grunde haben es die zuständigen Bundesstellen bisher unterlassen, diese Kosten sauber und umfassend auszuweisen. Der Schweizerische Gewerbeverband sgv holt dies nun nach. Mit dem vom sgv entwickelten AHV-Kostenrechner kann jedermann auf einfachste Weise nach­rechnen, was ihn die AHV-Reform kosten wird.

Eine 40-jährige, teilzeiterwerbstätige Alleinerziehende mit einem Jahreseinkommen von 35 000 Franken hätte beispielsweise Mehrkosten von über 830 Franken hinzunehmen, was deutlich mehr als zwei Prozent ihres Bruttoeinkommens sind. Kommt hinzu, dass auch ihr Arbeitgeber Mehrkosten von über 700 Franken hinzunehmen hätte, was unweigerlich Lohndruck erzeugt. Ein 45-jähriger Familien­vater mit einem Einkommen von 85 000 Franken hätte über 1000 Franken Mehr­ausgaben hinzunehmen. Selbst ein 70-jähriger Rentner mit 70 000 Franken Einkommen müsste 210 Franken mehr an Steuern abliefern. Und das, obwohl man ihm die 70 Franken Zusatzrente vorenthält.

Und so kommen diese hohen Zusatzkosten zustande:

Die Mehrwertsteuer steigt um 0,6 Prozent. Leider reicht das nur bis etwa 2025. Danach wird mindestens ein weiteres Mehrwertsteuerprozent fällig.

Die Lohnabzüge steigen um 0,3 Prozent. Das wird bis 2030 reichen. Danach braucht es mindestens nochmals eine gleiche Erhöhung.

Die Pensionskassenbeiträge steigen substantiell an.

Via Beiträge an den Sicherheitsfonds müssen 400 Millionen Franken für Massnahmen zugunsten der Übergangsgeneration finanziert werden.

Und das ist noch nicht alles

Der letzte Ausgabenposten macht deutlich, dass uns die AHV-Reform wohl noch mehr kosten wird, als sich heute errechnen lässt. Denn die 400 Millionen Franken galten beim Abschluss der parlamentarischen Beratungen. In der Zwischenzeit hat der Bund festgestellt, dass man – selbstverständlich ohne jede böse Absicht – nicht alles eingerechnet hat. Dass die 400 Millionen mittlerweile auf über 700 Millionen Franken angewachsen sind, ist aber auch nicht so entscheidend. Die vorliegende AHV-Reform ist ja eh ein Fass ohne Boden.

Auch wir vom sgv wissen: Eine Reform ohne Mehrkosen geht nicht. Verheerend an der AHV-Reform ist aber, dass sie primär eine Ausbauvorlage ist. Dies führt zu Geldverschwendung und treibt die Kosten in Höhen, die schlicht nicht mehr tragbar sind. Die AHV-Reform ist ­daher klar abzulehnen. Ein Nein am 24. September ebnet den Weg für einfachere, günstigere Lösungen.

Kurt Gfeller, Vizedirektor sgv

Weiterführende Artikel