Publiziert am: Freitag, 5. Februar 2016

Neue Technologien im Anmarsch

VERMÖGENSVERWALTUNG – Die Digitalisierung macht auch vor der Finanzindustrie nicht halt. Die unabhängigen Vermögens­verwalter müssen sich damit auseinandersetzen und Chancen und Risiken der neuen Technologien erkennen und verstehen.

Die Digitalisierung verändert sowohl unser Privat- als auch unser Arbeitsleben in nie gekanntem Tempo. Bestehende Gewohnheiten, Geschäftsmodelle, ja ganze Industrien verschwinden. Grund genug für den ­Verband Schweizerischer Vermögensverwalter (VSV), ein Seminar unter dem Titel «Chancen der Digitalisierung für unabhängige Vermögensverwalter» in Zürich durchzuführen. Wie die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle aussehen, skizzierte Benjamin Rohrmann, der bei der Synpulse Schweiz AG für den Bereich Digital Banking verantwortlich ist. «Finanzdienstleister sind im Vergleich zu anderen Branchen bereits heute schon weitaus mehr von der Digitalisierung betroffen», stellte Rohrmann fest. Dies hänge mit der Veränderung des Kundenverhaltens und der Marktteilnehmer zusammen: «Die Kunden von morgen verlangen Transparenz, Flexibilität, Mobilität, Sicherheit und Individualität.»

Nahezu täglich würden neue Unternehmungen aus dem Boden schies­sen, die Finanzdienstleistungen digitalisieren. FinTechs definierten den Markt neu. «Sie bieten Banken- und Finanzdienstleistungen basierend auf Big Data und Cloud Computing an, die meist schneller, billiger und transparenter als die Angebote der herkömmlichen Banken sind», so Rohrmann. Zudem beeinflussten die vier Megatrends Urbanisierung, Migration, Überalterung und Digitalisierung die Geschäftsmodelle der Zukunft. «Die sogenannten Digital Natives oder 47 Prozent der Schweizer Bevölkerung suchen bereits heute immer weniger den direkten Kontakt mit Bankfilialen», sagte Rohrmann. Digital Banking biete klare Vorteile dank Umsatzerhöhung und Effizienzsteigerung.

Noch unberührt vom Wandel

Doch wie steht es mit der Digitalisierung in der traditionellen Finanzbranche der unabhängigen Vermögensverwalter? Gemäss Alexander Rabian, Vorsitzender der Geschäftsleitung SRO VSV, ist die Vermögensverwaltung mehr oder weniger noch unberührt von diesem Wandel. «Viel hat sich dort bis heute nicht getan», so der Wirtschaftsanwalt. Dies führte er darauf zurück, dass das Angebot entsprechend unattraktiv sei. «Wenn es um die Digitalisierung geht, dann verfügen die unabhängigen Vermögensverwalter über keine digitalen Produkteangebote. Ebenso werden die sozialen Medien nur wenig bis gar nicht genutzt», so Rabian. Zwar hätte die digitale Welt in Form von Internet, E-Mail, Websites etc. im Alltag der unabhängigen Vermögensverwalter Einzug gehalten, doch sei eine defensive Haltung gegenüber den neuen Technologien spürbar. «Als umsichtige Verwalter von Kundenvermögen rennen die unabhängigen Vermögensverwalter nicht jedem neuesten Trend hinterher.»

Dennoch ist der Umbruch unaufhaltsam: Kunden wollen innovative, digital orientierte Anlageprodukte und hier sei es die Aufgabe der unabhängigen Vermögensverwalter, solche Angebote zu evaluieren, zu empfehlen und gegebenenfalls darin zu investieren, so Rabian. Und er betonte: «Die digitale Finanzwirtschaft hat ­hohe Relevanz für die unabhängigen Vermögensverwalter in ihrer Rolle als professionelle Vertreter von Anlegerinteressen. Deshalb müssen sie Chance und Risiken der Digitalisierung erkennen und verstehen.»

USA sind Trendsetter

Eine der neuen digitalen Möglichkeiten in der Finanzindustrie – auch für Vermögensverwalter – ist Wikifolio. Nikolaos Nicoltsios stellte die führende europäische Online-Plattform für Handelsideen von privaten Tradern und professionellen Vermögensverwaltern vor. «Knapp zehn Prozent der deutschen Vermögensverwalter sind bereits auf wikifolio.com», so der Wirtschaftsingenieur aus Wien.

Die USA sind bei der Digitalisierung der Wirtschaft sehr gut aufgestellt. Dies veranschaulichte Matthias Hausherr, der bei Synpulse USA tätig ist. «Massgebliche Trends werden in den USA gesetzt.» Neuen Produkten und Dienstleistungen würde sich ein homogener Markt mit 320 Mio. Konsumenten bieten. Dabei seien New York und Silicon Valley die Kernre­gionen für Entwicklungen neuer Finanzdienstleistungen in den USA. Corinne Remund