Publiziert am: 03.06.2022

Sanierung ist unumgänglich

AHV 21 – Die Börse hat der AHV im Jahr 2021 zu einem satten Gewinn ver­holfen. Eine Sanierung lässt sich damit aber nicht umgehen.

774 Millionen Franken Kapitalertrag hat man fĂĽr die AHV fĂĽrs abgelaufene Jahr prognostiziert. Effektiv erwirtschaftet wurden dann 1652 Millionen Franken. Ein Plus von gegen 900 Millionen Franken, das mit dazu beigetragen hat, dass die AHV im vergangenen Jahr einen EinnahmeĂĽberschuss von fast 2,6 Milliarden Franken erzielen konnte.

Gut so! Denn jeder Franken, der an den Anlagemärkten verdient wird, muss nicht über Konsumsteuern oder Lohnbeiträge eingefordert werden.

Bereits sind jedoch schon Stimmen zu vernehmen, die behaupten, dass die AHV-Sanierungsvorlage, ĂĽber die wir am 25. September abstimmen werden, ĂĽberflĂĽssig geworden sei. Der AHV gehe es finanziell ja blendend. All die prognostizierten Defizite seien ohnehin bloss Schwarzmalerei und Panikmache der Verwaltung und der bĂĽrgerlichen Politiker. Der AHV-Abschluss 2021 zeige, dass sie jeder Grundlage entbehrten.

Wie gewonnen, so zerronnen

Diese Behauptungen sind barer Unsinn! Denn einerseits können einzelne positive Ausreisser keinen langfristen Trend umkehren. Und andererseits haben die Märkte inzwischen eine völlig andere Richtung eingeschlagen. Ein ordentlicher Teil der im letzten Jahr erzielten Buchgewinne hat sich in der Zwischenzeit in Luft aufgelöst. Die UBS weist für ihren Bestand an betreuten Vorsorgeeinrichtungen per Ende April 2022 eine negative Performance von 4,72 Prozent aus. Das kommt nahe an das Anlageergebnis von 5,28 Prozent heran, das der AHV-Fonds im letzten Jahr erzielt hat.

Fast der ganze Anlageertrag, der im letzten Jahr erwirtschaftet werden konnte, ist damit in den ersten vier Monaten dieses Jahres wieder verloren gegangen. Richtig: Die Märkte haben noch acht Monate Zeit, um diese Verluste wieder ganz oder zumindest ansatzweise wettzumachen. Genauso gut können sie sich aber weiterhin in die falsche Richtung weiterentwickeln, und der Verlust kann noch deutlich höher ausfallen, als er zur Zeit ist.

Massgebend ist der mittel- und langfristige Trend

Jahres- oder gar Quartalsabschlüsse sind für die AHV, die auf einen extrem langen Zeithorizont ausgerichtet ist, aber ohnehin die falsche Messgrösse. Massgebend ist hier der mittel- und langfristige Trend. Und dieser weist ganz klar in die Verlustzone. Für 2025 wird noch ein vergleichsweise bescheidenes Defizit von einigen hundert Millionen Franken vorausgesagt, das sich unter günstigen Voraussetzungen gar noch in einen Gewinn wandeln könnte. Für 2028 wird dann aber bereits mit einem negativen Betriebsergebnis in der Höhe von 3,3 Milliarden Franken gerechnet. Und da darf man sich keine Illusionen machen: dieser prognostizierte Ausgabenüberschuss wird sich mit Sicherheit nicht mehr in einen Gewinn verwandeln.

Der Kapitalstock bröckelt

In den Jahren danach werden die Defizite weiter anwachsen. Und das exponentiell. Verzichtet man auf Sanierungsschritte, wird der Kapitalstock der AHV, der sich zur Zeit noch auf stolze 50 Milliarden Franken beläuft, bis circa 2036 vollends aufgebraucht sein. Was dann?

Kurzfristige Börsenausschläge hin oder her: Die AHV ist und bleibt ein dringender Sanierungsfall. Mit der AHV 21 steht ein erster Sanierungsschritt an, mit dem das Betriebsergebnis der AHV um gut zwei Milliarden Franken pro Jahr entlastet werden kann. Das reicht aus, um die AHV-Finanzen bis etwa im Jahr 2030 im Lot zu halten. Danach braucht es weitere, noch griffigere Reformen.

Eine rasche AHV-Revision ist unumgänglich. Das vom Parlament geschnürte Reformpaket ist ausgewogen. Bei der Abstimmung über die AHV-Sanierung gibt es daher nur eine Antwort: Ja zu sicheren Renten, Ja zur AHV 21!

Kurt Gfeller, Vizedirektor sgv

www.sgv-usam.ch

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