Publiziert am: Freitag, 6. November 2015

«Schnell ins Tessin – nur via Gotthard»

GOTTHARDSANIERUNGSTUNNEL – Die AGZ Ziegeleien AG beliefern Kunden im Tessin und sind ­dabei auf einen flexiblen und kostengerechten Transport durch den Gotthard angewiesen.

Die AZG Ziegeleien haben Kunden in der gesamten Schweiz – dazu gehört auch das Tessin. «Wir haben pro Woche mehrere Lieferungen in die Sonnenstube der Schweiz», erklärt Philippe Fischer, Leiter Verkauf & Marketing. Dabei werden die Gettnauer Tondachziegel und Backsteine in LKW verladen und auf der Strasse durch den Gotthard an ihren Bestimmungsort im Tessin transportiert. «Unsere Kunden erwarten ­einen schnellen, sicheren und kostengerechten Transport. Dies gehört auch zu unserem hohen Qualitätsstandard und ist eine Voraussetzung, um (auch im Tessin) wettbewerbsfähig zu bleiben», betont Fischer. Und er ergänzt: «Wir können einen möglichst effizienten Transport nur auf der Strasse via Gotthard gewähr­leisten.» Vielfach werde direkt auf die Baustelle geliefert. «Unsere Lieferungen sind so innert wenigen Stunden vor Ort oder im Lager bei unseren Kunden. Jedes Umladen generiert zusätzliche Kosten. Zudem lautet unsere Devise rein schon aus Qualitätsgründen, die fragile Fracht so wenig wie möglich zu verschieben», erklärt Fischer. Per Bahn daure es zwischen drei und vier Tagen.

Kosten- und termingerecht liefern

Dies bestätigt auch René Lindegger von der Lindegger Transport GmbH aus Sempach. Er ist einer der Transportpartner des KMU. Zweimal pro Woche, also rund 100 bis 120 Fahrten pro Jahr, fährt er, beladen unter anderem mit Backsteinen und Ziegel aus Gettnau, ins Tessin. «Wir passieren den Gotthardtunnel 200- bis 240-mal im Jahr mit 4000 bis 6000 Tonnen Güter», so Lindegger. Er wie auch die anderen Chauffeure würden regelmässig mit einem mulmigen Gefühl durch den 17 km langen Gotthardtunnel fahren: «Es ist unberechenbar und man weiss nie, was ­einem entgegenkommt.»

Zeitfaktor und gute Bedingungen auf der Strasse seien mittlerweile die wichtigsten Faktoren in Bezug auf die Kostenstruktur beim Transport auf der Strasse. «Der Kunde ist nicht mehr bereit, Stauzeitkosten zu tragen», konkretisiert Lindegger und betont: «Effiziente Distanzen sind unumgänglich, um den Kunden kosten- und termingerecht bedienen zu können.» Deshalb sei der Bau einer zweiten Gotthardröhre für die Schweizer Wirtschaft unabdingbar – insbesondere auch für den Kanton Tessin.

Kosten für uns untragbar

Der Tessin ist ein Bestandteil der Schweiz. «Es ist unsere Aufgabe, auch den Südkanton mit Schweizer Qualitätsware zu beliefern. Tun wir das nicht mehr, so kommt das angrenzende Ausland zum Zug», gibt Fischer zu bedenken. Könnte das Unternehmen nicht mehr durch den Gotthard seine Tessiner Kundschaft beliefern, so wären Zeitverluste und zusätzliche Kosten, die niemand bezahlen will, die Folgen. «Wir müssten auf die insgesamt 280 km längere San-Benardino-Route ausweichen oder unsere Ware auf die Bahn verladen und die Feinverteilung im Tessin organisieren», erklärt Fischer, und Lindegger ergänzt: «Es würden massive Kosten durch Umwege und unkalkulierbare Kosten durch Wartezeiten entstehen, die für unsere Unternehmen nicht mehr tragbar wären.»

ROLA kostenmässig 
nicht verkraftbar

Die Variante «rollende Landstrasse ROLA» funktioniert sowohl für Fischer als auch für Lindegger nicht: «Unsere schnellen Lieferungen ins Tessin würden dann auf die Bahn verladen und wären automatisch an einen längeren Vorlauf gekoppelt. ROLA funktioniert nur, wenn diese durch viele Steuergelder quersubventioniert würde. Dies ist aber nicht im Interesse des Steuerzahlers», so Fischer. Diese Variante ist auch für Lindegger ineffizient und zu teuer: «Der Nord-Süd-Verkehr stösst jetzt schon – auch via Bahn – an seine Kapazitätsgrenzen. Man brauchte auch viel längere Vorlaufzeiten, was in der heutigen Zeit fast nicht mehr möglich ist.» CR

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