Publiziert am: Freitag, 24. März 2017

Stempelmarkt wird stark gefordert

STEMPELFABRIKANTEN – Die Stempelbranche steht in einem schwierigen Spannungsfeld: Einerseits weht mit der Lasertechnik ein frischer Wind, andererseits herrscht ein starker Preiskampf und der Stempel ist zu einem Nischenprodukt geworden.

Früher war der Stempel omnipräsent: Er wurde im Postwesen eingesetzt oder im Zahlungsverkehr als Mittel benutzt, um bequem und kostengünstig eingezogene Entgelte, Gebühren und Steuern zu quittieren (Gebührenstempel, Steuerstempel). Eine weitere weit verbreitete Anwendung des Stempels ist die Kennzeichnung von Besuchern bei gebührenpflichtigen Veranstaltungen.

«Die meisten Unternehmen haben ein zweites Standbein, um zu überleben.»

Als Vorgänger des Stempels diente bereits im Mittelalter das Siegel, welches zumeist von Adeligen und Geistlichen zum Besiegeln gebraucht wurde. Ab dem 19. und 20. Jahrhundert sind immer mehr Stempel in Umlauf gekommen. «Heute werden Stempel im Gewerbe und in der Industrie, in Spitälern, Verwaltungen und Ämtern gebraucht. Allerdings hat der Stempel seinen Zenit langsam überschritten, denn im Zeitalter der Digitalisierung ist sein Bedarf tendenziell eher rückläufig», erklärt Andy Felber, Präsident des Schweizerischen Stempelfabrikanten Verbandes SSV-USFT. Er führt in Kriens selber ein Geschäft für Stempel, Gravuren und Beschriftungen und kennt sich somit bestens in der Branche aus. «Der Stempel ist anzahlmässig um rund 50 Prozent zurückgegangen. Nichtsdestotrotz wird der Stempel noch öfters gebraucht als man denkt.»

Früher stellten der Stempelmacher, auch Flexograph genannt, die Stempel mit Bleisatz her. «Dieses Handwerk wie auch die dazugehörigen Berufe sind mittlerweile verschwunden», sagt Felber. Auch in der Stempelbranche hat die Digitalisierung Einzug gehalten. Die jüngste Technologie auf dem Stempelmarkt ist die Lasergravur, bei der aus einem Gummirohling der Text mittels Laserstrahls an den nichtdruckenden Stellen der Stempel- oder Textplatte freigeschnitten wird. «So bleiben die Buchstaben stehen und nichtdruckende Bereiche werden weggebrannt oder verdampft», erklärt Felber, der selber mit dieser Technik arbeitet. Anschliessend wird die Stempelplatte mit einem doppelseitig klebenden Moosgummi unterfüttert, ausgeschnitten und dann auf das entsprechende Medium aufgeklebt.

«Es wird immer 
Stempel brauchen.»

In der Schweiz werden noch in rund 30 Betrieben Stempel produziert. «Die meisten Unternehmen haben ein zweites Standbein wie Gravuren, Beschriftungen oder Druckaufträge, um zu überleben. Die Stempelfabrikation läuft meistens nebenbei», stellt Felber fest. Dementsprechend lehrt jeder Betrieb seine Leute auch selber an. «Die Leute kennen sich meistens gut in Grafik und Schriften aus. Oft haben sie zuvor eine Lehre als Typo- oder Polygraph oder Werbetechniker absolviert. Viele sind auch Quereinsteiger», so Felber.

Grosser Preisdruck

In der Branche herrscht ein grosser Verdrängungskampf. «Der Kuchen wird immer kleiner», so Felber. Und er ergänzt: «Der Preisdruck ist enorm.» Durch Onlineshops im Internet, die durch reine Händler betrieben werden, habe sich die gesamte Situation für den Stempel drastisch verschlechtert. «Günstige Internet-anbieter in In- und Ausland schlagen 20 bis 50 Prozent Rabatte auf ihre Produkte, da können wir natürlich nicht mithalten. Dies entspricht überhaupt nicht einer einheitlichen Preisgestaltung», sagt Felber. Zudem haben die Stempelfabrikanten das gleiche Problem wie der Detailhandel. Wir kaufen gegenüber allen anderen EU-Staaten um 40 bis 50 Prozent teurer ein», so Felber.

Die Stempelbranche befindet sich in einem herausfordernden Umfeld mit schwierigen Rahmenbedingungen. Die Digitalisierung sorgt einerseits für neue Technologien bei der Produktion, andererseits verdrängt sie auf gewissen Gebieten auch die Stempel. Die Notwendigkeit und die Produktion der Stempel ist zwar eher rückläufig, trotzdem wird es immer Stempel brauchen», betont Felber. Er bleibt zuversichtlich: «Wir haben eine Nische gefunden, wo wir uns momentan gut positionieren können. Natürlich müssen wir am Ball bleiben, damit unsere Branche nicht wegrationalisiert wird», bringt es Felber auf den Punkt. Corinne Remund

Der SSV-USFT kurz ERklÄrt

Austausch und Netzwerk

Die Wurzeln des Schweizerischen Stempelfabrikanten Verbands reichen ins Jahr 1930 zurück. Damals wurde von fortschrittlichen Graveuren, die Metallstempel fabrizierten, das Flexoclichée (Druckform für Verpackungsmaterial) entdeckt. Daraus entstand die «Behelfsdrucksache» Stempel. Einige Graveure, die auch Gummistempel fabrizierten, schlossen sich zusammen und gründeten den Schweizerischen Stempelfabrikanten Verband SSV-USFT. Damals war die Hauptaufgabe des Verbandes die Ausbildung des Flexographen, auf Deutsch Stempelmacher. Dieser Beruf setzte sich aus Schriftsetzer und Hersteller von Gummiclichées zusammen. Heute gibt es diesen Beruf nicht mehr. Ebenso ein Anliegen war den Gründungsmitgliedern damals die Kalkulation und Preisgestaltung für Stempel und dazugehörende Handelsware.

Heute ist der Verband eine Plattform für einen regen Austausch an Informationen und Wissen. Der wichtigste Termin in der Agenda der Mitglieder ist die jährliche GV. Dort werden Neuigkeiten der Branche ausgetauscht und es wird das Netzwerk gepflegt. Zudem vertritt der Verband seine Mitglieder gegen aussen.

Vom Einmannbetrieb bis 
zu mehreren Angestellten

Der Verband zählt zurzeit 17 Mitglieder. Es sind alles KMU, vom Einmannbetrieb bis zu Unternehmen mit mehreren Angestellten. Die meisten haben nebst dem Fabrizieren von Stempeln noch einen weiteren Geschäftsbereich wie beispielsweise Beschriftungen/Gravuren oder Druckaufträge. Die gesamte Branche generiert jährlich zwischen 20 und 40 Millionen Franken Umsatz. CR