Publiziert am: Freitag, 4. Juli 2014

Wie Unternehmergeist langsam erlischt

 

Seit sieben Jahren ist eines der schönsten Wald- und Wanderrestaurants südlich der Stadt Zürich, der Gasthof Hintere Guldenen, geschlossen – weil es die Zürcher Kantonalbank so will. Seit sieben Sommern und sieben Wintern ist der Bank nichts eingefallen, um einem jungen Wirtspaar eine Existenz zu ermöglichen und Tausenden von Stammgästen, die auf eine Eröffnung warteten, wieder einen sehr schönen, sogar exklusiven Standort zugänglich zu machen. Jetzt, nach sieben Jahren voller Nullentscheide, will die Bank das stillgelegte Haus samt grossem Wiesengelände verkaufen. Michael Schumacher war schon einmal unter den Bietern.

Dieser weithin erloschene Unternehmergeist in unseren grossen Finanzinstitutionen, wo Spekulation vor Investition kommt, ist es, der dem Aufbau einer gesunden Volkswirtschaft von unten her schadet. Der Chef einer Grossbank, der Kunden nur trifft, wenn sie mehr als 50 Millionen Franken «bringen», sein Kollege in der Nachbarbank, der bei einem Verlust von Hunderten von Millionen sagt: «Eine Milliarde Franken liegt im Bereich der Tagesschwankungen», das sind Wirtschaftsvertreter, die sich nicht mit einer «Beiz» beschäftigen; es sei denn, wie im Falle Philipp Hildebrands, heute Vizepräsident von Blackrock, der sich mit Freunden gleich den ganzen «Blausee» bei Kandersteg kauft.

KMU und Gewerbebetriebe zahlen, gemessen an den Leistungen vieler grosser Finanzinstitute und Tausender ausländischer Konzerne in der Schweiz, viel zu hohe Steuern und steigende Gebühren. Erschreckend ist die vom Nationalrat bestätigte Sondersteuer von 400 Franken pro Jahr für jeden Gewerbebetrieb zugunsten von Schweizer Radio und Fernsehen, dessen Leistungen nachlassen und deshalb hoch umstritten sind. Immobilienspekulation und raumplanerische Vorschriften vertreiben wertvolle Geschäfte aus den Innenstädten. Einkaufszentren, die jetzt auch mit arabischem Geld hochgezogen werden, vernichten Dutzende von Betrieben in vielen Regionen.

Wie die kleinen Banken fast verschwunden sind, wie im Detailhandel der Kleinbetrieb nur dank der Selbstausbeutung der Familien, einschliesslich der Schwiegertöchter und -söhne, überleben kann, wie Restaurants und mittelgrosse Hotels schneller denn je auf den Bankrott zusteuern, das zeigt den politisch gewollten Niedergang des Schweizer Mittelstandes. Die linken und grünen Parteien erhöhen mit ihren unrealistischen Forderungen für Sozialleistungen jenseits von Gut und Böse den Druck noch. Die Mitte- und Rechtsparteien fördern den Aussenhandel der Konzerne, wo Novartis alleine mit 14 Pro-
zent bestimmend ist. EDA-Chef Burkhalter lässt sich von seinem Staatssekretär Yves Rossier Richtung Brüssel manipulieren, und der mit den USA und anderen gewollte Freihandel wird die Reste unserer Landwirtschaft zerstören.

Gewerbe und KMU sind die Quellen der Kreativität. Sie werden deshalb gerne von den Konzernen gekauft, wenn die Früchte reif geworden sind. Der Impuls aus dem um sein Überleben kämpfenden Mittelstand ist es, der die Schweizer Wirtschaft so widerstandsfähig macht. Dieser Wille zur Selbständigkeit, verbunden mit Erfindungsgeist, wie er in föderalistischen Staaten möglich ist (Frankreich, Spanien und Russland sind perfekte Gegenbeispiele), machten den Wohlstand des Landes aus.

Der Schweizerische Gewerbeverband ist die stärkste Organisation im Lande, die diesem Anspruch ihrer Mitglieder gerecht wird. Ohne Verbündete ist das nicht zu schaffen, aber der feste eigene Wille ist die beste Voraussetzung, diesen Kampf erfolgreich zu bestehen.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon ZH.

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