Herr Jauslin, weshalb ist die Revision des Kriegsmaterialgesetzes für Schweizer KMU wichtig?
Viele denken bei diesem Thema zuerst an Waffen und grosse Rüstungskonzerne. Doch auch zahlreiche innovative Schweizer KMU sind daran beteiligt. Sie kommen zum Beispiel aus der Elektronik, der Optik, der Metallverarbeitung oder der Präzisionstechnik. Diese Unternehmen entwickeln spezialisierte Bauteile und Technologien, die sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich eingesetzt werden können.
Dahinter stecken viel Wissen, jahrelange Erfahrung und wertvolle Arbeitsplätze. Als Unternehmer weiss ich, wie viel Zeit, Geld und Einsatz nötig sind, um solche Fähigkeiten aufzubauen. Dieses Wissen und diese Arbeitsplätze dürfen wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.
Welche Bedeutung hat die Vorlage für innovative Start-ups?
Die Grenzen zwischen ziviler und militärischer Technologie sind heute oft fliessend. Denken wir an Drohnen, Robotik, künstliche Intelligenz oder Sensorik. Viele dieser Technologien entstehen an der einfachen Werkbank bis hin zu den Hochschulen. Ein wichtiges Bindeglied ist dabei die aktive Start-up-Szene. Die Schweiz hat enormes Potenzial. Entscheidend ist, dass aus guten Ideen erfolgreiche Unternehmen werden, die ihre Technologien bei uns weiterentwickeln und qualifizierte Arbeitsplätze schaffen.
Besteht tatsächlich die Gefahr, dass dieses Wissen verloren geht?
Ja. Wenn Schweizer Unternehmen aus internationalen Produktionsketten ausgeschlossen oder ihre Komponenten durch ausländische ersetzt werden, verlieren wir den Anschluss. Gerade für kleinere Betriebe kann das existenzielle Folgen haben. Damit verschwinden nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch über Jahrzehnte aufgebautes Fachwissen. Sind Fachkräfte und Entwicklungsabteilungen einmal abgewandert, lassen sich diese Kompetenzen kaum zurückholen. Die Revision hilft, unsere KMU wettbewerbsfähig zu halten.
Warum ist dieses Wissen auch für die Sicherheit der Schweiz entscheidend?
Ein Land, das seine Sicherheit gewährleisten will, muss über eigene technologische und industrielle Fähigkeiten verfügen. Wir können nicht alles selbst herstellen und es braucht Kooperationen, insbesondere mit unseren europäischen Partnern. Aber wir sollten in wichtigen Bereichen die Produktionsmöglichkeiten im eigenen Land erhalten. Gerade Krisen zeigen, wie gefährlich einseitige Abhängigkeiten vom Ausland sind. Wer wichtige Technologien selbst entwickeln und produzieren kann, ist handlungsfähiger.
Was verbessert die Gesetzesrevision konkret?
Sie erleichtert die internationale Zusammenarbeit und schafft bessere Voraussetzungen, damit Schweizer Unternehmen Teil internationaler Entwicklungs- und Produktionsketten bleiben. Unser Heimmarkt ist für viele spezialisierte Betriebe zu klein, um langfristig in Forschung, Fachkräfte und moderne Anlagen zu investieren. Solche Partnerschaften sichern nicht nur bestehende Aufträge, sondern eröffnen Perspektiven für neue Technologien, innovative Start-ups und qualifizierte Arbeitsplätze.
Können Sie die Bedenken gegenüber einer Lockerung der Exportregeln nachvollziehen?
Selbstverständlich. Es ist eigentlich Wahnsinn, dass Millionen Menschen hungern, während weltweit Milliarden für Rüstung ausgegeben werden. Doch leider hat sich die Sicherheitslage massiv verändert und unser Weltbild ist deutlich düsterer geworden. Wir Grünliberalen stehen für eine verantwortungsvolle Sicherheitspolitik, die Menschenrechte, Neutralitätsrecht und internationale Verpflichtungen ernst nimmt. Gleichzeitig müssen wir uns fragen, ob wir mit zu restriktiven Regeln wirklich dem Frieden dienen oder einfach technologisches Wissen ins Ausland verdrängen. Damit wäre unserer Sicherheit nicht gedient. Wir brauchen beides: klare rechtliche Leitplanken und eine starke Schweizer Industrie.
Was ist Ihr wichtigstes Argument für ein Ja am 29. November?
Wir müssen dafür sorgen, dass die Schweiz auch morgen über das Wissen und die Fähigkeiten verfügt, die sie für ihre Sicherheit braucht. Dahinter stehen Menschen, die forschen, entwickeln und produzieren. Dahinter stehen innovative Start-ups, erfolgreiche KMU und qualifizierte Arbeitsplätze. Als Unternehmer und Sicherheitspolitiker bin ich überzeugt: Wir müssen dieses Wissen in der Schweiz behalten, statt es ins Ausland zu verlieren.
Ein Ja am 29. November stärkt unsere KMU, sichert Arbeitsplätze und erhält technologisches Know-how – für eine innovative, eigenständige und sichere Schweiz.
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