Publiziert am: Donnerstag, 27. März 2014

Vor allem 
Randregionen 
leiden

ABWANDERUNG – Die Mindestlohn-Initiative ist nicht zuletzt für 
Berg- und Randregionen mehr als schädlich. Wie in der Gemeinde Jaun drohen an vielen anderen Orten bei einer Annahme höhere Arbeitslosenzahlen, Abwanderung und gar Schulschliessungen.

Helfen Sie mit – und sagen Sie am 18. Mai 2014 NEIN zur Mindestlohn-Initiative! Helfen Sie mit – und sagen Sie am 18. Mai 2014 NEIN zur Mindestlohn-Initiative!

«Ein Lohn von 22 Franken pro Stunde ist bei uns im Tourismus- und Dienstleistungssektor einfach nicht bezahlbar», warnt Jean-Claude Schuwey, Gemeindepräsident in Jaun. Das Dorf im Greyerzerland hat rund 700 Einwohner und lebt vom Tourismus. «Für uns, sowie für viele andere Rand- und Berggebiete hätte die Initiative nur negative Konsequenzen. Im gesamten Dienstleistungssektor leben wir hier vor allem vom saisonalen Betrieb der Bergbahnen und vom Tourismus allgemein», erklärt Schuwey. Bei den Bergbahnen im Dorf seien lediglich zwei Mitarbeitende fest angestellt. Der Rest der rund 30 Arbeitnehmenden arbeite im Stundenlohn. Kommt die Initiative durch, müssten Stellen gestrichen werden und auf den Betrieb der Bergbahn kämen riesige Probleme zu. Um Sicherheit und Qualität weiterhin gewährleisten und Gäste anziehen zu können, müssten weniger Mitarbeitende viel mehr leisten. «Ich habe im Moment keine Ahnung, wie unser Betrieb dieses Problem lösen könnte», zeigt sich Schuwey, der auch Präsident der Jaun-Gastlosen-Bergbahnen ist, äusserst besorgt. «Wir müssen schon jetzt jeden Franken zweimal umdrehen.» Der Tourismus sei für das Dorf unersetzlich. «Nur dank ihm können wir in der Lebensmittelbranche und der Hotellerie weiterhin Arbeitsplätze schaffen, die in dieser Region extrem wertvoll sind.» Ein Ja zur Mindestlohn-Initiative hätte deshalb für die ganze Dorfgemeinschaft ein riesiges Schadenspotenzial.

Akute Gefahr 
für den Schulbetrieb

Bedroht sieht der Gemeindepräsident beispielsweise die Schule: «Wir sind relativ abgeschottet von unseren Nachbargemeinden, mit welchen wir lediglich durch die Pässe verbunden sind», so Schuwey. Von hier aus in ein anderes Dorf oder in eine grössere Agglomeration zur Arbeit zu pendeln, sei extrem aufwendig.

«Gehen bei uns Stellen verloren, hat das direkt Auswirkungen auf die Einwohnerzahl der Gemeinde. Momentan liegt die Arbeitslosigkeit in Jaun quasi bei null», erklärt Schuwey. Werden wegen der Mindestlohn-Initiative Stellen abgebaut, gehen kurz darauf auch die Leute weg. «Sie müssten sich anderswo einen Job suchen, und würden wegziehen.» Das bliebe nicht ohne Konsequenzen für die Schule. «Die meisten Familien haben relativ viele Kinder, die bei uns in der Gemeinde zur Schule gehen. Ziehen nur schon drei, vier Familien weg, fehlen uns die Kinder einer ganzen Klasse. Das wirkt sich negativ auf den Schulbetrieb aus.»

An eine eventuelle Schliessung möchte der 64-jährige Ammann dabei noch gar nicht denken. «Mit rund 80 Schulkindern ist die Schule momentan noch gut besucht – deshalb haben wir auch unseren eigenen Schulkreis.» Käme es aber zur Abwanderung von Familien, würde dieser immer mehr schrumpfen, bis schliesslich ein Schulkreis mit einer anderen Gemeinde gebildet werden müsste. «Da viele unserer Nachbargemeinden französischsprechend sind, wäre das für die Kinder und die Familien bei uns ein einschneidender Schritt», betont Schuwey.

«Abwanderung 
ist ein Problem.»

«Die Berggebiete trifft es massiv.»