Der Schweizerische Gewerbekongress vom Dienstag, 5. Mai, stand unter dem Motto «Mehr Unternehmertum – weniger Bürokratie». Der Grund ist klar: Hauptsorge der KMU bleibt auch im aktuellen Umfeld die Bürokratie. Der Abbau der Regulierungskosten ist denn auch weiterhin ein Schwerpunktthema der am Kongress vorgestellten Strategie 2026– 2030 (vgl. Interview Seite 2).
Die Delegierten der Mitgliedorganisationen bestellten die Gewerbekammer, das Parlament des sgv, neu. Unternehmer und Ständerat Fabio Regazzi wurde von den Delegierten einstimmig für die nächste Amtsperiode als Präsident bestätigt. Neu im Vorstand Einsitz nimmt der Luzerner FDP-Ständerat Damian Müller. Er folgt auf alt Ständerat Ivo Bischofberger als Vertreter des Schweizer Fleisch-Fachverbands. Ebenfalls neu im Vorstand Einsitz nehmen Patrick Gendre, Präsident UPCF, und Roman Mayer, Präsident der Wirtschaftskammer Baselland. Nach langjähriger aktiver Tätigkeit verliessen neben Bischofberger auch alt Nationalrat Hansjörg Brunner und Pierre Daniel Senn, der als Vizepräsident amtete, den Vorstand (vgl. Seite 3).
BĂĽrokratie bleibt das Sorgenkind
Nach der Präsentation der neuen Strategie durch sgv-Direktor Urs Furrer lag der Fokus eines Podiums mit Moderator Reto Brennwald und Vertreterinnen und Vertretern des Gewerbes auf der Fragestellung, welche Bedingungen es für gutes Unternehmertum braucht.
Wer, wenn nicht der sgv?
Gemäss Hochrechnung belaufen sich die Regulierungskosten in der Schweiz mittlerweile auf über 80 Milliarden Franken pro Jahr oder 10 Prozent des Bruttoinlandprodukts. «Eines ist klar», sagte Präsident Regazzi: «Wenn wir nicht wachsam sind und uns gegen immer mehr Bürokratie und einen wachsenden Staatsapparat wehren – wer tut es dann?»
Keine Entwarnung aus dem SECO
Ein Steilpass, den Gastrednerin und SECO-Staatssekretärin Helene Budliger Artieda mit der Antwort parierte, dass das SECO die administrative Entlastung als eine Daueraufgabe ansehe und sich seit langem mit mehreren Instrumenten für weniger Bürokratie einsetze. Sie prognostizierte weiterhin schwierige Zeiten für die Schweizer Wirtschaft für die kommenden Monate und ermunterte die Anwesenden, nicht zu resignieren. KMU und die Schweiz hätten sich in der Vergangenheit dadurch ausgezeichnet, stets das Beste aus schwierigen Situationen zu machen und über sich hinauszuwachsen. Eine Fähigkeit, welche in diesen Tagen ganz besonders gefragt sei. Entwarnung gab Budliger nicht.
Nicht noch mehr BĂĽrokratie
Die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz», über welche am 14. Juni abgestimmt wird, würde für die KMU mehr Bürokratie bringen (vgl. Seite 6). Ein Grund, weshalb das Gewerbe die Initiative bekämpft – obwohl es zum Teil auch Sympathien dafür hegt. Gross ist auch der Respekt vor weiterer Bürokratie aus Brüssel, sollte das EU-Paket angenommen werden. Der sgv ist dem Dossier gegenüber offen-kritisch eingestellt – und fordert, dass es dem Ständemehr unterstellt wird.
www.sgv-usam.ch/kongress