Publiziert am: Freitag, 21. März 2014

Eine gemeinsame Sprache

INNOVATIVE BERUFSBILDUNG – Die Schweiz ist in fast allen Bereichen innovativ. Dies verdankt sie einem einziartigen Berufsbildungssystem, das eine hohe Arbeitsqualität gewährleistet.

Die Stärke unseres dualen Berufs-bildungssystems besteht darin, dass es sehr breit abgestützt ist, 230 Be-rufe abdeckt und in der Höheren ­Berufsbildung 800 spezialisierte Abschlüsse vorweist. Somit bietet es eine wichtige Grundlage für die Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in der Schweiz. Dies bestätigt auch die Professorin Uschi Backes-Gellner von der Universität Zürich: «Das Schweizer Innovationsmodell basiert vor allem im industriellen Bereich auf der Verbindung von hervorragend ausgebildeten Facharbeitern aus dem dualen Bildungssystem mit Absolventen aus dem Hochschulsystem.»

Auch der Ökonom Rudolf Strahm sieht den wirtschaftlichen Erfolg der Schweiz in unserem einzigartigen Berufsbildungssystem. Die Schweiz sei nicht reich wegen der Banken oder wegen irgendeiner hochgezüchteten Einzelbranche, sondern weil die hohe Arbeitsqualität und Innovation in sehr vielen Bereichen, Branchen und Firmen vorherrschten. «Die hohe Wertschöpfung pro Beschäftigten zeigt sich nicht nur in den Grosskonzernen, sondern auch in der KMU-Wirtschaft.» Gemäss Backes-Gellner ergebe sich ein wesentlicher Teil des Erfolgs des Schweizer Modells aus der unmittelbaren Nachbarschaft von Forschung & Innovation und Produktion. «Qualitativ hochwertige Innovationen kommen dann zustande, wenn die unterschiedlich qualifizierten Arbeitskräfte eine gemeinsame professionelle Sprache sprechen und gegenseitig Erfahrungen austauschen.» Die Ausgebildeten brächten immer die neuesten Technologien und das neueste Prozesswissen mit. Das garantiere die hohe Qualität und Innovation der Wirtschaft, ergänzt Strahm. Für den ehemaligen Preisüberwacher ist die Höhere Berufsbildung das wichtigste Diffusionsinstrument, um neue Technologien und neuestes Prozessewissen in der KMU-Wirtschaft zu verbreiten. Sie sei heute breiter abgestützt und als Technologievehikel bedeutsamer als die Hochschulen. «Was bringen neue Erfindungen und Technologieentwicklungen, wenn die spezialisierten Fachkräfte fehlen, die sie auch verbreitet in die Wirtschaft hineintragen?», fragt sich der ehemalige Nationalrat. Aus Sicht von Backes-Gellner ist es wichtig, um innovativ zu bleiben, «dass sich auch junge Unternehmen und Start-ups früh an der dualen Ausbildung beteiligten, weil sich dadurch auch neue Berufsbilder schneller verbreiten können.» Damit die Schweiz diesen hohen Ausbildungsstatus und somit ihre Innovationskraft halten kann, muss die Höhere Berufsbildung aufgewertet werden. «Die Titeläquivalenz zu ausländischen Diplomen muss hergestellt und die Bildungsgänge müssen stärker finanziert werden», betont Strahm. In dieselbe Richtung zielt auch Backes-Gellner: «Die Stärke der Berufsbildung muss besser nach aussen kommuniziert werden – insbesondere gegenüber ausländischen Managern und sonstigen Entscheidungsträgern, die mit der dualen Berufsausbildung nicht vertraut sind.»

Corinne Remund